Ein abwechslungsreiches Stück Schwarzmeerküste

Eforie Sud, Techirghiol, Tuzla und Costinești: Zwischen Erholung, Kultur und Party

Die Gemeinde Tuzla hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter in Richtung Meer ausgedehnt. Der Strand der Gemeinde wurde bisher noch nicht erschlossen. Im Norden befindet sich einer der letzten wilden Campingplätze der rumänischen Küsten.

Symbole von Costinești sind die Steinskulpturen, von denen allerdings nicht mehr alle erhalten sind. Der alte Obelisk am Strand wurde 2005 abgebaut und im darauffolgenden Jahr durch einen neuen ersetzt.

Bereits seit einigen Jahren wird die Uferpromenade in Eforie Sud umgestaltet, das alte Casino blieb bisher allerdings unangetastet, obwohl seine Umgestaltung in ein Hotel bereits vor vier Jahren angekündigt wurde.

Ein beliebtes Fotomotiv ist die im Norden vor Costinești auf eine Sandbank aufgelaufene E. Evangelia. Durch ihren zunehmenden Verfall kann sie allerdings nicht mehr betreten werden. | Fotos: der Verfasser

Beliebt ist der Techirghiol-See wegen der heilbringenden Eigenschaften des Seeschlamms. Dieser wird zur Behandlung von chronischem Gelenk- und Muskelrheumatismus sowie bei Insuffizienz der innersektorischen Drüsen und bei Rachitis empfohlen. Das Wasser ist siebenmal so salzreich wie das Wasser des Schwarzen Meeres.

Keine zehn Kilometer trennen Eforie Sud und Costinești – den einstigen gehobenen Kurort Carmen Sylva und die ehemalige deutsche, katholische Kolonie Groß-Mangearpunar. Während Eforie Sud aufgrund des angrenzenden Techirghiol-Sees viele Gesundheitstouristen anzieht, sind es insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene, die nach Costinești pilgern. Zwischen beiden Seebädern liegt Tuzla, eine einst tatarisch-türkische Siedlung. Der Strand der Gemeinde ist wiederum gerade bei Wildcampern beliebt. Und in Techirghiol finden Kulturinteressierte die Gotteshäuser von gleich vier Religionsgemeinschaften.

Costinești

1890/91 siedelten in dem einst tatarischen Groß-Mangearpunar 29 römisch-katholische Familien aus  Cherson (Russland), welche zuvor die Kolonie Valala – nahe dem heutigen Negru Vodă – gegründet hatten, diese allerdings wieder verließen, da der rumänische Staat versprochenes Land an Veteranen vergab – eine gängige Praxis in der jungen rumänischen Dobrudscha. In den folgenden Jahren entwickelte sich Groß-Mangearpunar zu einem „blühenden reindeutschen Dorf“, wie es der Ethnograph Paul Traeger beschreibt. Nach Streitigkeiten mit dem Grundbesitzer gaben viele Siedler ihre Höfe allerdings wieder auf, einige wenige kamen während der Besetzung der Dobrudscha durch das Kaiserreich noch einmal zurück. Im Zweiten Weltkrieg wurden schließlich die übrigen deutschen Kolonisten in das Reich ausgesiedelt.

Noch weniger erfolgreich war die Ansiedlung von evangelischen Siedlern im angrenzenden Klein-Mangearpunar (Schitu), welche ab 1897 aus Osmancea im Hinterland der Dobrudscha kamen. Von Traeger wird die Siedlung allerdings schon 1922 als „verfallen“ bezeichnet. „Nur 4 Familien mit 27 Seelen fand ich noch anwesend. Die Kinder wuchsen ohne jede Schule auf, da es hier auch keine rumänische gab.“ Ein Zwischenpächter hatte die Pacht dermaßen erhöht, dass die Bauern verarmten und schließlich weiterzogen.

An die einst deutschen Siedlungen erinnert in Costinești/Schitu lediglich noch ein Gedenkstein vor der orthodoxen Kirche „Sfântul Dimitrie“. Im Zweiten Weltkrieg siedelten schließlich aus der Süddobrudscha vertriebene Rumänen in beiden Orten. Das Gesicht der beiden Orte wandelte sich dann mit dem Einsetzen des Tourismus. Zum zentralen Ferienort für Jugendliche und junge Erwachsene erwuchs Costinești ab 1960. Eine besondere Attraktion ist das 1968 auf eine Sandbank aufgelaufene griechische Frachtschiff E. Evangelia, welches 1942 in Belfast gebaut wurde und bis 1965 unter britischer Flagge fuhr.

Tuzla

Nur wenige Kilometer nördlich von Costinești – allerdings nicht direkt am Meer – liegt Tuzla. Schon der Name lässt eine einst türkische Siedlung vermuten. Entsprechend findet sich auch eine Moschee im Ort, die 1893 erbaut wurde, als die Dobrudscha bereits Teil des rumänischen Königreiches war. Das Minarett wurde schließlich 2008 u. a. mit der Unterstützung des rumänischen Staates errichtet.

