„Das Tolle ist, dass es einen Impfstoff gibt“

Interview mit Ladislau Lang, Direktor der West-Medica-Klinik und stellvertretender Vorsitzender des Hausärzteverbands in Sathmar

Dr. Ladislau Lang in seinem Büro Foto: Erika Pálinkás

Ladislau Lang ist Leiter der West-Medica-Klinik und seit fast 20 Jahren, seit dessen Gründung, stellvertretender Vorsitzender des Hausärzteverbands im Kreis Sathmar. Als Arzt ist er seit 30 Jahren tätig. Die Klinik West Medica leitete der Allgemeinmediziner ebenfalls von Anfang an, seit 22 Jahren. Vier Jahre lang (2014-2018) war Lang auch Generaldirektor der Organisation Caritas der römisch-katholischen Diözese in Sathmar. Über eines der aktuellsten Themen des Gesundheitswesens, die Corona-Pandemie, führte ADZ-Redakteurin Gabriela Rist mit Ladislau Lang das folgende Gespräch. 

Welche Wirkung hatte die Coronavirus-Pandemie auf die Hausärzte und auf ihre Patienten, rückblickend auf die Periode ab März 2019? 
Weder die Politiker noch die Hausärzte waren darauf vorbereitet – nicht nur in Rumänien, sondern in ganz Europa. Denken wir nur an den enormen Mangel an Desinfektionsmitteln, Schutzkleidung und Masken. Wir wussten nicht, wie sich das Virus verhält, wir wussten nicht, wie wir einen infizierten Patienten behandeln sollten und auf welche Komplikationen wir achten sollten. Zu Beginn gab es über den Krankheitsverlauf nur rudimentäre Informationen. Im Laufe der Monate lernte die Medizin auf der ganzen Welt mehr über dieses Coronavirus und in der Praxis wurden uns immer mehr Aspekte klar. 

Nach den Sommerferien kam die zweite Welle und wir wurden mit einer noch stärkeren Dimension der Pandemie konfrontiert, weil die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems langsam seine Grenzen überschritt. Auch die Hausmedizin war betroffen. 
Bei uns in der West-Medica-Klinik gab es zehn bis fünfzehn Corona-Patienten pro Tag, und gleichzeitig hatten wir eine Menge administrative Probleme, beginnend mit der Beschränktheit der Testkapazitäten. Wir erhielten 30 bis 40 Telefonanrufe pro Tag. Man muss die Symptome der Infizierten mit der Änderung ihres Zustands interpretieren, und bestimmen, wer in die Notaufnahme oder ins Krankenhaus muss. Zudem verursachte die Ausstellung der Bescheinigungen für den Krankenstand vorübergehend chaotische Verwaltungsprobleme. 

Das alles machte unsere Arbeit furchtbar schwierig. Insbesondere im Oktober und im November hat es uns menschlich, geistig und beruflich maximal in Anspruch genommen. Ganz zu schweigen davon, dass zahlreiche Kollegen ebenfalls krank geworden sind. Es war für uns eine sehr ernsthafte menschliche und berufliche He-rausforderung.

Was sind die aktuellen Regeln für jemanden, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde?
Die Besonderheit dieser Krankheit ist, dass sie sehr unterschiedliche Symptome hat: Einige leiden unter Atemwegsbeschwerden, Halsschmerzen, Geruchsverlust – eines der sehr typischen Symptome dieser Krankheit – oder an Husten und hohem Fieber. Natürlich gibt es einige, die nur die minimale Form haben. Manche haben Bauch- und Magen-Darm-Beschwerden, Bauchkrämpfe, Durchfall oder Erbrechen. Aus diesem Grund war es zunächst schwierig, sich zu orientieren, als nur begrenzte Testkapazitäten verfügbar waren. Wir sind nun zu dem Schluss gekommen, dass nicht nur die PCR-Tests, sondern auch die sogenannten Antigen-Schnelltests als dia-gnostische Kriterien akzeptiert werden können. Das hat unsere Orientierung in Bezug auf die Diagnose von Patienten erheblich erleichtert und natürlich auch das daraus resultierende therapeutische Verfahren bestimmt. 

Wenn jemand solche Symptome bei sich selbst bemerkt, muss man sich zuerst telefonisch an den Hausarzt wenden. Der Hausarzt wird die Art und den Schwierigkeitsgrad der Symptome berücksichtigen und kann für den Patienten einen kostenlosen Heim-PCR-Test anfordern. Weitere Tests wird der Hausarzt abhängig vom Testergebnis und dem Zustand des Patienten vorschlagen und die Notaufnahme in Anspruch nehmen, wenn der Patient diese benötigt. Im Falle eines milderen Verlaufs kann er dem Patienten auch telefonisch therapeutische Indikationen geben, und natürlich soll er den Zustand des Patienten täglich verfolgen.

