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Ein Waldkindergarten in Dumbrăvița

Bei „Bergman“ lernen die Kinder die Natur lieben

Die kleinen Menschen begeben sich jeden Tag auf Entdeckungsreise. Der Temeswarer Jagdwald empfängt sie mit offenen Armen. Fotos: Bergman Temeswar

Futter für die Waldtiere: So lernen Kinder, empathisch zu sein und anderen Lebewesen zu helfen.

Spielend lernen: Die frische Luft tut den Kindern gut.

Wälder verbessern die Luftqualität und wirken sich ausgleichend auf das Klima aus. Deswegen sind sie für den Planeten so wichtig. Foto: Raul Adrian Photography

Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung. Danach richten sich vor allem jene Kindergärten, die viel Wert darauf legen, dass die Kinder so viel Zeit wie möglich an der frischen Luft verbringen. In der Nähe von Temeswar/Timișoara gibt es seit vergangenem Herbst einen privaten Waldkindergarten, der diesem Anspruch auf eine ganz besondere Art gerecht wird. Hier gehen die Kinder mehrmals  in der Woche in den Wald und halten sich dort mehrere Stunden auf. „Bergman“ nennt sich der Naturkindergarten am Jagdwald in Dumbrăvița, wo die Kleinen lernen, wie wichtig Wald und Natur für die Menschen sind.

Die Idee, einen Waldkindergarten zu eröffnen, hatte die junge Mutter Olga Gliția recht spontan, nachdem sie sich für ihre eigene Tochter nach einem Kindergarten umschaute. Zwar war ihr Mädchen noch viel zu klein, um schon die Kita zu besuchen, doch Olga wollte rechtzeitig damit anfangen, nach ihrem Traum-Kindergarten zu suchen  und diesen auch zu finden. So stieß sie auf den Namen „Bergman“ und las im Internet mehr über das Konzept. Die ehemalige Angestellte eines Großunternehmens in Temeswar hatte spontan die Idee, ein Franchise-Unternehmen, einen privaten „Bergman“-Kindergarten also, in Temeswar zu eröffnen. Das Konzept wurde erstmals vor fast zehn Jahren in Arad umgesetzt, es folgte ein ähnlicher Kindergarten vor knapp vier Jahren in Bukarest. Im Oktober 2019 öffnete auch der private „Bergman“-Kindergarten in Temeswar seine Tore.

„Als Kind bin ich mit meinen Eltern sehr oft in den Wald gegangen. Ich finde, dass es sehr wichtig ist, von klein auf eine Verbindung mit der Natur aufzubauen, um die Empathie für unseren Planeten zu lernen“, sagt Olga Gliția, die den privaten Kindergarten zusammen mit ihrem Mann Vlad betreibt. Im Mai 2019 wurde das passende Haus neben dem Jagdwald in Dumbrăvița, rund fünf Kilometer von der Temeswarer Innenstadt entfernt, gefunden und angemietet. Die ganze Familie legte bei der Inneneinrichtung Hand an. Viel Holz, Stoff und Stein, so viele Naturmaterialien wie möglich, wurden bei der Einrichtung verwendet. Ein sensorischer Tisch und ein Raum für Schattentheater sind nur zwei der besonderen Elemente, die den „Bergman“-Kindern zur Verfügung stehen. In dem großen Garten, der das Haus umgibt, dürfen die Kleinen jeden Tag herumtoben. Hier können sie auf einen Berg klettern, ihr Gleichgewicht beim Springen von Baumstumpf zu Baumstumpf trainieren, im Holz-Zelt spielen, ja sogar bei Regen einer Märchenstunde beiwohnen, oder die hier angebrachten Rutschen hinabgleiten.

