Bedroht ist nicht nur unser Honigbrötchen!

Bienensterben – eine reale Gefahr und ein paar einfache Hilfsmaßnahmen

Astern – die üppigen Blüten sind im Spätsommer für Insekten ein festlich gedeckter Tisch. | Foto: Pixabay

Die pflegeleichte Schmuckblume – von Juni bis Spätherbst eine Augen- und Bienenweide | Fotos: Nina May

Lavendel sollte man den Bienen zuliebe erst nach dem Verblühen ernten. Die Duftqualität ist dieselbe.

Verlockender Duft – vergeblich. An gefüllte Rosen kommen Bienen nicht ran!

Noch stehen die Apfelbäume in voller Blüte – aber wo bleiben die Bienen? Ist der Wind oder der Regen schuld? Auch im Löwenzahn, der den saftiggrünen Rasen mit strahlendgelben kleinen „Sonnen“ übersät, brummelt es nur verhalten. Jedes Jahr spürt man es ein bisschen mehr: die Insekten werden weniger. Vor allem aber die Bienen. Das Bienensterben besorgt unter dem beschleunigten Insektensterben, vor dem die Wissenschaftler längst allgemein warnen, am meisten. Was passiert, wenn sie ganz aussterben? Und was können wir dagegen tun?

Als Ursachen für das weltweite Bienensterben, das seit 2006 besorgniserregende Ausmaße angenommen hat, wurden Monokulturen, moderne Landwirtschaft, versiegelte Oberflächen, Parasiten, aber vor allem Herbizide und Pestizide festgestellt. 

Erstmals sah man sich mit der Frage ihres Aussterbens konfrontiert: Was passiert, wenn es keine Bienen mehr gibt? Gibt es dann bloß keinen Honig mehr aufs Brötchen? Oder stirbt „vier Jahre später auch der Mensch“ aus, wie man Einstein gerne zitiert, trotz zweifelhafter Authenzität dieser Aussage. Romane wie die „Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde oder „Bienenkönigin“ von Claudia Praxmeyer bewegen und rütteln auf.

Ein Horrorszenario: In China gibt es ganze Landstriche, in denen von Hand bestäubt werden muss. 

Und eine gute Nachricht: Jeder, der einen Garten oder ein bepflanzbares Fleckchen am Balkon pflegt, kann einen Beitrag zur Unterstützung der Bienen leisten!

Die Konsequenzen des Bienensterbens

Die Folgen eines Aussterbens der Bienen wären dramatisch. Im Juli 2015 schrieb dazu eine Bostoner Forschergruppe, die weltweiten Ernteerträge würden um rund 23 Prozent zurückgehen – die Gemüseernte um 16 Prozent, die von Nüssen und Getreide um 22. Die daraus resultierende Mangelernährung könne weltweit zu rund 1,4 Millionen zusätzlichen Todesfällen pro Jahr führen. Zahlreiche Gemüse- und Obstsorten würden von unserem Planeten verschwinden. Denn von 100 Kulturpflanzen, die 90 Prozent der globalen Nachrungsmittelproduktion decken, müssen 71 von Bienen bestäubt werden. Zu den Pflanzen, die von Bienen abhängen, gehört auch die Baumwolle. Die Hälfte der weltweit hergestellten Kleidung besteht daraus. Welches andere natürliche Material könnte diesen Rohstoff wohl ersetzen? Auch viele Rohstoffe für Kosmetik und Pflegeprodukte gäbe es ohne Bienen nicht. Die Folgen sind noch gar nicht zu ermessen. 

