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Drei Jahrzehnte Mauerfall

Spezialprogramm in Temeswarer Oper

Die Redner, während die Hymnen gesungen werden Foto: Zoltán Pázmány

Symbolisches Rütteln an einer scheinbar felsenfesten Mauer

„99 Luftballons“: Dana Borteanu und Schüler des Musiklyzeums „Ion Vidu“

Tanzgruppe „Hänschenklein“ mit Kindertänzen aus dem Banat Fotos: Zoltán Pázmány

Es war eine Retrospektive in Worten aber auch in künstlerischer Darbietung was das Deutsche Konsulat in Temeswar, die Temeswarer Staatsoper und ihre Partner, sowie viele Sponsoren möglich gemacht hatten. Dreißig Jahre seit dem Berliner Mauerfall und fast ebenso lange seit der Dezember-Revolution, von Temeswar ausgehend, wurden mit einer besonderen Choreografie gefeiert. Unter der Moderation von Konsul Ralf Krautkrämer hatten sich die Kommunalbehörden zu Wort gemeldet, ganz einerlei ob der DFDB-Vorsitzende Johann Fernbach, der Bürgermeister von Temeswar, Nicolae Robu, der Temescher Vizepräfekt Daniel Franţescu oder der Gesandte des Temescher Kreisrates, der ein Grußwort des Kreisratspräsidenten Călin Dobra verlas, hoben alle die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien hervor. Dabei fiel das Hauptaugenmerk auf dem Kreis Temesch, wo Kulturinstitutionen mit deutscher Unterstützung, deutschsprachige Investitionen und deutsche Bildungseinrichtungen einen besonderen Stellen- und Nutzwert haben.

Vom Rednerpult, am Tag der Deutschen Einheit

(Auszüge)

Ralf Krautkrämer, Konsul: Der 3. Oktober, der Tag an dem die Deutsche Einheit  im Einklang und mit Zustimmung unserer europäischen Partner und Nachbarn, offiziell vollendet wurde, ist ein glückliches Datum in der Geschichte Deutschlands. Und es ist ein glückliches Datum in der Geschichte Europas. Der Fall der Berliner Mauer besiegelte den Untergang der Blockkonfrontation in Europa, mit dem Willen, einen Raum des Rechts, des Friedens und der Freiheit zu schaffen. Die Wiedervereinigung ist ohne die friedliche Revolution in der DDR nicht denkbar. Ohne den Mut dieser Bürgerinnen und Bürger wäre es nicht zum Mauerfall am 9. November 1989 und auch nicht zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 gekommen. Daran wollen wir uns heute in Dankbarkeit erinnern. Aber auch in Rumänien haben die Menschen ausgehend von Temeswar ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen. Vielleicht ist dafür die Oper hier ein besonderer Ort, sich daran zu erinnern. Stellvertretend für viele hier im Banat oder Sie alle hier im Haus, die Sie alle eine besondere Geschichte zu erzählen haben. Berichten Sie der jüngeren Generation, gerne auch mit etwas „Herzblut“. Vielleicht meine sehr verehrten Damen und Herren, erwarten Sie jetzt hier  noch einiges Mehr. Aber in diesem Jahr haben wir „unsere Message“ in ein Kulturprogramm gepackt, das unter dem Thema einer Zeitreise ins Berlin vor 30 Jahren mitnehmen wird und Sie hoffentlich auch packen wird. Die Banater Zeitung hat sich freundlicherweise bereit erklärt, einen Sonderbeitrag zu diesem wichtigen Ereignis zu drucken, wo sich unsere Gedanken in Wort und Schrift wiederfinden. Ich freue mich, dass wir uns als deutsches Konsulat dafür einsetzen können, Menschen zusammen zu bringen, für Austausch und Begegnung zu sorgen und so zu Verständigung und Wohlstand zum Nutzen unserer beiden Länder beizutragen.

Dr. Johann Fernbach, DFDB-Vorsitzender: Vor drei Jahrzehnten haben die Nationen Europas, eine Wiege der Weltkultur- und -zivilisation, sicherlich in einer günstigen politischen Konjunktur, ein Zeichen gegeben, dass sie eine grundsätzliche Änderung in ihrem Leben wollen, dass die Meinungsfreiheit wichtiger als alles andere sei. Der Eiserne Vorhang, der diese Völker so viele Jahre voneinander getrennt hatte, musste fallen. Die Auswirkung des Berliner Mauerfalls hatte eine überragende Bedeutung für alle Nationen, die sich unter dem Einfluss Moskaus befanden.Erinnern wir uns an die Deutschen diesseits und jenseits der Mauer, die sie so lange Jahre voneinander getrennt hatte. Sie haben die Mauer Stück um Stück zertrümmert und sind sich in die Arme gefallen mit dem Schwur,  dass sie niemals mehr eine Mauer voneinander trennen würde.Der Wind der Freiheit musste auch ins kommunistische Rumänien gelangen, wo ein in trauriger Erinnerung gebliebener Diktator ein ganzes Volk zwanghaft in Kälte und Hungersnot hielt und die Meinungsfreiheit geknebelt hatte. Wir kennen das nur zu gut, weil sehr viele von uns den Augenblick miterlebt haben. Die rumänische Revolution hat hier in Temeswar begonnen, leider auch mit dem Opfer vieler Leben unserer Landsleute. Diesen sind wir verpflichtet,  mit Hochachtung zu gedenken.Deutschland und Rumänien gehen heute einen gemeinsamen Weg in Europa und wünschen sich eine gutgehende und starke Europäische Gemeinschaft, die das Zeug dazu hat, jedwelchen Provokationen die Stirn bieten zu können. Unser Präsident Klaus Werner Johannis und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sind eine Garantie für dieses Projekt. Vor 100 Jahren, als Rumänien geboren wurde, haben die Deutschen ihre Wahl getroffen: Aus dem Banat, in dem sie in Frieden mit der Mehrheitsbevölkerung und den anderen Ethnien gelebt hatten, sollte ein Land des Verständnisses, ein Beispiel der Modernität, schlicht ein Folgebeispiel werden. Das Demokratische Forum der Deutschen im Banat, das ebenfalls 30 Jahre seit seiner Gründung feiert, hat sich vorgenommen - und hat, glaub ich, durch all sein Tun auch überzeugt - und wünscht, eine Brückenfunktion zwischen Rumänien und Deutschland zum beiderseitigen Vorteil der Länder auszuüben. Wir glauben mit Nachdruck, dass das der einzuschlagende Weg ist. Wir werden ihn auch weiterhin zum Gedeihen aller begehen.

Redaktionelle Bearbeitung: Siegfried Thiel

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