Ein paarmal pro Woche, nach dem Frühstück, ist es an der Zeit, in den Wald zu gehen. Nachdem die Kinder ihre Stiefel und Jacken angezogen haben, ziehen sie los. Dafür gibt es immer ein besonderes Ritual. „Am Waldeingang wird der Wald gefragt, ob er die Kinder hereinlässt oder nicht. Er tut das immer und schickt einen Schlüssel, mit dem die Kinder das imaginäre Wald-Tor aufsperren“, erzählt Olga Gliția. Ein Biologe begleitet die Kinder jede Woche bei ihrer Erkundungsreise durch den Jagdwald. Anhand von Naturelementen lernen die Kleinen vieles dazu. Unlängst hängten sie, zum Beispiel, Schalen mit Samen an die Bäume, als Futter für die Waldvögel. „Die Kinder lernen in einem natürlichen Rahmen, ohne Druck. Sie werden neugierig, aktiv, engagiert“, erklärt die Kindergartenleiterin. Die Kinder gehen im Hausinneren verschiedenen Tätigkeiten im Bezug auf Kunst, Literatur oder Wissenschaft sowie verschiedenen sensoriellen Aktivitäten nach. Es wird gebastelt, ausgeschnitten, geklebt, modelliert. Bei „Bergman“ wird mit den Kindern auch viel Englisch gesprochen. Das besondere Konzept von „Bergman“ geht mit schmutziger Kleidung einher, die praktisch jeden Tag gewaschen werden muss. Das muss den „Bergman“-Eltern von Beginn an klar sein. Es lohnt sich trotzdem, sein Kind in einen Waldkindergarten zu schicken, denn: Draußen, im Wald, lebt es sich gesünder, die Kinder bewegen sich viel, sie werden kreativ und entwickeln immer wieder neue Spielideen im Freien. Kein Tag gleicht bei „Bergman“ dem anderen.

Der private Kindergarten am Jagdwald empfängt Kinder ab einem Jahr und zehn Monaten. Pro Monat zahlen die Eltern 2200 Lei für das Langzeitprogramm, bei dem die Kleinen auch ihren Mittagsschlaf im Kindergarten abhalten. Das Mittagessen wird den Kindern als Catering geliefert. Aktuell gibt es vier Gruppen bei „Bergman“ in Temeswar: die Kita-Gruppe bis zu drei Jahren, sowie die Gruppen für drei bis vier, vier bis fünf und fünf bis sechs Jahren. Den Kindergarten am Jagdwald besuchen aktuell zwölf Kinder.



Die Waldsituation weltweit – Rumäniens Urwälder brauchen besseren Schutz

Schon im August letzten Jahres gingen erschütternde Bilder um die Welt. Der Regenwald in Brasilien brannte, Bauern hatten angeblich das Feuer gelegt, um Weideland für ihr Vieh zu schaffen. Um die Jahreswende 2019/2020 herum blickte die Welt erneut zu, wie es in Australien brannte. Immense Feuer, wie es sie sogar Australien, das an extreme Wettererscheinungen gewohnt ist, bisher noch nie erlebt hatte, breiteten sich auf dem Kontinent aus. Erstmals kam in Australien das Thema des Klimawandels auf – bis dato galt es lediglich als Erfindung von Umweltschützern und Naturfreaks. Die Tatsache, dass die Brandsaison in Australien so früh begann und so lange anhielt, besorgte Klimaforscher, die ein Warnsignal setzten: Schuld daran sei vor allem der menschengemachte Klimawandel – dem gilt es jetzt so schnell wie möglich entgegenzuwirken.

„Unser Zuhause brennt“, hieß es in den Medien so oft wie noch nie zuvor. Eine Aussage, die zum Nachdenken anregen soll. Denn: Die Wälder, auch als „grüne Lungen“ des Planeten bezeichnet, sind der wichtigste Speicher von Kohlendioxid und Lieferanten von Sauerstoff. Wenn vor 20 Jahren die Wälder noch ein Drittel der Gesamtoberfläche der Erde ausmachten, so ist diese Fläche auf ein Viertel geschrumpft. Knapp 3,9 Milliarden Hektar Wald bedecken aktuell die Erde – darin leben rund zwei Drittel der 1,8  Millionen Tier- und Pflanzenarten dieser Welt.

Ungefähr 652.000 Hektar der Gesamtfläche Rumäniens sind zurzeit von Wäldern bedeckt, das sind knapp über 27 Prozent. In Deutschland machen Wälder etwa 31 Prozent der Gesamtfläche aus. Rumänien fügt sich dem weltweiten Trend, der die Wälder erschreckend schnell verschwinden lässt. Legale und illegale Abholzungen sind der Grund, weshalb die Wälder in Rumänien immer weniger werden. Dabei befinden sich zwei Drittel aller Urwälder Europas auf rumänischem Gebiet.

Informationen der Umweltschutzorganisation „Agent Green“ zufolge sind nur zehn Prozent dieser Wälder Teil des UNESCO-Naturerbes und somit geschützt. Alle anderen stehen – obwohl noch nicht im landesweiten Katalog der Urwälder eingetragen – zwar unter einem gewissen Schutz, jedoch sind die Maßnahmen der Regierung, um illegale Abholzungen zu verhindern, eher bescheiden, finden rumänische Umweltaktivisten. Um Rumäniens Urwälder zu retten, erstellte „Agent Green“ eine Petition, die im Internet unter agentgreen.ro unterzeichnet werden kann.

 

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