20 Jahre Kooperation deutscher Rundfunkredakteure

Idee des FunkForums entstand März 2001 im Banat – Verein sieht auf erfolgreiche Projekte zurück

In der Nikolaus-Lenau-Schule trafen sich deutschsprachige Journalisten aus Rumänien und Ungarn im März 2001 in großer Runde zum gegenseitigen Kennenlernen. Foto: Frank Fischer

Temeswar – Deutschsprachige Journalisten aus Rumänien, Ungarn und Serbien treffen sich heute Abend online, um den Startpunkt der überregionalen Zusammenarbeit deutscher Redaktionen in Rumänien, Ungarn und dem damaligen Jugoslawien zu feiern. Es war der 9. März 2001, als sich erstmalig deutschsprachige Hörfunkredakteure aus Rumänien und Ungarn in Temeswar trafen, um eine grundlegende Diskussion über die Zukunft ihrer Programme zu führen. Über ein ganzes Wochenende erörterte man Möglichkeiten des Austausches und der Verbesserung der Radiosendungen. An dem Treffen, das auf Initiative des damaligen ifa-Regionalkoordinators Peter Kratzer und des Ministerialrats im Europaministerium Helge Fleischer entstand, beteiligten sich deutschsprachige Redakteure aus Neumarkt, Temeswar, Bukarest (sowohl Inlands- wie auch Auslandsdienst), Reschitza, Arad, Großkarol in Rumänien sowie vom damaligen Regionalstudio Fünfkirchen/Pécs des ungarischen Rundfunks Magyar Rádió. Beim gegenseitigen Kennenlernen stellte sich bald heraus, dass man sich trotz regionaler Unterschiede überall den gleichen Problemen gegenübersah: Hörerinnen und Hörer wanderten entweder nach Deutschland aus oder starben weg. Der verbleibende Rest gehört zum großen Teil der älteren Generation an – ein Umstand, der sich natürlich auf die Programmgestaltung auswirkt und jugendliche Hörer bis auf wenige Sendeformate ausgrenzt. Zudem stellte man fest, dass die Redaktionen sowohl finanziell, wie auch technisch schlecht dastanden, beispielsweise verfügte der Auslandsdienst Radio Rumänien International zu dem Zeitpunkt über keinen eigenen Internetzugang, auch wenn mittlerweile am Computer gearbeitet wurde, tätigte man die Aufnahmen noch auf Kassetten und musste bei Radio Bukarest das digitale bearbeitete und geschnittene Material auf Band aufzeichnen, um es senden zu können. Auch fehlte es an gut bezahlten Stellen und an geschulten Mitarbeitern, teils wurden Sendungen in Reschitza oder Großkarol als unbezahltes Volontariat erstellt.

In vier Arbeitsgruppen setzen sich die Redakteure mit Hilfe von ifa-Kulturmanagern und Journalisten vom Pester Loyd, der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien und dem Deutschlandfunk den Themen „Umfrage, Werbung, Strategie“, „Aus- und Fortbildungen junger Mitarbeiter deutschsprachiger Hörfunksender“, „Stiftung/Verein zur Unterstützung deutschsprachiger Hörfunk-sender in Südosteuropa“ und „Zusammenarbeit zwischen den deutschsprachigen Hörfunk-sendern in Mittelosteuropa“. Erörtert wurde damals unter anderem die Möglichkeit, in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien und in der Hermannstädter Zeitung das Programm der deutschsprachigen Hörfunksender zu veröffentlichen, die Zusammenstellung einer gemeinsamen Internetseite der deutschen Hörfunksender, mit deren Programmsparten, mit der Vorstellung der Redaktionen, mit der genauen Angabe der Sendegebiete und der Frequenzen, der Beitragsaustausch via Internet, das Erstellen von gemeinsamen Sendungen, zwei Begegnungen im Jahr aller Mitarbeiter der verschiedenen Redaktionen mit Mitarbeitern des Deutschlandfunks und der Deutschen Welle u.v.a.m. Es wurden erste konkrete Schritte in Richtung Gründung des FunkForum-Vereins nach rumänischem Recht eingeleitet und ein Terminkalender für sämtliche Maßnahmen aufgestellt, die in den Gruppen ausgearbeitet worden waren.

Und das geschah dann auch so: Noch im selben Jahr wurde das FunkForum gegründet, mit Radioredakteuren der deutschsprachigen Sendungen aus Rumänien und Ungarn, später auch aus Serbien und Kroatien. In Anlehnung an das Hörfunkprojekt wurde 2008 ein ähnliches Fernsehprojekt eingeleitet. 2009 öffnete sich das Projekt auch für die Print- und Online-Medien. Seit Ende 2008 haben die FunkForum-Redaktionen eine gemeinsame Online-Plattform zur Verfügung, die sowohl als Austausch- als auch als Veröffentlichungsplattform dient – das MedienForum. Hier findet man Berichte der deutschsprachigen Medien zu den verschiedensten Themen, sowie über die Tätigkeit des Vereins. Mindestens ein- bis zweimal jährlich fanden und finden journalistische Fortbildungen für die Mitglieder mit Medientrainern aus Deutschland statt. Die Redaktion wurden zunächst mit leistungsstarken Computern und modernen Aufnahmegeräten ausgestattet. Die Gemeinschaftssendung Funkmagazin, mit den relevantesten regionalen Beiträgen wird seit Januar 2002 von den Mitgliedsredaktionen monatlich erstellt und bei allen Radiosendern ausgestrahlt. Regelmäßig fanden ab 2005 deutschsprachige Radiotage, später Medientage, in Verknüpfung mit Konzerten, Tourneen und anderen Kulturveranstaltungen in Rumänien und Ungarn statt.

Gerade im letzten Jahr zeigte sich der enge Zusammenhalt zwischen den deutschsprachigen Redaktionen besonders stark im Austausch von Beiträgen und Berichten, sowohl im Online-, Print-, TV- und Radioformat, als es die Restriktionen der Coronapandemie noch schwieriger machten, berichtenswerte Themen zu finden und audio-visuell darzustellen. Das nächste Präsenztreffen der Redakteure aus Rumänien, Ungarn und Deutschland soll im Herbst in Sathmar/Satu Mare stattfinden und mit einer Fortbildung im Bereich Wirtschaftsjournalismus verbunden sein.

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