Was ist der Unterschied zwischen dem Antigen-Schnelltest und dem PCR-Test? Gibt es Patienten, deren erstes Testergebnis negativ, aber das zweite positiv war?
Die Genauigkeit des klassischen Standard-PCR-Tests liegt bei 95-96 Prozent. Es sollte beachtet werden, dass die Tests zuerst negativ und dann positiv ausfallen können. Das erklärt sich dadurch, dass das Virus in den ersten vier bis fünf Tagen nach dem Zeitpunkt der Infektion nicht in ausreichender Menge im Körper vorhanden ist, um nachgewiesen zu werden. Daher empfehlen wir, dass diejenigen, die potenziellen Kontakt mit bestätigten infizierten Personen hatten, isoliert werden und nach den ersten vier bis fünf Tagen einen PCR-Test oder einen schnellen Antigen-Test durchführen. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Genauigkeit von Antigen-Schnelltests nur wenige Prozent unter der Genauigkeit von PCR-Tests liegt. Das bedeutet, dass jeder positive Antigentest auch durch einen PCR-Test als positiv bestätigt wird. Bei negativen Ergebnissen kann passieren, dass der Schnelltest, da die Empfindlichkeit des Antigentests etwas schwächer ist, zu einem negativen Ergebnis führen kann. Das kann jedoch durch den PCR-Test als positiv bestätigt werden und tritt nur in zwei bis vier Prozent der Fälle auf. 
Ein Vorteil von Antigen-Schnelltests besteht darin, dass sie überall durchgeführt werden können. Dennoch sollte er in einer Gesundheitseinrichtung durchgeführt werden, da das Ergebnis weitgehend von der Probenahmetechnik abhängt. Das Testergebnis kann aufgrund einer falschen Probenahme negativ sein, selbst bei einer infizierten Person. 
Andere große Vorteile dieses Tests sind, dass er in sehr großer Anzahl verfügbar ist, während das Land für PCR-Tests eine maximale Kapazität von 40.000 pro Tag hat – zu Spitzenzeiten war das nicht ausreichend –, und dass das Ergebnis innerhalb von 20 bis 40 Minuten da ist.

Sollte der Test auch durchgeführt werden wenn jemand offensichtliche Symptome zeigt, oder macht es dann keinen Sinn mehr?
Da die Symptome sehr unterschiedlich sind, treffen wir in der täglichen Praxis Patienten, bei denen der Verdacht auf eine Corona-Infektion besteht und die nach Durchführung des Antigen-Schnelltests und sogar des PCR-Tests negativ sind. Deswegen sagen wir, dass es trotz charakteristischer Symptome ratsam ist, den Test durchzuführen.
Es gibt sehr charakteristische Symptome, wie etwa Geruchsverlust, die aber nicht zwingend auftreten müssen. Diese Symptome treten auch nur bei etwa drei Prozent der Patienten auf, daher gibt es viele, die sagen: „Ich habe kein Coronavirus, weil ich riechen kann.“ Das ist jedoch nicht immer der Fall. 
Umgekehrt ist es zwar nicht zwingend notwendig, aber sehr wahrscheinlich, dass jemand, der seinen Geruchssinn verliert, infiziert ist. Der andere Aspekt, wa-rum ein PCR-Test durchgeführt werden sollte, besteht darin, dass das Sozialversicherungssystem den Infizierten und Kontaktpersonen vierzehn Tage lang 100 Prozent bezahlten Krankenstand gewährt, aber nur, wenn ein positiver Test vorliegt. 

Wenn jemand in einer Familie krank ist, ist es wichtig, sich zu isolieren?
Isolation spielt auch in der Familie eine sehr wichtige Rolle. Wenn möglich, sollte man in einem separaten Raum bleiben und die anderen Haushalts- oder Familienmitglieder nicht treffen, auch nicht etwa im Badezimmer. Man muss die Wohnung so oft wie möglich lüften. Ich möchte auch die Bedeutung des Händewa-schens hervorheben, da die Hand ein wichtiger Faktor bei der Verbreitung der Krankheit ist. Wir stecken Lebensmittel mit der Hand in den Mund, wir wischen uns die Augen und berühren unser Gesicht. Durch Händewaschen können wir das Vorhandensein von Viren erheblich reduzieren. Die Verwendung der Maske spielt bei der Vorbeugung von Infektionen der Atemwege auch eine sehr wichtige Rolle. 

