Das slowakische Paradies von Șinteu

Bei „Huta Slavia“ im Kreis Bihor ist alles traditionell

Eine funktionierende Wassermühle, die älter als hundert Jahre ist, kann besichtigt werden.

In der Mühle wurde eine traditionelle slowakische Küche eingerichtet.

Der Bison-Burger (31 Lei) mit Pommes ist bei „Huta Slavia“ sehr beliebt.

Erinnerung an die Zeiten, in der die Glasfabriken der Slowaken noch im Betrieb waren.

Entlang des Sees kann man spazieren gehen und die ausgestellten Skulpturen bewundern. Fotos: die Verfasserin

Knapp 22 Kilometer von Aleșd entfernt, auf der rechten Seite der Straße, die nach Nușfalău-Șimleul Silvaniei führt (Nationalstraße DN1H), befindet sich der Touristenstopp „Huta Slavia“. Der Entspannungsort mit Restaurant und Freizeitgelände in 700 Metern Seehöhe empfängt Besucher mit der typischen Gastfreundschaft eines slowakischen Gebirgsdorfes. Denn eben das ist die Ortschaft Șinteu (auf Slowakisch: Nova Huta) im Șes-Plopiș-Gebirge im Nordwesten Rumäniens, auf deren Gelände sich „Huta Slavia“ erstreckt: Ein Ort mit archaischem Flair, der von den aus dem Tatra-Gebirge stammenden Slowaken vor etwa 200 Jahren gegründet worden ist. In der traditionellen Gaststätte „Huta Slavia“ können Reisende ein Stück slowakischer Kultur und Gastronomie kennenlernen, in einem Ambiente, das viel Wärme und Offenheit ausstrahlt.

„Huta Slavia“ scheint auf den ersten Blick ein einfacher Touristenstopp am Straßenrand zu sein. Wer aber dort Halt macht, der wird nicht schlecht staunen: Das traditionelle Restaurant bietet ganz besondere Speisen an und ein anschließender Rundgang durch das kleine Dorfmuseum hat es ebenfalls in sich. Ein Blickfang sind die Kellnerinnen und Kellner, die slowakische Trachten tragen und Besucher mit einem freundlichen Lächeln empfangen. Speziell sind auch die Speisen, die bei „Huta Slavia“ angeboten werden: slowakische Knödel mit geräuchertem Speck und Sauerkraut, slowakischer Kartoffelkuchen „Podlesneak“, der mit kalter Buttermilch serviert wird, „Tocna“ (geriebene, im Ofen gebackene Kartoffeln), aber auch Desserts wie „Buchty na pare“ (Käsepfannkuchen) und viele andere Leckereien können dort verzehrt werden. Wer es eher auf Fast-Food abgesehen hat, der kann sich einen Burger mit Bison-Fleisch gönnen. Bei „Huta Slavia“ gibt es auch Burger aus Angus-Rindfleisch, doch mittlerweile ist das Bison-Fleisch deutlich beliebter geworden. Und wenn es schon slowakisches Essen gibt, dann soll auch slowakisches Bier auf den Tisch gestellt werden: Am liebsten „Zlaty Bazant“, das beste Bier aus der Slowakei. Es wäre natürlich kaum vorstellbar, dass man dort, im Kreis Bihor, keinen hausgemachten „Palinka“ oder Wein bestellen kann. Die bei der Zubereitung der slowakischen Gerichte verwendeten Lebensmittel stammen zum Großteil aus der lokalen Wirtschaft, die dadurch unterstützt wird.

Slowakische Enklave freut sich auf Besucher

In der Gemeinde Șinteu, zu der die Dörfer Huta Voivozi, Socet, Șineu und Valea Târnei gehören, ist die Bevölkerung mehrheitlich slowakischer Nationalität. Laut der Volkszählung von 2011 leben in dieser Gemeinde knapp über eintausend Menschen, mehr als 96 Prozent davon bekannten sich zur slowakischen Ethnie. Landesweit gibt es an die 17.000 Slowaken in Rumänien. Anders als etwa die Slowaken in Nadlak sind die in Șinteu lebenden Slowaken römisch-katholischen Glaubens. Als sich die Slowaken vor mehr als 200 Jahren in dieser Gegend niederließen, gründeten sie mehrere Glasverarbeitungs-Manufakturen, die mit dem Holz, das es reichlich in den umliegenden Wäldern gibt, betrieben wurden. Die gerodeten Gebiete wurden rasch in Landwirtschaftsflächen umgewandelt und die Gegend wurde vor allem für den Kartoffelanbau berühmt.  

