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Briefe aus dem Jahr 1877 in WhatsApp-Nachrichten verwandelt

Multimedia-Ausstellung im Gedenkmuseum Casa Mureșenilor

Anhand von 36 Infotafeln in Form eines Smartphones werden den Besuchern Informationen aus dem Jahr 1877 auf spannende Weise vermittelt. Foto: die Verfasserin

„traian_muresianu hat 5 neue Fotos hinzugefügt: Kronstadt an einem wunderschönen Sommertag. #summertime #summerwalk”, steht auf einer Infotafel in Form eines Smartphones. “Mein lieber Aurel! Ich habe das Telegramm zu meinem Geburtstag erhalten und danke für die schönen Worte. Ti]a hat Klavier gespielt, dein Vater hat Kuchen gegessen“, steht in einer WhatsApp Nachricht, die auf eine Wand projiziert ist.
Auf einer anderen Tafel kann man das LinkedIn-Profil von Aurel Mure{ianu sehen.

Wie hätte die Korrespondenz der Kronstädter Familie Mure-{ianu aus dem Jahr 1877 ausgesehen, wenn diese durch moderne Technologien und nicht durch Briefe, die von Pferdekutschen gebracht wurden, zustande gekommen wäre? Die Antwort auf diese Frage können Besucher des Gedenkmuseums Casa Mureșenilor herausfinden. Im Rahmen des Projektes „Geschichten 1877“ wurden sämtliche Briefe, die von den  Künstlern, Politikern und Journalisten aus der Mure{ianu-Familie verfasst wurden, ans Online-Medium angepasst. Die interaktive Multimedia-Ausstellung „Stories 1877“ wendet sich besonders an junge Besucher, denen wichtige Fakten aus der Geschichte auf spannende Weise vermittelt werden. Die originelle Ausstellung hat, wie erwartet, einen riesigen Erfolg bei Teenagern. Dabei wurden die Jugendlichen auch in die Planung und Gestaltung der Ausstellung mit eingebunden.

Junge Besucher brauchen Interaktion

„Vor zwei Jahren haben wir uns die Postings der Museumsbesucher auf unserer Facebook-Seite angeschaut. Die Jugendlichen haben sehr viele Selfies vor den Museumsexponaten aufgenommen. Wir fanden, es ist eine interessante Weise der Interaktion mit den Exponaten. So kamen wir auf die Idee eines Projektes, geschichtliche Informationen anhand von Social Media auf spannende Weise zu vermitteln. Um ein junges Publikum zu gewinnen, muss man die Sprache dieses Publikums sprechen. Also die Sprache von Facebook, Instagram, Snapchat und WhatsApp“, erklärt Valer Rus, Leiter des Gedenkmuseums Casa Mure{enilor.  Für den Inhalt der Ausstellung haben Dokumentaristinnen Marinela Barna und Bianca Micu Hunderte von Briefe und Zeitungsartikel gelesen und sortiert. Dabei haben sie festgestellt, dass die meisten Briefe aus dem Jahr 1877 stammen. „Wir haben uns vorgenommen, die Geschichte des Jahres 1877 so zu erzählen, wie es jemand aus dem Jahr 2019 machen würde. Wir haben sehr viele Informationen aus diesem Jahr, wir verfügen über 140 Briefe der Familie Mure{ianu und außerdem gibt es auch die Kollektion der Zeitschrift Gazeta Transilvaniei“, meint Valer Rus.

Moderne Technologie für Vermittlung von Informationen

Anhand von 36 Tafeln in Form eines Smartphones werden wichtige Informationen über das Leben in Kronstadt im Jahr 1877 vermittelt. Es ist, als ob der Besucher auf den Bildschirm seines eigenen Smartphones schaut. Dort kann er die Facebook-Seite von Iacob Mure{ianu besuchen, die WhatsApp Nachrichten zwischen Aurel  und Sevastia Mure-{ianu lesen und Fotos anschauen, die Traian Mure{ianu auf sein Instagram-Konto gepostet hat. Ein wichtiges Element der Ausstellung ist das Hologramm eines Mädchens, das über das Jahr 1877 erzählt.

„Die Mission unseres Museums ist, die Vergangenheit im Kontext der Gegenwart und Zukunft zu interpretieren. Wir haben die Zitate aus den Briefen so zusammengestellt, dass sie wie WhatsApp Nachrichten oder Facebook-Postings aussehen. Bei der Gestaltung der Infotafeln hatten wir auch drei jugendliche Berater, Schüler des Șaguna-Kollegs, dabei. Wir müssen gestehen, dass uns Teenager in Sachen Technologie weit überlegen sind. Wir haben Live-Recording auf dem Smartphone gemacht und alte Fotografien mit Snapchat-Filter versehen. Eben-falls wurde mit Animojis gearbeitet“, erklärt Valer Rus.
Mit Hilfe der Smartphone-Kamera werden verschiedene Muskelbewegungen eines Gesichts analysiert. Anschließend werden diese in Form eines Animojis wiedergegeben. Die aufgenommene Form des Animojis enthält auch die Stimme der Person.

Auf einem der Bildschirme können die Besucher die Korrespondenz zwischen Savastia Mure-{ianu und ihrem Sohn Aurel so erleben, als ob sie per WhatsApp geführt wurde. Aurel befand sich für einige Monate in Tirol und seine Mutter schreibt ihm Nachrichten von zu Hause. In Wirklichkeit wurde diese Korrespondenz drei Monate lang geführt, wobei die Briefe mit Eisenbahn und Kutsche transportiert wurden.

Die Zeiten ändern sich

Museen entstanden ursprünglich, um Schätze aufzubewahren. Doch mittlerweile richtet sich das Hauptbestreben der Museen neben dem Sammeln und den Restaurierungsarbeiten von Objekten vor allem auf die besucherorientierte Präsentation der Exponate und Produkte. Somit bietet das Museum eine Art unterhaltsamen Unterricht  für Jugendliche aber auch für die jung gebliebenen Museumsbesucher.

Junge Museumsbesucher können fremde Welten entdecken, vergangene Zeiten erforschen und ungewöhnlichen Kunstwerken begegnen- und das mit Hilfe von modernen Technologien. Man hat eingesehen, dass die jungen Besucher nur durch Partizipativität für die Aktivitäten des Museums begeistern kann. „Hinter einer Glaswand kann man auch die originalen Briefe und Zeitungsartikel sehen, die als Informationsquelle für unsere Ausstellung dienen. Falls wir sie nur auf diese Weise ausgestellt hätten, wäre das Interesse der Jugendlichen sicher nur gering gewesen. Doch die Art und Weise, wie wir die Informationen mittels Facebook, WhatsApp oder Instagram vermittelt haben, begeistert sie und zieht sie wie ein Magnet an“, meint Valer Rus.

Die interaktive Multimedia-Ausstellung „Stories 1877“ wurde in Zusammenarbeit mit dem Kreisschulinspektorat Kronstadt und der Kreisbibliothek Kronstadt organisiert und vom Kronstädter Kreisrat und der Verwaltung des Nationalen Kulturfonds (AFCN) finanziell unterstützt. Die Ausstellung kann bis März 2020 im Gedenkmuseum Casa Mure{enilor besucht werden.
 

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