Der Strand von Tuzla befindet sich etwa zwei Kilometer abseits des Ortes und ist nur über Schotterpisten zu erreichen. Pensionen befinden sich hier (noch) nicht und da der wilde Strand deutlich weniger bekannt ist als die Strände von Vadu und Corbu ist die Atmosphäre hier etwas angenehmer. Trotzdem empfiehlt sich auch hier ein Besuch erst im September. Denn neben einer kleineren gastronomischen Infrastruktur beanspruchen die Vermieter weißer Plastikliegestühle einen großen Teil des Strandes, der dann von einer „obszönen“ Anzahl an Bukarestern – wie auch in Vadu und Corbu – insbesondere an den Wochenenden zugemüllt wird. Laut Präfektur sind die improvisierten Verschläge allerdings ohne Genehmigung errichtet worden. Die Behörde für Verbraucherschutz hatte im Juli 2020 umfangreiche Kontrollen durchgeführt.

Eine gesetzliche Grauzone ist der nördlichste Abschnitt des Strandes, welcher unmittelbar an Eforie Sud grenzt. Hier hat sich ein wilder Campingplatz etabliert, obwohl das Befahren dieses Bereiches durch die Gemeinde Tuzla untersagt ist. Das Campieren ist allerdings nicht direkt verboten und wird bisher noch toleriert.

Techirghiol

Das Wort Tuzla kommt von der türkischen Bezeichnung „tuz“ für Salz. Schließlich liegt unmittelbar nördlich der Gemeinde der Techirghiol-See, der größte Salzsee des Landes. In dem Tatarendorf siedelten ab 1907 landlose deutsche Familien aus den älteren katholischen Kolonien Malkotsch (Malcoci, Tulcea), Culelia und Caramurat (Mihail Kogălniceanu, Konstanza). In einer Fußnote schreibt Traeger: „Wie verlassen und unbeachtet, oft auch in der Dobrudscha selbst ganz unbekannt manche dieser kleinen deutschen Nester sind, dafür sei als Beispiel erwähnt, daß Margot Staub-Zehnder, die im Hauskalender der Deutschen Volksbildung dem „Wundersee“ einen langen Aufsatz widmet und dabei auch das Dorf mit seinen Tatarenhäusern beschreibt, offenbar nicht das geringste von der Kolonie deutscher Landsleute gehört und bemerkt hat.“ Die ehemalige deutsche katholische Schule ist heute ein Jugendgasthaus der Evangelischen Kirche A.B. in Bukarest. In dem nordwestlich des gleichnamigen Sees gelegenen Techirghiol finden sich noch heute die Gotteshäuser von Muslimen, Katholiken, Orthodoxen und der Pfingstbewegung.

Bekannt für seine heilende Wirkung war der See schon zu Zeiten des Osmanischen Reiches. Zu einem Kurort wurde der „See des Tekir“ allerdings erst durch die Erschließung von Băile Movilă-Techirghiol – dem späteren Carmen Sylva (1928), Vasile Roaită (1948) und seit 1962 Eforie Sud, welches im Südosten an den See grenzt – nach dem Ersten Weltkrieg. 1928 wurde der Ort darüber hinaus eine von Tuzla eigenständige Gemeinde.

Eforie Sud

Als Begründer des Ortes gilt der aus einer moldauischen Bojarenfamilie stammende Ioan Movil˛, welcher zwischen 1894 und 1899 das Hotel Movilă errichten ließ – das heutige Hotel Parc. Movilă war zuvor unter anderem Präfekt des Landeskreises Brăila. Vertraut mit dem Konzept westeuropäischer Heilbäder und überzeugt von den gesundheitsfördernden Eigenschaften des Techirghiol-Sees erwarb er große Landflächen südlich von Konstanza. Den Aufstieg zum Kurort „Carmen Sylva“ erlebte Movilă allerdings aufgrund seines Todes im Januar 1904 nicht mehr.

Insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg entstanden weitere Villen und Gasthäuser, von denen allerdings nur einige wenige erhalten geblieben sind. Bereits 1908 wurde das orthopädische Krankenhaus durch Prinzessin Marie Alexandra Victoria von Edinburgh – der späteren Königin Maria von Rumänien – eingeweiht. Es war durchgehend bis ins Jahr 2013 in Betrieb und ist heute dem Kreiskrankenhaus in Konstanza unterstellt.

Zu den markantesten Gebäuden in Eforie Sud gehört das „Cazino Movilă“, welches zwischen 1931 und 1935 errichtet wurde und als Vertreter der maritimen Architektur im Art-Deco-Stil in der Zwischenkriegszeit steht. Zusammen mit dem „Cazino Mamaia“ symbolisiert es die europäische Moderne an der rumänischen Schwarzmeerküste. Bereits seit einigen Jahren gibt es Pläne, das Gebäude zu restaurieren und zu einem Hotel umzufunktionieren.

 

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