12. März 1989 – die Erfindung des World Wide Webs

...und was ein Waffenhersteller mit der Tastatur und die Sowjetunion mit dem Internet zu tun hat

Weltweit verlegte Kommunikations-Unterseekabel | Bild: Wikimedia Commons

Ob über Handy oder PC, Autos oder Staubsauger – das Internet verbindet fast alle Geräte um uns he-rum. Es prägt unser Leben dermaßen, dass es den Anschein hat, fast ewig bereits da gewesen zu sein. Andererseits aber sprechen Eltern und Großeltern oftmals über die „Zeiten vor dem Internet“ – können aber interessanterweise sehr gut mit der Tastatur umgehen. Trotz dessen stellt sich kaum einer die Frage: Wieso? Und seit wann gibt es eigentlich das Internet? Die Antworten darauf bieten oftmals ganz interessante Zusammenhänge.

Schreib-Geräte für Blinde

Wer hätte denn gedacht, dass unsere alltägliche Tastatur eigentlich vor knapp 450 Jahren als Schreibhilfe für Blinde erfunden wurde – erstmals 1575, vom italienischen Buchhändler Francesco Rampazetto. Knapp 200 Jahre später entwickelten auch Pellegrino Turri für seine blinde Freundin, später Agostino Fantoni für seine blinde Schwester und viele andere sogenannte „betastbare Schreibgeräte“. Das erste Patent weltweit für ein „Gerät zum Transkribieren von Buchstaben“ erhielt jedoch 1714 der Brite Henry Mill. All diese Geräte sahen ganz anders aus als die uns heute bekannte Tastatur und waren einmalig und oftmals eigenartig im Design.

Waffenhersteller etabliert heutige QUERTY-Tastatur

Es sollte noch über ein Jahrhundert dauern bis es zu einer breiteren Nutzung einer einheitlichen Tastatur kam. Nach einem Streik in seiner Druckerei in Milwaukee/ USA, begann Christopher Latham Sholes zusammen mit Samuel W. Soule und mit der finanziellen Unterstützung von Carlos Glidden im Jahr 1866, eine mechanische Schreibmaschine in der Form eines  „Buchstabenklaviers“ zu entwickeln. Nach Verkauf des Patents für 12.000 USD (heute rund 300.000 USD), wurde auch das von Sholes neu entwickelte QUERTY-Tastaturlayout weitergegeben, dessen Anordnung auf der Auftrittswahrscheinlichkeit der Buchstaben in der englischen Sprache basierte, wobei der Begriff selbst auf die ersten Buchstaben links oben auf der Tastatur zurückzuführen ist. 

Nach einer weiteren Übernahme durch den Waffenhersteller Remington wurde dann erstmalig 1878 auch die Groß- und Kleinschreibung angeboten. Durch eine systematische Werbekampagne sowie kostenlose Schulungen auf seinen „Schreib-Maschinen“ für Behörden, Sekretärinnen und Stenographen, schaffte es Remington, Sholes’ QUERTY-Tastatur von den Dutzenden anderen Layoutvarianten (zu der Zeit: knapp 60) abzuheben und als Branchenstandard zu etablieren.

Somit war es auch normal, das Schreibmaschinen und Computer, später auch Handys, dasselbe Tastaturlayout übernommen haben – und das ist was wahrscheinlich auch der Grund, weswegen unseren Eltern die heutige Tastatur nicht fremd vorkommt. 
Jedenfalls haben wir sie einem Waffenhersteller zu verdanken. 

1-0-Binärcode. Die ersten Computer....

...wurden aber erst zur Zeit des Zweiten Weltkriegs erfunden, und lagen weit entfernt von der jetzigen Form oder Bearbeitungskraft.

Der deutsche Ingenieur Konrad Zuse gilt heute als erster, der einen programmierbaren Computer hergestellt hat: 1941 belegte seine Erfindung „Z2“ mehrere Zimmer seiner Wohnung. Der erste Computer der USA (1946) wog glatte 30 Tonnen und besetzte 72 Quadratmeter. Auch die vom rumänischen Ingenieur Victor Toma vorgestellte Rechenmaschine CIFA-1, welche 1957 als erster elektronischer Computer der sozialistischen Staaten prämiert wurde, besetzte mehrere Räume. 

1965 konnte man bereits den sogenannten PDP-8- Computer auf die Rückbank eines Autos verpacken und 1975 bzw. 1976 hatten Microsoft bzw. Apple die Computer auf eine auf den Schreibtisch passende Größe gebracht – wobei die ersten weltweiten Nutzerprogramme zur Text- und Bildverarbeitung erst 1984 (von Apple) vorgestellt wurden.