Viele Leute sagen, dass die Maske nicht vor Infektionen schützt.
Der aktuelle wissenschaftliche Wissensstand ist, dass, wenn jeder die Maske trägt, das Risiko von Infektionen der Atemwege um etwa 90 Prozent verringert wird. Unter freiem Himmel besteht nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass das Virus eine Konzentration erreicht, die gefährlich wäre. Es wird jedoch empfohlen, die Maske auch im Freien zu tragen, da jemand in unmittelbarer Nähe niesen oder husten kann, dabei kann man sich infizieren. 
Im geschlossenen Raum dagegen ist die Infektionsgefahr groß, insbesondere in öffentlichen Verkehrsmitteln, Bars und Restaurants, in denen sich eine relativ große Anzahl von Menschen auf einem kleinem Raum befindet. Aus diesem Grund ist dort die Kapazität auf 20-30 Prozent begrenzt.

Ist das Virus für Kinder weniger gefährlich und tritt die Krankheit bei Kindern in einer leichteren Form auf?
Beide Gedanken sind richtig. Kinder sind weniger anfällig für Infektionen, das kann durch die wirksamere Immunabwehr der Kindheit erklärt werden. Zudem stoßen Kinder häufiger auf andere Arten von Coronaviren, bzw. Coronavirus-ähnliche Viren und sind daher eher vor Coronavirus-Infektionen geschützt. Drittens ist ihr Immunsystem stark, selbst wenn Kinder infiziert werden, haben sie einen sehr leichten oder gar asymptomatischen Krankheitsverlauf. Leider führt eine Coronavirus-Infektion manchmal auch zu schwerwiegenden und sehr schweren Formen von Covid-19 bei Kindern, aber eindeutig viel seltener als bei Erwachsenen. 
Die Schließung von Bildungseinrichtungen und der Online-Unterricht sind aber wichtig, weil wir wissen, dass es in einem geschlossenen Klassenzimmer oder Kindergarten sehr leicht ist, andere zu infizieren. Kinder können asymptomatische Träger des Virus sein, die dann andere sehr leicht infizieren können. 

Wird jedem empfohlen, sich impfen zu lassen, oder wird die Impfung nur für völlig gesunde Menschen empfohlen? Sollten auch Menschen mit Allergie geimpft werden?
Wenn jemand eine Allergie hat, gibt es keinen Grund, sich gegen die Impfung zu entscheiden. Allergien gibt es in vielen Formen und normalerweise wissen Menschen genau, gegen was sie allergisch sind. Allergische Reaktionen gegen die Impfung existieren, sie treten auf, aber sehr geringfügig, wie die Tests gezeigt haben. Es gibt nach der Impfung einen Beobachtungszeitraum von 15 bis 20 Minuten, während dem Personen im Impfzentrum bleiben, um allergische Reaktionen sofort schnell behandeln zu können. 
Ich sehe das nicht als ernsthafteres Problem an und Gott sei Dank wurden weltweit mehrere Millionen Menschen geimpft, und es gab keinerlei Rückmeldungen darüber, dass tragische allergische Reaktionen aufgetreten waren oder solche, die mit medikamentöser Intervention nicht hätten gelöst werden können.

Sollte man bei der Impfung so gesund sein wie bei jedem anderen Impfstoff?
Grundsätzlich sollte man gesund sein, milde Infektionssymptome sind aber keine Kontraindikationen für eine Impfung. Wenn jemand nur ein wenig erkältet ist oder leichtes Fieber hat, bedeutet das nicht, dass man sich nicht impfen lassen kann. 

Muss jemand, der die Infektion bereits hatte, geimpft werden?
Dazu wird noch geforscht. Ich weiß aus Fachartikeln, dass derzeit denjenigen, deren Infektion bereits drei Monate zurückliegt, empfohlen wird, sich impfen zu lassen, da die Impfung eine längere und sicherere Immunität bietet als eine Infektion. Selbst wenn eine geimpfte Person krank wird, verläuft die Krankheit viel milder. Wenn alles gut läuft, die notwendigen Impfstoffe verfügbar sind und es europaweit eine kontinuierliche Versorgung gibt, kann der Impfprozess bis Sommer beendet sein. 
Das Tolle ist, dass es einen Impfstoff gibt und dass jeder die Möglichkeit hat, kostenlos geimpft zu werden.

 

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