„Eine besondere Ausstellung an einem besonderen Ort“

Brukenthalmuseum zeigt bis Ende Juni Porträts der Königsfamilie

Zwei Kunstfreunde, denen die Aufhebung der Corona-Beschränkungen wie gerufen kommt. Links vier Porträts von Königin Maria aus der Hand von Radu Marți. Foto: Klaus Philippi

Hermannstadt – Ein rekordverdächtig großes Aufgebot Ehrengäste gab sich Mittwoch, am 12. Mai, bei Kaiserwetter im Hof des Brukenthal-Palais und -Museums am Großen Ring/Pia]a Mare in Hermannstadt/Sibiu ein Stelldichein zur Präsentation der Ausstellung „Regina Maria {i membrii Casei Regale a României“ von Sammler und Zeichner Radu Marți, Alumnus des lokalen Kunstgymnasiums und hauptberuflich Geschäftsführer der Filiale Rumänien des österreichischen und in über 120 Ländern weltweit vertretenen Tierfutter-Herstellers BIOMIN GmbH. „Künstler zu sein ist weit anspruchsvoller als Sammeln“, räumte Radu Marți demutsvoll ein. Aber seine zahlreichen schwarzweißen und bunten Porträts im Hochformat von Königin Maria und all den Mitgliedern des Rumänischen Königshauses aus dem Zweig der Hohenzollern von Sigmaringen sind nicht eben von bescheidener Qualität. Ein Jahr nach dem hundertsten Jubiläum der Gründung des modernen Staates Rumänien zu Ende des Ersten Weltkrieges holte Radu Marți seine antiquarische Postkarten- und Fotosammlung hervor und fing an zu zeichnen. Er tat es mit Bleistift und Wachsfarben. Die dabei entstandenen Bilder und der ein oder andere Zeitungsausschnitt aus großer Epoche hängen bis zum 27. Juni im kartographischen Kabinett aus.
„Königin Maria war und bleibt auch weiterhin die Königin unserer Herzen“ (rumänisch: ´regina sufletelor noastre´), wie Dr. Cristian Troncotă, Professor an der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt (ULBS) und Ex-General des Rumänischen Informationsdienstes (SRI) vor und nach 1989, ehrfurchtsvoll artikulierte: „Ihren einzigen großen Staatsmann verzeichnet die moderne Geschichte Rumäniens in Königin Maria. Selbst Außenminister Ion Brătianu bestand fest da-rauf, nicht ohne die persönliche Begleitung durch Königin Maria an den Friedensverhandlungen in Versailles teilnehmen zu können, da er ganz genau wusste, sich in Frankreich ohne ihre Stimme kein Gehör zugunsten Rumäniens verschaffen zu können.“ In der Tat wog ihr Wort sehr viel, und das sowohl außen- wie innenpolitisch. Ihr Testament, das sie 1933 in der damals rumänischen Hafenstadt Baltschik aufsetzte, zeugt von jenem Urvertrauen zwischen Königin und Staatsvolk.

Doch Rumäniens monarchistische Nostalgie wird bisweilen von ihren Überbringern auch über Gebühr überfrachtet. Denn einer wörtlichen Überlieferung zufolge soll Emil Bodn˛ra{ als einer der ersten hohen Parteifunktionäre, die dem kommunistischen Regime den Weg freiräumten, Prinzessin und Königstochter Ileana von Hohenzollern forsch gesagt haben, dass „das Königshaus aus der Geschichte weichen muss, weil Königin Maria eine Nationalistin war“, wie Dr. Corvin Lupu, ebenfalls Professor an der ULBS, im Hof des Brukenthal-Palais zur mittäglichen Vernissage erzählte – um gleich anschließend auf „den wahren und den souveränen Nationalismus Rumäniens, den Königin Maria verkörpert hat“ zu sprechen zu kommen. Eine historisch wie politisch pikante Begriffsvermengung, von der weder Kunstkritiker Mihai Plămădeală noch Kritikerin Ana Amelia Dincă, beide aus Bukarest, Gebrauch machten.

Betreffend die fünf Porträts von König Mihai I. aus der Hand von Radu Mar]i, die nebeneinander im kartographischen Kabinett des Brukenthalmuseums zur Betrachtung aushängen und den 2017 verstorbenen Monarchen in fünf Altersstufen vom naiven Kind bis zum gebeugten Mann am Lebensabend im Exil zeigen, stellte Ana Amelia Dincă fest, dass „man sich keine Falten in seinem Antlitz gewünscht hätte, sie aber für den künstlerischen Zweck von Radu Marți von Vorteil waren“. Nachdenklich stimmt am Ende vielleicht noch das Detail, dass König Mihai I. von Rumänien anders als seine kommunistischen Nachfolger Feinden auch und sogar dann, wenn sie aus den eigenen Reihen auf ihn zutraten, mit Respekt begegnete. König Mihai I. hatte schließlich nur die Verhaftung, nicht aber auch die standrechtliche Hinrichtung von Armeeführer Mihai Antonescu angeordnet. Auf der letzten von 128 Seiten des hart gebundenen Ausstellungs-Katalogs „Regina Maria. Un model de viață. Mereu prezent˛ in inimile noastre“ (Editura Performantica, Jassy/Iași) ist das Konterfei von General Mihai Antonescu abgedruckt. Künstler Radu Marți hat den rumänischen Hitler-Verbündeten ebenso kalt wie das Hakenkreuz auf dem Schulterteil dessen Uniformrocks gezeichnet.

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