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Bilderbuchstadt unter dem Meeresspiegel

Giebelhäuser, Grachten, Hausboote und Fahrräder kennzeichnen Amsterdam

Amsterdam ist ohne Wasserkanäle und Schiffe nicht zu denken.

Vor dem Rathaus und dem Madame-Tussauds-Museum (links): Treffpunkt vor allem für die unzähligen ausländischen Touristen Fotos: der Verfasser

Eine Bootsfahrt auf den Grachten in den Abendstunden führt durch hell erleuchtete Wasserstraßen.

Die perfekte Autobahn von Brüssel nach Amsterdam führt einen in Versuchung, stärker aufs Gaspedal zu treten. Doch wir unterlassen es, da die Überschreitung der Geschwindigkeitsbegrenzungen mit hohen Strafen geahndet wird. So kann man die beruhigende, auch Ende Oktober noch grüne Landschaft genießen, die durch Kanäle getrennten Wiesen, das darauf weidende Vieh, die Windmühlen in der Ferne bestaunen. Unübersehbar auch die riesigen KLM-Flugzeuge, die ohne Unterbrechung auf dem viertgrößten Flughafen in Europa  starten oder landen. 

Südwestlich der niederländischen Hauptstadt Amsterdam gelegen  bildet der Flughafen das moderne Tor  der Stadt, die 2019 laut Statistik 864.217 Einwohner zählte. Es sind Menschen, die 179 Nationen angehören und zu denen Millionen Besucher im Laufe eines Jahres dazu kommen. Die Touristen mögen Amsterdam besonders wegen der einzigartigen Architektur, den Grachten, deren Zahl die der Kanäle von Venedig überschreitet, den rund 1300 Brücken, die diese überqueren, den Millionen von Holzpfählen, die die Giebelhäuser tragen und die  Stadt zur größten Pfahlsiedlung der Welt machen. 

Die 1670 errichtete Holzziehbrücke in weißem Anstrich wird mehrmals am Tag für die Schiffe geöffnet, die  auf der Amstel durch die Stadt fahren. Und nicht zu vergessen, der Wasserspiegel der Grachten liegt gegenwärtig etwa 40 Zentimeter unter dem Meeresspiegel der Nordsee, in die die Amstel mündet. Ein perfektes Schleusensystem schirmt die Stadt vor einer Überflutung ab. Nach dem der „Nordzeekanaal“ 1876 als Verbindung zur Nordsee eröffnet wurde, erlebte Amsterdam eine besondere Entwicklung, die als das goldene Zeitalter der Stadt bezeichnet wird. 

Einzigartige Architektur

Jedes Schulkind behält im Gedächtnis eine Zahl: 13.659. Auf so vielen Baustämmen steht  der Königspalast, 1655 im klassizistischen Stil errichtet.  Ursprünglich war er als Rathaus gedacht, ein Grund, weshalb dieser auch eine Uhr trägt. Louis Bonaparte erklärte das Gebäude während seiner Herrschaft in der napoleonischen Zeit zur Königsresidenz. Diese umfasst u.a. einen der schönsten Festsäle Europas, den sogenannten Burgerzaal.
Auch der 1889 eröffnete Hauptbahnhof von Amsterdam, ein roter Backsteinbau im Stil des niederländischen Historismus, steht auf 9000 Pfählen und drei künstlichen Inseln. Die Zentralstation wird als Kathedrale bezeichnet, sie umfasst auch einen Wartesaal für die Königsfamilie. 

Der Name der Stadt leitet sich von einem im 13. Jahrhundert errichteten Damm mit Schleuse auf der Amstel ab. Heute ist der Damm der größte Platz Amsterdams. Früher war das Umfeld der heutigen Stadt ein Feuchtgebiet, das vor allem aus Moor und Sumpfland bestand. Viele Häuser haben sehr hohe, schmale Fronten, da die Steuern nach der Breite auf der Kanalseite berechnet wurden, wo sich der Anlegeplatz befand. War die Front breiter, hätten mehrere Boote, die zu den wichtigsten Transportmittel gehören, Platz vor dem Haus gehabt. Insgesamt 2600 Hausboote zählt die Stadt gegenwärtig. Einige der hohen, schmalen Giebelhäuser stehen schief, wegen dem feuchten Gelände und dem nahen Wasser der Grachten. Somit sind auch viele Baugerüste in der Altstadt zu sehen, wo Konsolidierungen vorgenommen werden.  
Viel breiter als gewohnt sind die Fahrradwege in der Stadt. Tausende Stadtbewohner benutzen dieses Verkehrsmittel, um sich schneller fortbewegen zu können. 
Parkstellen für Fahrräder stehen fast vor jedem Haus. Die großen Parkplätze umfassen tausende Fahrräder, so dass man sich als Ortsfremder berechtigt die Frage stellt, wie man sein eigenes Zweiradvehikel dort noch erkennt.