Der Freizeitort „Huta Slavia“ wurde von Miroslav Iabloncsik, dem Honorarkonsul der Slowakei in Rumänien, ins Leben gerufen, der auch das Hotel „Slavia“ in Salonta oder das Restaurant „Koliba“ in Mădăras betreibt. Ursprünglich als Touristenstopp gedacht, entwickelte sich „Huta Slavia“ im Laufe der vergangenen vier Jahre zu einem Ort mit Symbolwert für die ganze Gegend. Bei „Huta Slavia“ kann man einige entspannten Stunden mit der Familie verbringen oder das eine oder andere Ereignis feiern (auch Tauf- oder Hochzeitsfeiern sind möglich!). Auf dem Hügel rechterhand befinden sich Hängematten und Strohballen, die man zur Entspannung nutzen kann, oder man kann sich einfach ins Gras setzen und in die Ferne blicken, die Landschaft bewundern. „Huta Slavia“ gilt eher als Geheimtipp in der Region, auch wenn darüber eine Vielzahl an Artikeln im Internet veröffentlicht worden sind.

Kleines Dorfmuseum unter freiem Himmel

Obwohl die meisten Besucher nach „Huta Slavia“ fahren, um die slowakischen Gerichte zu verkosten, können Reisende in unmittelbarer Nähe des Restaurants auch einiges unternehmen. Nach dem deftigen Essen ist ein Spaziergang angesagt, um die Verdauung anzuregen und um weitere Eindrücke von Land und Leuten zu gewinnen. Familien mit Kindern steht ein Kinderspielplatz zur Verfügung, man kann aber auch die Wassermühle besichtigen, die immer noch funktionstüchtig ist. Die Mühle mahlt das Getreide, das fleißige Hände zu Teig kneten, um in den traditionellen Backöfen zu Brot gebacken zu werden. In der Mühle, die aus dem Jahr 1919 stammt, können Besucher eine slowakische Küche bewundern, mit handbemalten Tellern und Stoffen mit traditionellen Motiven an den Wänden. Noch bevor man die Wassermühle erreicht, befindet sich rechterhand eine kleine Forellenzucht unter freiem Himmel – gegrillte Forellen stehen ebenfalls auf der Speisekarte von „Huta Slavia“.

Um den kleinen See kann man spazieren gehen und die modernen Bildhauereien slowakischer Künstler bewundern, die einen kleinen Skulpturenpark bilden. Erklärungen auf Rumänisch und Slowakisch ergänzen jedes Werk. Auch die Möglichkeit zum Angeln ist auf Anfrage geboten. Im Sommer ist es bei „Huta Slavia“ fast immer voll, deswegen ist ein Besuch dort vor allem während der Woche zu empfehlen. Das sonnige Herbstwetter lädt weiterhin zum Reisen ein, sodass man auch in dieser Zeit ein paar schöne Stunden bei „Huta Slavia“ verbringen kann. Jeden Oktober findet seit 1996 das sogenannte „Kartoffelfest“ in Șinteu statt – eine gute Gelegenheit, die slowakischen Kartoffelspezialitäten zu verkosten oder Kartoffeln für den Winter einzukaufen. Doch auch andere Ereignisse hat das Restaurant „Huta Slavia“  bislang geboten: Eine Weihnachtsfeier war dort jedes Jahr möglich – bei der Veranstaltung konnten Besucher den Sängern von traditionellen Weihnachtsliedern aus der Region lauschen, die Masken tragen und ein einzigartiges Spektakel bieten. Silvesterpartys wurden jedes Jahr seit Eröffnung des Restaurants 2016 organisiert.  

Bei „Huta Slavia“ scheint der Besucher in eine völlig andere Welt einzutauchen. Er befindet sich in Rumänien und gleichzeitig in einem rein slowakischen Umfeld. Wie eine Reise in die Vergangenheit fühlt es sich an, wenn  man auf dem Gebiet von Șinteu weilt. Wer über Ale{d nach „Huta Slavia“ gefahren ist, der kann für die Rückfahrt eine andere Strecke wählen – die deutlich engere, doch immer noch sehr gute Kreisstraße DJ110E, die über Serpentinen herabführt und Fahrer und Mitreisenden  ein besonderes Panorama bietet.

cffviseu

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    Susan Benson 02.11.2020 Beim 22:10
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    Stefan 02.11.2020 Beim 18:30
    Vielen Dank für den Beitrag über eine der kleinen Minderheiten Siebenbürgens. Eine kleine Korrektur: Das erwähnte slowakische Bier hat 12% Stammwürze, nicht Alkoholgehalt. Die Stammwürze beeinflusst zwar den Alkoholgehalt, ist aber nicht mit ihm identisch. Meines Wissens sind Tschechien und die Slowakei die einzigen europäischen Länder, die die Stammwürze prominent auf dem Etikett oder auch auf der Speisekarte ausweisen.