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„Bilder einer Einstellung“ im Deutschen Konsulat Temeswar

Besucher durften „den anderen Zoltán Pázmány“ kennenlernen

Bei der Vernissage von „Bilder einer Einstellung“ im Deutschen Konsulat (v.l.n.r.): Andrei Lucaci vom Temescher Kreisrat, Fotoreporter Zoltán Pázmány, Kurator Werner Kremm und der deutsche Konsul Ralf Krautkrämer. Foto: Constantin Duma

Die Frau mit Rock und roter Tasche versucht, ihr Gleichgewicht zu halten, während sie mit ihren hohen Absätzen über die grauen Pflastersteine am Domplatz geht. Der junge Mann schlendert telefonierend an dem Jungen mit Telefon, der Statue am Freiheitsplatz, vorbei. Und: Der alte Mann möchte zum Uhrengeschäft und erfährt von einem Plakat im Fenster, dass das Geschäft, das er womöglich schon seit etlichen Jahren kennt, umgezogen ist. Zeiten ändern sich. Das sind nur drei der Augenblicke, die Zoltán Pázmány, seit 1998 Fotograf der Allgemeinen Deutschen Zeitung/Banater Zeitung in Temeswar/Timișoara, in seiner jüngsten Ausstellung vorstellt. Schnappschüsse, die man länger als eine Minute bewundern möchte, um ihren tieferen Sinn und die Symbole, die sie verbergen, zu deuten. Einen Teil der Ausstellung bilden diese Temeswar-Fotos, die die Stadt mit ihren Menschen und ihren vielfältigen Facetten zeigen – Street Photography im wahrsten Sinne des Wortes. In der Ausstellung, die in den Fluren und Arbeitsräumen des Deutschen Konsulats in Temeswar zu sehen ist, dürfen Besucher den „anderen Pázmány“, wie ihn Kurator Werner Kremm bei der Vernissage vorstellte, kennenlernen. Den Kunstfotografen Zoltán Pázmány.


Voll waren die Räumlichkeiten des Deutschen Konsulats in Temeswar, als am Dienstagnachmittag, dem 7. Mai, die Fotoausstellung des ADZ/BZ-Fotoreporters eröffnet wurde. Zur Vernissage hatte die Leitung der konsularischen Vertretung Deutschlands in Temeswar eingeladen. Die Ausstellung von Zoltán Pázmány trägt den Titel „Bilder einer Einstellung“, in Anlehnung an Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung”, und bringt 44 Fotografien vor die Augen der Betrachter. „Wir haben heute Gelegenheit, meinen Kollegen, im Alltag ein Zeitungsreporter, Zoltán Pázmány, von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Sozusagen: den anderen Pázmány, den anderen Zoli. Den Zoli seiner Diplomarbeiten als Absolvent der Kunsthochschule Temeswar, Abteilung Fotografie, wie er auf dem Zwischenkorridor des ungewöhnlichen Ausstellungsraums des Deutschen Konsulats dokumentiert ist, wo wir uns befinden. Einen Pázmány, der ins Onirische gleitet, den Albträume plagen – seine kreisrunden sphärischen Formationen in sämtlichen, ohne Photoshop gefertigten, Panoramabildern könnten auch Löcher sein, in denen der Autor und der Betrachter sich verlieren, untergehen inmitten eines tiefblauen Himmels, der auch abgrundtiefes Wasser sein kann oder, wie beim rumänischen Nationaldichter Eminescu, ein ´cer adânc´, eben ein abgrundtiefer Himmel”, erklärte Werner Kremm, der seine Rolle als Kurator sehr ernst nahm und mit sichtbarer Begeisterung über die Ausstellung seines Kollegen sprach. Werner Kremm zeigte sich positiv überrascht von der Fotoauswahl und gab zu, dass er sein vorgefasstes Konzept nach dem Betrachten der Fotografien überdenken musste. „Ich hätte in erster Linie mehr Einfluss des Berufs als Fotoreporter erwartet. Zoli hat aber eine klare Trennung gemacht zwischen seinem Beruf, von dem er lebt, und seinem Hobby, dem er frönt. Die Ausstellung ist wirklich bemerkenswert”, sagte Werner Kremm.