Im Vergleich scheinen die heutigen Mini-Computer in jedermanns Tasche, die Smartphones, welche hinzu noch eine tausendfach größere Bearbeitungskraft haben, aus einer anderen Welt zu sein.

Die Datenverarbeitung und -übermittlung basiert auch heute noch auf demselben Prinzip unterschiedlicher Kombinationen der Zahlen 1 und 0: der sogenannte Binärcode. 

Sowjetischer Satellit: Auslöser des Internets

Der Kalte Krieg des vorigen Jahrhunderts ist wahrscheinlich jedem Schulkind bekannt – vielleicht weniger dessen technologischen Auswirkungen. Als die Sowjetunion 1957 den ersten Satelliten ins All geschossen hat, fühlten sich die USA bedroht und öffneten den Weg für zahlreiche Neuerungen – die Raumfahrtbehörde NASA (1958) oder das Globale Positioniersystem GPS (1973), um nur die bekanntesten zu nennen. 

Weniger bekannt ist das sogenannte ARPA- (später DARPA-) Projekt, welches zur Gründung des ersten digitalen Netzwerks (Arpanet) geführt hat. Bereits 1961 sprach Leonard Kleinrock über „Datenflüsse in weitläufigen Kommunikationsnetzwerken“ und 1962 schrieb der Visionär J.C.R. Licklider sogar über ein „galaktisches Netzwerk“ - damals eine utopische Idee. Jedoch kam es bereits 1969, kurz nach der Mondlandung (ursprünglich gleichfalls als utopisch betrachtet), zur ersten Daten-übertragung zwischen zwei Terminals an unterschiedlichen Standorten – und auch zum ersten Systemabsturz. 

Der nächste Schritt erfolgte 1973 mit der Vernetzung zweier Terminals in den USA und Norwegen, was zu einem internationalen Netzwerk, einem „Inter-Netz“ führte. Ein Jahr später wurde der Begriff „Internet“ eingeführt und endgültig geprägt. 

Die erste E-Mail...

...wurde ebenfalls über das Arpanet übermittelt. Man könnte sagen: das Arpanet bot eine Lösung zu einem noch nicht bestehendem „Problem“. Roy Tomlinson nutzte das @-Zeichen  (im Sinne von: „bei“ oder „von“) um einen Übermittler (User) einer bestimmten Einrichtung (Host) eindeutig zu kennzeichnen und schaffte 1972 die Übermittlung der ersten elektronischen Mitteilung oder E-Mail. Er wählte das @-Zeichen, weil es in üblichen Computersprachen fast überhaupt nicht benutzt wurde. 

Soziale Netzwerke

Was heute eines der ersten Tätigkeiten beim Einrichten eines neuen Handys ist – das Einloggen in soziale Medien – musste aber in der Urphase des Internets noch jahrelang auf sich warten lassen: Erst 1978 konnten Internetnutzer über das BBS-System miteinander kommunizieren und zwei Jahre danach konnten sie dann im sogenannten „UseNet“ auch erstmals „posten“ und sich in virtuellen Gruppen organisieren. Es sollte noch bis 1994 dauern, bis die erste Social-Network-Seite Geocities veröffentlicht wurde. Und erst 1989 führte AOL den ersten Instant Messenger ein. Das heute allbekannte Facebook wurde erst 2004 ins Leben gerufen, Whatsapp im Jahr 2009 und Instagram im Jahr 2010.

Datenübertragung im Internet...

...war eines der heikelsten Themen überhaupt. Das Problem der steigenden Datenmenge wurde durch Einführung von Glasfaserkabeln anstatt der Telefon-Kupferkabel gelöst. Um die Datenübertragung zu beschleunigen, wurde auf Paul Barans Idee zurückgegriffen: eine Nachricht sollte verteilt in Datenpakete über unterschiedliche Verbindungen übermittelt und beim Empfänger wieder rekonstruiert werden. Die Datenübertragung wurde durch Einführung des TCP- (später TCP/IP)-Protokolls 1973 seitens Vinton Cerf und Robert Kahn verfeinert und ermöglichte unter anderem auch eine eindeutige netzwerkübergreifende Kommunikation – so z. B. auch zwischen Kabel- und WiFi-Netzen.

