Ein Hochschuljahr im Zeichen der Corona-Pandemie

Eröffnung des Studienjahres an der Kronstädter Transilvania-Universität

Ein Großteil der Transilvania-Universität befindet sich auf dem Mühlberg („Colina“). Foto: UniTBv/Wikimedia Commons

Das neue Hochschuljahr verläuft auch in Kronstadt anders, als es sich die meisten Studierenden vorgestellt hatten: Anpassungsfähigkeit ist gefragt, denn die gesundheitlichen Schutzmaßnahmen betreffen viele Bereiche des Studentenlebens: Vom Besuch der Vorlesungen bis zum Alltag im Heim.

Neu eingeschrieben sind in diesem Unterrichtsjahr an den 18 Fakultäten der Transilvania-Hochschule 7716 Studierende, einschließlich jener, die ihr Masterstudium beginnen oder die Ausbildung im Doktorat fortsetzen. Das bedeutet einen Rekord für das letzte Jahrzehnt. Unter den knapp über 19.500 Studierenden sind die Kronstädter gut vertreten: In diesem Jahr sind es unter anderen 40 Absolventinnen und Absolventen des Șaguna-Kollegs, 74 des Meșotă-Kollegs und 85 des Moisil-Kollegs für Informatik. Eine Rolle dabei gespielt hat wohl auch die Sondersituation, hervorgerufen durch die Ungewissheit, die mit dem Ablauf der Corona-Pandemie in Zusammenhang steht. Aber der Trend der Lyzeumsabsolventen aus dem Kreis Kronstadt, sich für ihr Hochschulstudium für die Transilvania-Uni zu entscheiden, besteht schon seit einigen Jahren. Dass fast 60 Prozent von ihnen „zu Hause“, also in Kronstadt, weiter studieren, kann unter anderem auch mit dem guten Ruf dieser Hochschule in Verbindung gebracht werden, hieß es bei der Eröffnungsveranstaltung, die am 1. Oktober in der Festaula der Hochschule abgehalten wurde. Sie musste in diesem Jahr in einem viel kleineren Rahmen stattfinden, da Menschenansammlungen wegen dem hohen Infektionsrisiko vermieden werden sollen.

Deshalb erfolgen auch sämtliche Vorlesungen an der Uni vorläufig nur im Online-Modus. Darauf hatte sich die Leitung der Uni bereits im Frühjahr einstellen müssen. Laut Prorektor Univ. Prof. Dr. Daniel Munteanu, der auch für die Belange der Studierenden zuständig ist, verfügt die Uni über eine eigene IT-Plattform und ein System für Videokonferenzen für den Online-Unterricht. Beschaffen wurden auch 800 Computer und 300 Laptops. Die meisten Studierenden seien aber darauf nicht angewiesen, sagt Rektor Ioan Viorel Abrudan, denn im Frühjahr verfügten lediglich fünf Prozent der Studenten über keine Möglichkeit zum Internetzugang und zur Teilnahme an der damit verbundenen Unterrichtsform.

Die ersten drei Unterrichtstage sollten für die Neulinge an der Uni zunächst dem Bekanntmachen mit den Gegebenheiten dienen, was Räumlichkeiten und Infrastruktur betrifft, aber auch was die zu beachtenden Gesundheitsmaßnahmen angeht. Leider muss die Mensa im Memorandului-Campus gesperrt bleiben; die Studierenden holen von da ihr Essen ab und verzehren es in ihren Heimzimmern. Dort gelten neue Regeln: In den Zimmern mit vier Betten muss eines unbesetzt bleiben. Das heißt, dass von den 4233 Heimplätzen nur 3240 zu Verfügung stehen. Vorrang bei ihrer Belegung haben die Studierenden des ersten Jahrgangs sowie diejenigen aus dem Ausland. Von letzteren soll es, nach Angaben auf der Webseite der Uni, 328 geben (127 im ersten Jahr), 39 erhalten ein Stipendium seitens der Kronstädter Uni. Neu in vielen Heimen ist auch die Einrichtung von zusätzlichen Küchenzellen für jene Studentinnen und Studenten, die selber kochen. Weniger erfreulich ist, dass auch die Heimkosten für die Studierenden leicht gestiegen sind: Um 14 Prozent für jene, die gebührenfrei studieren, und um 8,75 Prozent für jene, die gebührenpflichtige Plätze belegen.

Die Studierenden werden sich beim Studium untereinander und mit ihren Lehrkräften vorläufig nur beim Praktikum oder bei Laborarbeiten treffen. Denn das sind Aktivitäten, die selbst modernste Technik nicht in den virtuellen Raum versetzen kann; die eigene Erfahrung setzt die physische Präsenz voraus. Dabei soll es einen Vier-Stunden-Blockunterricht geben, gefolgt von zwei Stunden Pause für Desinfektion und Lüftung, bis die nächste Gruppe sich meldet.

Eine von ihren Vorgängern entwickelte App (student@unitbv), jetzt von der Studierendenvereinigung Transilvania Star Group verwaltet und aktualisiert, soll den Studierenden in vielen Bereichen entgegenkommen: Damit erfahren sie ihren Stundenplan, die Planung der Vorlesungen, Prüfungen, praktische Arbeiten, ja sogar das aktuelle Mensa-Menü. Über die gemeinsam von Kronstädter Studierenden der Fakultäten für Computerwissenschaften, Elektro-Ingenieurwissenschaft und Soziologie und Kommunikation entworfene App – eine Premiere an rumänischen Hochschulen – können auch die Studien- und Heimkosten beglichen werden.

Vieles wird dieses Jahr an der Kronstädter Uni anders sein. Oberstes Gebot bleibt die Gesundheit. Die Studierenden haben sich ihre ersten Hochschulwochen sicherlich anders vorgestellt.

Hoffentlich wird diese Ausnahmesituation nicht zum andauernden Uni-Alltag; hoffentlich wird die personalisierte Gesichtsmaske, die alle Kronstädter Studierenden als Überraschungsgeschenk erhalten, nur eine Erinnerung an ungewöhnliche, aber gut gemeisterte Coronavirus-Herausforderungen bleiben.

 

cffviseu

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