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Der Erhöhte erhört

Symbolfoto: pixabay.com

Die Kirchengemeinde in Mediasch feiert jedes Jahr am Sonntag Exaudi Konfirmation. Das ist relativ spät im Kirchenjahr, wo in anderen evangelischen Gemeinden unserer Kirche traditionellerweise am Palmsonntag oder kurz nach Ostern die Konfirmation gefeiert wird. Dass dieses bedeutende Ereignis an diesem Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten stattfindet, können wir hier gerne vertreten. Der Name des Sonntags kommt aus dem Psalm 27 (Vers 7), wo es heißt: „HERR, höre meine Stimme, wenn ich zu Dir rufe!“ (Latein: „Exaudi, Domine, vocem meam, qua clamavi ad te!“)

Die jungen Menschen bekennen am Tag ihrer Konfirmation, der Bestätigung ihrer Taufe, vor Gott und versammelter Gemeinde mit ihrem eigenen Mund den Glauben. Sie beten das Glaubensbekenntnis mit lauter Stimme. Es ist ein ganz besonderer Moment in dem Leben dieser Jugendlichen. Dabei beten sie: „Ich glaube an Gott, den Vater… und an Jesus Christus… aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“. Als Begleiter dieser jungen Menschen frage ich mich immer wieder aufs Neue, was bei ihnen bleiben wird von allen Inhalten, die ich ihnen während des Unterrichts vermittelt habe oder zu vermitteln versucht habe? Es gibt Stimmen, die meinen – und das gar nicht zu Unrecht – dass das Konfirmandenalter von 13-14 Jahren gerade ein sehr schwieriges ist. Man „pubertiert“, man bockt und zeigt oft gar kein Interesse für spirituelle Gespräche. Trotzdem sind der Unterricht und die gesamte Konfirmandenzeit etwas ganz Besonderes. Ich selber erinnere mich zwar nicht mehr an alle Inhalte des Unterrichts, als ich selber Konfirmand war, aber es ist in mir das warme Gefühl geblieben, dass ich in der Zeit zu einer bunten, lebendigen Gruppe gehört habe, worin über Gott ehrlich und frei gesprochen wurde. Heute, wenn ich selber Konfirmanden unterrichte, frage ich mich, was diese Kinder mit den Geheimnissen des Glaubens anfangen können, wenn schon Erwachsene sich damit oft schwer tun?

Die Himmelfahrt Christi ist solch ein Geheimnis des Glaubens. Es heißt, dass Jesus „aufgehoben (wurde) vor den Augen der Jünger“, dass er „hinweggenommen (wurde) von ihren Blicken“. Kann man sich das irgendwie vorstellen? Wir versuchen, die Inhalte der Bibel zu begreifen, auch wenn vieles Glaubensgeheimnis und Gnade ist. Wir sind aber auch so gebaut, dass wir wissen und verstehen wollen. Wenn wir ehrlich sind, dann geben wir auch zu, dass uns Erklärungen, wie: „Das musst Du eben glauben!“ nicht sehr glücklich machen. Mit den Konfirmanden gehe ich behutsam an das Wort der Bibel heran. Es ist nicht wichtig, die Wunder Jesu in der Bibel wissenschaftlich zu erklären und zu verstehen, z. B. wie das Wasser bei der Hochzeit zu Kana in Wein verwandelt wurde, wie Jesus auf dem Wasser gehen konnte oder wie er Brot für 5000 Menschen vermehren konnte. Wichtig ist die Botschaft! Wichtig ist zu spüren, dass Gott nahe ist, dass wir ihn im Gebet Vater nennen dürfen und dass er uns besser kennt, als wir selbst. Wichtig ist zu spüren, dass er immer bei uns ist und bleibt. Jesus wurde zu neuem Leben auferweckt und kehrte zum Vater zurück. Aber dadurch wurden wir auf keinen Fall verlassen, sondern können uns immer wieder darauf verlassen, dass unsere Gebete erhört werden. Wir alle haben eine gewisse Vorstellung von „hoch“ und „tief“. Wir spüren, dass wir hier „unten“ unsere Sorgen und Plagen haben, trotzdem ahnen wir auch, dass uns von „oben“ Freude und Kraft geschenkt wird. Wenn es uns gut geht, zieht unser Blick nach oben, wenn wir traurig oder besorgt sind, fühlen wir uns nach unten gezogen.

In der Botschaft des Sonntags Exaudi liegt so vieles. Jesus Christus ist zwar nicht mehr sichtbar unter uns, sondern beim Vater, im „Himmel“. Er ist Gottes große Liebeserklärung an uns Menschen. Rund 33 Jahre lang hat er auf Erden gelebt und hat die Botschaft Gottes verkündigt: Demut, Güte, Liebe, Hoffnung. Er erniedrigte sich selbst und ließ sich schlagen, ja zuletzt sogar töten, weil es Gottes heiliger Wille war, uns Menschen dadurch von unserem Tod zu retten. Nun haben wir eine neue Hoffnung und spüren immer wieder die Nähe und die Wärme der Liebe Gottes, die uns erfüllt und durch uns weite Kreise ziehen kann. Manfred Siebald hat 1973 ein Lied geschrieben, worin es heißt: „Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt, da wirkt sie fort in Tat und Wort, hinaus in unsre Welt.“ Das wünsche ich nicht nur jungen Konfirmanden, sondern uns allen: dass die Liebe Gottes uns erfüllt und durch uns ausstrahlt!

cffviseu

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