Daten in der Cloud

Heute gibt Hotspots an jeder Ecke und es scheint so, als ob unsere Handys direkt  mit der „Cloud“ sprechen. Jeder zeigt zu den Wolken hinauf, wann er über Datenübertragung spricht, jedoch wissen die wenigsten, dass diese Kommunikation eher auf kurzen Strecken verläuft. Fast der gesamte längere Internetdatenfluss geht über Glasfaserkabel – sogar von einem Kontinent zum anderen: über 200 Megakabel durchqueren heute die Ozeane. 

Maus...

...ist eigentlich der Kosename des von Douglas Englebart und Bill English im Jahr 1970 mit Unterstützung der NASA vorgestellten „X-Y-Positionsindikators für graphische Darstellungssysteme“. Ein viel zu langer Name, meinte Englebart, und zusätzlich würde das Gerät mit dem seinem auf der Rückseite befindlichen Kabel eher einem Nagetier ähneln. 

Der Durchbruch der Maus kam jedoch erst  1983, mit Apples Lisa Computer.

12. März 1989: Die Geburt des World Wide Web

Um die Nutzung des Internets zu erleichtern, wurde 1983 das DNS-System eingeführt: ein „Übersetzer“ der Internet-Zahlensprache (z.B. 159.69.241.173) in die uns leichter verständliche Buchstabensprache: „adz.ro“ -wobei in beiden Fällen derselbe Terminal angesprochen wird, nur über unterschiedliche Sprachen. Was fällt uns aber leichter, als Nutzer?  

Trotzdem blieb das Internet immer noch ein Netzwerk von Terminals: Man musste genau wissen wo eine bestimmte Information aufzufinden war und welche Befehle man eintippen musste, um über eine Art Datei-Manager im anderen Terminal voranzukommen.

Das alles sollte sich jedoch am 12. März 1989 ändern, als Tim Berners-Lee vom Forschungszentrum CERN eine einfache, jedoch revolutionäre Idee unterbreitete: die Vernetzung der einzelnen Inhalte im Internet (auf Grund Englebarts Hypertexte aus den 60ern). Sein Vernetzungssystem enthielt klare Zuordnungen (URLs), ein Übertragungsprotokoll (http) sowie eine graphische Darstellungsform (html). Und so entstand das „World Wide Web“, kurz WWW. 

Berners-Lee entwickelte 1991 auch die erste Web-Seite – eine Bedienungsanleitung des WWW – die auch heute noch unter info.cern.ch einsehbar ist, um die meilenweiten Fortschritte im Bereich zu veranschaulichen. Und wer sich mit älteren Webseiten noch etwas amüsieren möchte, kann diese einfach über archive.org aufrufen.

Berners-Lee ließ das WWW nicht patentieren, sondern schenkte es der Menschheit und gründete somit das heutige System der verlinkten Inhalte innerhalb des verlinkten internationalen Netzwerks. Dieses ist zwar kostenlos, aber die Betreiber der Ausrüstungen und der Webseiten müssen natürlich an ihrer Arbeit etwas verdienen.

Browser und Suchmaschinen...

… ließen nicht auf sich warten. 1993 stellte Marc Andreessen das erste Navigationsprogramm vor: „Mosaic“, das spätere Netscape – welches jedoch einige Jahre später durch die weitläufige Einführung von Windows95 und seinen Internet Explorer komplett vom Markt verdrängt wurde. 

Suchmaschinen konnten ursprünglich nur Titel, danach auch URLs und schließlich auch Beschreibungen (Metadaten) analysieren. Webcrawler war der erste Anbieter, der im Jahr 1994 ganze Webseiten bei einer Suche analysierte – er war so gefragt, dass er tagsüber ständig überlastet war. Bereits 1996 betrug die Datenbank des Suchportals Lycos 60 Millionen Einträge. 

Damals mussten Unternehmen bezahlen, um in die Suchmaschinen aufgenommen zu werden – was natürlich den gewaltigen Erfolg der kostenlosen Google-Suchmaschine ab dessen Einführung im Jahr 1998 erklärt (nebst seinem innovativen Suchalgorithmus).

Kann das Internet abgeschaltet werden?

Ja – und nein. Sowohl die weltweit verlegten Kabeln, als auch die Inhalte des WWW gehören keinem Einzelnen und können somit nicht einfach abgeschaltet werden. Die WWW-Vernetzung jedoch (das DNS), wird vom ICANN gewartet, einer Art Betreuorgan der Datenbanken weltweit, der Internetschriften und -zeichen oder auch der Domänenamen. Bei ICANN liegt tatsächlich der Aus-Knopf: ein Master-Schlüssel, der in 7 weitere Schlüssel aufgeteilt wurde, die nur gemeinsam benützt werden können, um sämtliche Internetlinks weltweit auszuschalten.

 

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