Berliner Stadtschloss: Die Krönung mit dem Kreuz schlug Wellen

Schlossneubau der ehemaligen Preußen-Residenz als Kunst-und Kulturzentrum

Das in der Endphase des Wiederaufbaus befindliche Berliner Schloss mit Schlossfassaden im Barockstil des berühmten Bildhauers Andreas Schlüter (1659 – 1714). Über den Gerüsten der Fassade des Westportals die Kuppel mit dem Kreuz, das Kontroversen auslöste. Architekt des Bauwerks unter dem Label „Humboldt Forum“ ist der Italiener Franco Stella (77). Noch in diesem Jahr soll dieses Kunst- und Kulturzentrum seine Tore öffnen. Links im Bild: Berliner Dom. Foto: Berndt Brussig

Das Berliner Schloss, einst die Residenz der Kurfürsten und Kaiser aus dem Hause der Hohenzollern, aus deren Adelsfamilie auch die Regenten von Rumänien entstammen, ist nunmehr ein fast fertiger Schlossneubau im Barock-Look des Originals. 

Das Original (Baujahr 1443 – 1894) galt wegen der hauptsächlich von dem Bildhauer und Architekten Andreas Schlüter vor über 300 Jahren im Barock-Stil geschaffenen prächtigen Fassaden und Innenräume als ein Hauptwerk und eine Keimzelle des Barock auf einem Niveau, das mit berühmten Barockbauten etwa in Rom, Wien und Siebenbürgen mit dem barocken Brukenthal-Palais auf dem Großen Ring in Hermannstadt korrespondiert. Allein die Schlossfassaden im originären Barock-Stil kosten 80 Millionen Euro, finanziert durch eine Spendensammlung.

Kontroverse um Kreuz als Krönung der Kuppel des Schlossneubaus

Rund um den 29. Mai und natürlich an diesem Tag selbst, als ein Spezialkran gegen 21 Uhr die Kuppelkrone mit dem goldenen Kreuz auf den Schlossneubau hievte, war diesmal nicht Corona das dominante Thema, das seit Monaten die Berliner in Atem hält: Vielmehr die Krönung der Kuppel des rekonstruierten Stadtschlosses mit dem Kreuz, das hohe Wellen in der Spreestadt Berlin schlug. Stichworte wie Kreuz und Stadtschloss befeuerte Emotionen der Berliner, lieferte den Medien willkommene Steilvorlagen für Schlagzeilen, quasi Wasser auf deren Mühlen zum Generieren von Aufmerksamkeit und somit Vermarktung ihrer Printprodukte und Pushen der TV-Quoten. Politiker des Berliner Parteispektrums regte es mehr oder weniger auf und zu Statements in der Bandbreite des Pro/Contra an.

Schloss-Gegner empörten sich, das Kreuz sei der Gipfel, womit sie weiß Gott nicht das Metermaß des Kreuzes von vier Metern in luftiger Höhe meinen, sondern als Gipfel politischer Zumutung beim ohnehin umstrittenen Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses seit Baubeginn 2013. 
Sie argwöhnen, dass das weithin sichtbare Kreuz auf dem imposanten Gebäudeneubau im Barockgewande als politische Botschaft im Sinne von Alleinanspruch der christlichen Religion diene. Befürworter des Schlossneubaus hingegen halten solche Argumente für aus der Luft gegriffen. 

Humboldt Forum im Gewande des neuen Schlosses als Kunst- und Kulturzentrum 

Kulturstaatsministerin Monika Grütters, CDU, versteht das Kreuz als einen Dialogimpuls: „Dieses Kreuz ist allemal eine Einladung zum Dialog über Nächstenliebe, Toleranz, Weltoffenheit und über die Rolle von Religionen in unserer heutigen globalen Gesellschaft.“ 
Damit nimmt sie den Kreuz-Kritikern salomonisch den Wind aus den Segeln, indem sie auf die Funktion des neuen Berliner Stadtschlosses verweist, nämlich als Kunst- und Kulturzentrum unter dem Label „Humboldt Forum“. Diese Powerfrau mit Charme engagiert sich auch für Kulturprojekte in Siebenbürgen in Zusammenarbeit mit dem Rumänischen Kulturinstitut Berlin. Die schrittweise Eröffnung des neuen Berliner Schlosses soll noch in diesem Jahr erfolgen.

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Bemerkungen :

  • user
    Andreas Kielmann 27.06.2020 Beim 08:25
    In diesem Artikel wurde ausschließlich die christliche konservative Weltanschauung propagiert. Es gibt aber auch kritische Anschauungen zum Thema Kreuz, Spruchband und Humboldt-Forum. Das Unerhörte dieses Vorgangs ist die Behauptung des ewigen allumfassenden Vorrangs dieser Religion vor allem was Menschen jemals denken können, Das ist schlicht falsch und demokratiefeindlich. Mehr informationen zum Thema finden Sie auf der Seite Des Bundes für Geistesfreiheit München:
    https://www.bfg-muenchen.de/portal/article/weg-mit-der-antidemokratischen-inschrift-auf-der-kuppel-des-humboldt-forums