China lebt vor, was auch in unseren Breiten droht, wenn wir nicht rechtzeitig die Notbremse ziehen: In Sechuan wird die Bestäubung von Obst- und Gemüseplantagen durch Menschen vorgenommen. Für die Handbestäubung werden Blüten in teils schwindelerregender Höhe gesammelt und anschließend in einem aufwändigen Prozess, ebenfalls per Handarbeit, von ihren Pollen befreit. Ein Gramm Pollen braucht man, um einen ganzen Baum zu bestäuben. Am Tag schafft ein menschlicher Bestäuber etwa dreißig Obstbäume, heißt es auf bee-careful.com. Ein einziges Bienenvolk hingegen kann pro Tag bis zu 300 Millionen Blüten bestäuben. Für dieselbe Arbeitsleistung bräuchte man über 1500 Menschen! 

Vier Ursachen 

In Sechuan fliegt schon seit Jahrzehnten kein Vogel mehr und keine Biene summt mehr. Denn 1958 führte Mao Zedong dort einen Krieg gegen Spatzen als Ernteschädlinge: Mit Steinschleudern und Gewehren wurden sie massiv vom Himmel geholt - hundert Millionen tote Leiber. Doch danach vernichteten die Insekten, die von den Vögeln nicht mehr aufgepickt wurden, die Ernte. Der folgenden Chemiekeule gegen diese Plage fielen schließlich auch die Bienen zum Opfer... mit schweren Folgen bis heute. 

Grund Eins für das massive Bienensterben ist der Einsatz von Pesti- und Herbiziden. Dazu gehören auch Glyphosat und die Neonikotinoide. Bereits 2015 haben Forscher nachgewiesen, dass Glyphosat das Orientierungsverhalten der Bienen beeinträchtigt. Inzwischen weiß man, dass auch als „unbedenklich“ eingestufte Mengen ihre Darmflora und damit das Immunsystem schädigen. Glyphosat ist als Totalherbizid sehr beliebt, weil es alle grünen Pflanzen abtötet, indem es einen essenziellen Stoffwechselvorgang unterbricht. Das bekannteste Unkrautvernichtungsmittel mit dem Wirkstoff ist die Marke Roundup.

Im Dezember 2015 verbot die EU-Kommission immerhin drei Insektizide aus der Gruppe der Neonikotinoide teilweise – aller-dings nur für Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle. Das Verbot wurde 2018 verlängert. Ein im Februar 2018 veröffentlichtes Gutachten zu den drei Neonikotinoiden bestätigt in-zwischen die Gefahr für Wild- und Honigbienen. Ebenfalls 2018 riefen über 230 Wissenschaftler dazu auf, diese Insektizide ganz abzuschaffen. Doch es gibt längst Hinweise darauf, dass auch andere Pestizide zum Bienensterben beitragen.

Die zweite Ursache des Bienensterbens sind Monokulturen: Zum Beispiel für die Produktion von Mandelmilch, die zu 80 Prozent auf Monokulturen in Kalifornien beruht. Zur Bestäubung werden Bienen aus ganz USA frühzeitig aus dem Winterschlaf gerissen und in den sonnigen Süden gefahren. Etwa ein Drittel der Bienen überlebt die Strapazen nicht. 

Die dritte Ursache ist der Schwund natürlichen Lebensraums und Nahrungsmangel. Ersterer betrifft vor allem die Wildbienen. Wie viele Wildbienen sterben, ist kaum messbar, doch von den über 550 in Deutschland beheimateten Wildbienenarten sind laut Roter Liste mittlerweile 31 vom Aussterben bedroht, 197 gefährdet, 42 stehen auf der Vorwarnliste, so der BUND für Umwelt und Naturschutz. Schuld am Rückgang von Nahrung und Lebensraum sind moderne Landwirtschaft und Oberflächenversiegelung. Es gibt zu wenige Nistmöglichkeiten und geeignete Blühpflanzen. Üppige Ziergärten sind nur ein bedingter Ersatz für fehlenden Löwenzahn, Holunder, Kornblumen, Wiesensalbei & Co. Denn nicht jede Blüte nützt der Biene. Hybridpflanzen haben oft kaum oder gar keinen Pollen und Nektar, gefüllte Blüten sind nicht zugänglich und in so manchen exotischen Blütenkelch reicht der Rüssel der heimischen Biene nicht hinein, ein Grund, weshalb man auf manchen Blühern nur Hummeln sieht.