Eine Stadt der Kunst

Amsterdam ist eine der wichtigsten Graffiti-Metropolen. Amsterdamer Straßenkünstler beeinflussen Sprayer aus der ganzen Welt, besonders seit 1980, als dieser Trend grenzüberschreitend um sich griff. Mit interaktiven Anlagen, Schaukästen, Kulissen, Filmen und Fotos wird man im Amsterdam-Museum in die Stadtgeschichte  eingeführt.  Im Innenhof gibt es ein Museumscafe, wo man unter Bäumen verweilen und entspannen kann. Doch die „Schatztruhe“ ist im Rijkmuseum, einem neugotischen Backsteinbau aus dem Jahre 1885, anzutreffen. Rund 8000 Exponate zählt dieses, darunter Werke von Rembrandt, Vermeer, Frans Hals, Cezanne, Monet, Van Gogh. Ist es in Paris die Mona Lisa, die Kunstliebhaber in den Louvre anlockt, ist es hier die „Nachtwache“ von Rembrandt aus dem Jahre 1642. Dort findet man auch einen asiatischen Pavillon mit besonderen Exponaten aus dem Fernen Osten. 

Amsterdam beherbergt das bedeutendste Van Gogh Museum der Welt. In dessen Besitz befinden sich 200 Gemälde, 500 Zeichnungen und 850 Briefe von Vincent van Gogh (1853–1890). Viele Briefe stammen aus dem Schriftwechsel mit seinem Bruder Theo. Der Großteil seiner Gemälde entstand in den letzten Jahren seines Lebens in Frankreich. Ein weiterer Anziehungspunkt unter den unzähligen Museen und Kunstsammlungen ist das Anne- Frank-Haus in Amsterdam, wo das jüdische Mädchen mit ihrer Familie zwei Jahre lang heimlich gelebt hat, bis das Versteck 1944 vom deutschen Sicherheitsdienst entdeckt wurde. Die Familie kam ins Konzentrationslager. Nach dem Krieg wurde ihr Tagebuch von ihrem Vater, dem einzigen Überlebenden der Familie, veröffentlicht. Diese Geheimwohnung, deren Zugang hinter einem Bücherregal verborgen war, ist das meistbesuchte Museum der Metropole. Und wer nicht lange Wartezeiten auf sich nehmen will, um dieses zu besuchen, kann eine genaue Nachbildung von Anne Frank im Madame Tussauds Museum  neben dem Rathaus sehen. Auch dort sind die Warteschlangen sehr lang. Bucht man aber einige Zeit, bevor man nach Amsterdam gelangt, hat man die Möglichkeit, schnell zugelassen zu werden. Das Madame-Tussauds-Museum ist ein weiterer, nicht zu umgehender Anziehungspunkt, da man hier von berühmten Politikern, Schauspielern, Fußballstars, Sängern alle Persönlichkeiten naturgetreu nachgebildet antreffen und sich mit diesen fotografieren lassen kann. Sei es Angela Merkel oder US-Präsident Obama, oder Marilyn Monroe mit ihrem vom Luftzug fliegenden weißen Kleid. Man könnte nicht nur Tage, sondern Wochen in Amsterdam verbringen. Denn auch die Diamanten-, Tropen-, Schiffahrts-, Filmmuseen u.v.a. verlocken zu einem Besuch.

Nach einem vielseitigen, anstrengenden Tag kommt man in Verlegenheit, einen Platz in einem der unzähligen Restaurants zu finden, da man da die Hauptmahlzeit abends genießt. Dabei muss man sich nicht wundern, wenn man von einem der Kellner auf Rumänisch angesprochen wird - auch ein Zeichen der Multikulturalität dieser Stadt.

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