Das besondere neunte Jahr

Eine Welt für Kinder im Jugendzentrum Seligstadt

Kinderspielstadt mit Abstand Foto: Christiane Neubert

Herstellung von Ohrringen in der Plastikwerkstatt Foto: Paul Morbach

Zum nunmehr neunten Mal hat das Jugendzentrum Seligstadt seine Tore geöffnet, um den Kindern und Jugendlichen in ihren Sommerferien eine Freizeit der besonderen Art zu bieten: Mitten im sommerlichen Siebenbürgen, um die Kirchenburgen von Bekokten/Bărcuț und Seligstadt/Seliștat herum, fanden wie in den Jahren zuvor die Spielstädte statt - eigene Welten, die nur für die Kinder gemacht sind. Sie bilden dort ihr eigenes Gemeinwesen mit Rathaus und Verwaltung, einem Gericht und öffentlichen Institutionen wie Polizei und Feuerwehr, arbeiten in kleinen Läden und Werkstätten, backen Waffeln oder stellen Kerzen und Holzschmuck her.

Spielerisch, quasi nebenbei bekommen auch nicht-muttersprachliche Kinder ein intensives Sprachtraining in Deutsch, der Sprache der Spielstadt. Wenn sie etwa an einem Bandschleifgerät arbeiten können, lernen sie dazu viel Praktisches und gewinnen Zutrauen in ihre Fähigkeiten, auch schwere und gefährliche Aufgaben zu bewältigen. Sie verkaufen ihre Produkte in einer eigenen Währung, handeln Preise und Verträge aus und wählen aus ihren Reihen einen Bürgermeister, von dem sie sich versprechen, dass er ihre Probleme lösen kann. Viele Eindrücke werden gesammelt, wie die Welt der Erwachsenen eingerichtet und geregelt ist – und oft auch Ideen, wie es anders geht, etwa mit mehr Rücksichtnahme, dem Willen zu teilen und der Bereitschaft zu pragmatischen Lösungen – Ideen, die die Kinder hoffentlich auf ihrem weiteren Weg begleiten werden und ihnen Mut machen, ihre Lebensumwelt zu gestalten. Die Neuerung in diesem Jahr ist eine Plastikwerkstatt mit Sortierung, Schredder und Fertigungsgeräten für neue Gegenstände aller Art. Die Kinder haben Recycling so in einer Vollständigkeit kennengelernt und selbst ausprobieren können, wie es sicher wenige erfahren haben.

Die Ereignisse der vergangenen Monate sind an der Idylle der Kinderspielstadt nicht vorbeigegangen – ist es doch eine Besonderheit, im Moment überhaupt Freizeiten durchführen zu können. Weniger Eltern als in den letzten Jahren haben ihre Kinder angemeldet. Die Teilnehmerzahl war auch deswegen begrenzt, da so die Gruppen klein gehalten und alle Aktivitäten im Freien durchgeführt werden konnten. Mund-Nasen-Masken machen die Kommunikation mit den Kindern nicht leichter, denn sie verdecken ein lachendes, ein fragendes oder ein trauriges Gesicht und hinterlassen oft einen nicht definierbaren, scheinbar neutralen Eindruck. Zugleich war die Spielwelt jedoch der beste Ort, mit den Kindern die Regeln einzuüben, auf die sie sich – wie wir in der realen Welt der nächsten Monate auch – werden einstellen müssen. Der Spaß aber ist wie jedes Jahr nicht zu kurz gekommen. Zurück bleiben geschaffte Organisatoren und viele glückliche Kinder, die, wenn auch am Anfang, nach Monaten ohne Schule, noch schüchtern und verschlossen, am Ende doch fröhlich miteinander gespielt haben und sich schon jetzt auf den Beginn einer neuen Kinderspielstadt im nächsten Jahr freuen.

Wir danken allen, die die Durchführung der Kinderspielstädte in diesem Jahr möglich gemacht haben, insbesondere dem Auswärtigen Amt über das Institut für Auslandsbeziehungen e.V. Stuttgart, das das Projekt initiiert, sowie dem Freistaat Bayern, der das Projekt durch das Bayrische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales ausgewählt und gefördert hat. Gefördert wurde die Veranstaltung auch aus Mitteln des Departments für Interethnische Beziehungen der Regierung Rumäniens über das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien.

 

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