Als vierte Ursache gilt die Varroa-Milbe, ein Parasit.

Was kann man als Einzelner tun?

Im heimischen Garten oder sogar in Blumenkästen hilft eine „Bienenweide“ mit geeigneten Blühern von Frühling bis Herbst: Schneeglöckchen, Krokus, Ringelblumen, Kornblumen, Wiesensalbei, Lavendel, Steinnelken, Sonnenblumen, Astern... (utopia.de/galerien/bienenweide-pflanzen-fuer-bienen-garten-balkon-diy/#14). 

Ein Gewürzgarten leistet ähnliche Dienste: Blühende Petersilienstauden, Senf, Salbei und Konsorten sind immer voller Gesumm. 

Den Löwenzahn nicht aus dem Rasen entfernen, er gehört zu den ersten Nahrungsquellen der Bienen!

Auch im gepflegten Nutz- oder Blumengarten ein Stück wilde Wiese stehen lassen. Nicht alle Flächen abmähen, zubetonieren, pflastern... 

Im Ziergarten nektar- und pollenreiche Pflanzen bevorzugen, die von Bienen bestäubt werden können (utopia.de/ratgeber/bienenfreundliche-straeucher-5-vorschlaege-fuer-deinen-garten/).

Auf Hybridpflanzen lieber verzichten.

Nur heimischen Honig kaufen, denn Honig aus dem Ausland kann Krankheiten einschleppen. Aus diesem Grund sollte man Honiggläser heiß auswaschen, bevor man sie in den Glascontainer wirft. Denn auch dort suchen Bienen nach Nahrung!

Auf zweifelhafte Produkte wie Mandelmilch aus Monokulturen verzichten. 

Der Umstieg auf Bio- oder zumindest lokale Saisonprodukte garantiert, dass keine oder wenig Spritzmittel zum Einsatz kommen. Langfristig entscheidet das Kaufverhalten des Kunden, was der Markt bietet!

Auf Insektizide, Pestizide und chemische Mückenabwehr im eigenen Garten unbedingt verzichten! 

Eine Insektentränke aufstellen: eine flache Schale mit wenig Wasser und vielen Steinen und Steinchen darin.

Wildbienen kann man  mit trockenem Holz oder speziellen „Insektenhotels“ beim Nisten unterstützen (Tipps auf nabu.de).

Bienen sind „fliegende Liebesgedichte“, schrieb der Lyriker Matthias Buth. So viel Fleiß, so viel Hingabe, so viel Gutes für den Menschen! Es wird Zeit, diese Liebe zu vergelten. 


Diese Blumen nützen Bienen nichts!

Pflanzen, die älter sind als Bienen – Magnolien zum Beispiel: Sie werden von Käfern bestäubt. 

Pflanzen, die kaum Nektar produzieren: Magnolien und Flieder.

Gefüllte Blüten: Die Bienen kommen nicht an die Staubgefäße ran. Beispiele sind Geranien, Pfingstrosen, aber auch hochgezüchtete Rosen. Bei Rosen duftende Wildformen bevorzugen.

Hybride: Das sind Pflanzen, die aus Kreuzungen entstanden sind und die nur noch wenig  Nektar oder Blütenpollen enthalten. Ein Beispiel ist die Forsythie

Geschlechtslose Blüten: Hortensien

Windbestäuber wie die Thuja. Ihre Pollen verweht der Wind, Bienen kommen nicht an sie heran. Für die Hecke lieber Weißdorn oder Schlehen pflanzen.

Pflanzen mit langen Blütenkelchen: Rotklee. Die meisten Bienen kommen mit ihren kurzen Rüsseln nicht an den Nektar. Nur Hummeln schaffen das.