Bei der Ausstellungseröffnung fanden sich Vertreter der deutschen Gemeinschaft aus dem Banat ein, deutsche Investoren, zahlreiche Partner und Freunde des Deutschen Konsulats sowie die Familie und einige Pressekollegen von Zoltán Pázmány. Der Gastgeber, Konsul Ralf Krautkrämer, sagte in seiner Eröffnungsrede: „Hier kommt es auf die Einstellung in doppelter Bedeutung an: die Einstellung des Fotografen mit seiner Kamera und die Einstellung des Betrachters dazu. Lassen Sie sich als Betrachter unbeeinflusst und finden Sie Ihre eigene Einstellung zu den Kunstwerken.”

Es ist bereits das dritte Mal, dass das Deutsche Konsulat in Temeswar seine Räumlichkeiten für die Kunst zur Verfügung stellt. Im April 2018 stellte hier der Berliner Fotograf Martin U Waltz aus, ab Januar dieses Jahres beherbergte die Einrichtung eine Kunstausstellung der Vereinigung Bildender Künstler „Romul Ladea” für einige Monate. „Wir haben die Wände in diesem Fall mit den Kunstwerken von Zoltán Pázmány geschmückt und deswegen kann man sagen, dass das eine Art Installation ist, weil wir eben in dieser Atmosphäre arbeiten”, erklärte Konsul Ralf Krautkrämer. Mit der Vernissage der Ausstellung von Zoltán Pázmány fand auch der Auftakt der Deutschen Kultur- und Wirtschaftstage in Temeswar statt. Die Veranstaltungsreihe, die bis Mitte Juni über die Bühne geht und mit den Heimattagen der Banater Deutschen endet, wird alle zwei Jahre vom Deutschen Konsulat und dem Deutschsprachigen Wirtschaftsclub „Banat” sowie mehreren Partnern vor Ort veranstaltet.

Zoltán Pázmány, der bei all diesen Veranstaltungen stets hinter der Kamera steht, durfte einmal ausnahmsweise vor die Kamera – bei der Vernissage seiner zweiten persönlichen Ausstellung. Die Fotografien, die die Augen der Konsulatsmitarbeiter jeden Tag entzücken, könnten drei Sektionen zugeteilt werden, verriet Zoltán Pázmány. Zum einen sind es die Schnappschüsse aus Temeswar, andererseits sind es die Sitten und Bräuche, die Zoltán Pázmány dank seines Berufs festhält, und drittens geht es um seine Diplomarbeit, mit der er 2012 die Kunst- und Designhochschule der West-Universität Temeswar absolvierte. „Bei der Diplomarbeit handelt es sich um eine Kombination von Technik und Inspiration von Philippe Halsman, einem der weltweit größten Fotografen, der das Kunstwerk `Dalí Atomicus´ schuf“, erklärte der Fotograf die Idee hinter der Fotoserie für seine Bachelor-Arbeit.


„Dass ´lebendige Fotografie Neues entstehen´ lässt, können Sie auch an den beiden Experimentalfotos sehen, die gegenüber den Panoramafotos nebeneinander hängen. Die dortigen Überlagerungen von Bildschichten lassen zwar die einzelnen Bildebenen gerade noch erkennen, aber sie sind bereits zu einem neuen Ganzen verschmolzen, das Abstraktes aus Konkretem synthetisiert. Ich glaube, das wäre eine der Richtungen, in der Zoltán Pázmány als Künstler weiter arbeiten sollte”, riet Werner Kremm in seiner Rede.


Die Ausstellung im Deutschen Konsulat Temeswar kann nach vorheriger Terminvereinbarung unter info@consulatulgerman.ro besichtigt werden.

 

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