Europäische Kulturroute der Deutschen Ritter als Vorschlag

Eine Station wäre die Marienburg im Burzenland

Die Marienburg in Polen – die größte mittelalterliche Burg Europas. Foto: Wikipedia

Die wiederaufgebaute Burzenländer Marienburg Foto: www.burgenwelt.org

Online zum Verkauf angebotene Figur eines Deutschen Ritters

Faszination Mittelalter: Ritter, Hofdamen, Prinzen und Prinzessinnen, aber auch Gaukler, Hexen und Zauberer sind seit einigen Jahren immer wieder auf Ritterspielen, mittelalterlichen Festivals oder Burgturnieren aufgetaucht. Da muss auch die Kulisse passen: Burgen, Schlösser, Marktplätze in alten historischen Stadtzentren eignen sich dafür besonders gut. Und auch ein interessiertes Publikum lässt sich finden. Tanz in historischer Kleidung wird geboten, alte Musik erklingt, Ritter treten in Schauduellen an. Das Mittelalter in seiner idyllischen Variante lebt wieder auf.

Es gibt Vereine, die mittelalterliche Rittertraditionen aufgreifen und die nicht wenig Geld in die Nachbildung alter Waffen samt Rüstung investieren. Im Internet können Figuren bestellt werden, die möglichst detailgetreu die Ritter von einst darstellen. Ein Beispiel - ein Deutscher Ritter erscheint in folgender Montur: gepolstertes braunes Untergewand, schwarze Hose, Stiefel aus Leder mit echten Schnürsenkeln, weißer Umhang mit Pelzkragen und goldfarbiger Schließe, Obergewand mit Kreuz des Deutschen Ritter-Ordens, Kettenhemd, Kettenkopfhaube, gehörnter Helm mit klappbarem Visier, Unterarm-Panzerungen, großes zweihändiges Schwert mit Scheide, Dolch mit Scheide, Gürtel, Schild, Morgenstern.

Auch Rumänien kennt so ein Mittelalter-Revival. Vor allem in Siebenbürgen, wo viele Burgen stehen, sind mittelalterliche Spiele gefragt und beliebt. Schäßburg/Sighișoara ist als angeblich einzige kontinuierlich bewohnte mittelalterliche Burg in Europa der Ort, wo ein gut besuchtes Mittelalter-Festival Jahr für Jahr zahlreiche Touristen, sogar aus dem Ausland, anzieht. Die Törzburg/Schloss Bran, ursprünglich eine mittelalterliche Festung, ist zwar weltweit eher als Dracula-Schloss bekannt. Doch das Vorbild für Bram Stokers Romanhelden, der Vampir als Fürst der Finsternis, stammt immerhin ebenfalls aus dem Mittelalter - Vlad der Pfähler (Vlad  Țepeș). 

Die Restaurierung und anschließende gewinnbringende touristische Vermarktung der Bauernburg in Rosenau/Râșnov hat Schule gemacht. Es folgte der Wiederaufbau der  Burg von Reps/Rupea und ab 2013 der Wiederaufbau der Marienburg in der gleichnamigen, früher auch von Siebenbürger Sachsen bewohnten Ortschaft im Burzenland (rumänisch: Feldioara). Die originale Burg war zwischen 1211 und 1225 Hauptsitz des Deutschen Ordens im Burzenland, so dass sie auf einer eventuellen europäischen Kulturroute zum Thema Deutsche Ritter nicht fehlen dürfte.

Die Rückkehr der Deutschen Ritter nach Marienburg

Unter diesem Titel fanden in den letzten Jahren im September die „Tage von Marienburg“ statt, eine Gemeinde, die heute rund 6000 Einwohner zählt. Der Wiederaufbau der Marienburg fand zwischen 2012 und 2017 statt und wurde vom Kreisrat Kronstadt/Brașov mit rund 12 Millionen Lei finanziert. Bürgermeister Sorin Taus erhofft sich dadurch einen Aufschwung des Tourismus, aber auch des örtlichen Kulturlebens durch Veranstaltungen, die in der Burg und in dem dort  einzurichtendem Museum abgehalten werden.

2013 wurde die Marienburg von einer Delegation des Deutschen Ordens (heute mit Hauptsitz in Wien) unter Leitung des Hochmeisters, Abt Dr. Bruno Platter, besucht. Initiator dieser Verbindung zwischen dem heutigen Deutschen Orden und Marienburg als Sitz des Ordens Anfang des 13. Jahrhunderts im Burzenland war der Kronstädter Stadtrat seitens des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), Christian Macedonschi. Von ihm stammt auch der Vorschlag, eine europäische Kulturroute der Deutschen Ritter ins Leben zu rufen. Vorgestellt wurde diese Idee auf der 9. jährlichen Kulturroutentagung (Advisary Forum) des Europarates, die in Hermannstadt zwischen dem 2. und 4. Oktober 2019 abgehalten wurde. Die Route würde die Hafenstadt Akkon in Israel mit 17 Staaten in Europa - Deutschland, Tschechien, Österreich, Slowakei, Frankreich, Slowenien, Spanien, Polen, Luxemburg, Estland, Belgien, Litauen, die Niederlande, Lettland, die Schweiz und Rumänien - verbinden, in denen im Laufe der Geschichte Häuser des Ordens („Kommende“) gegründet worden waren. Akkon ist bekanntlich die „Geburtsstätte“ des Ordens, da dort das Feldspital mit der Hospitalbruderschaft am 5. März 1198 zum geistlichen Ritterorden erhoben wurde.

In Bad Mergentheim (Deutschland) gibt es ein gut besuchtes Deutschorden-Museum, das im Dezember 800 Jahre feierte, seitdem die Ortschaft, anfangs als Kommende, zu einer wichtigen Niederlassung des Deutschen Ordens wurde. Acht Jahrhunderte seit dem Einzug der Deutschen Ritter auf den Ruf des ungarischen Königs Andreas II. wurden bekanntlich 2011 auch im Burzenland festlich begangen. In der hiesigen Marienburg soll ein Museum auf diese entscheidende historische Etappe (1211–1225), auch wenn sie sehr kurz war, hinweisen. 

Ein weiteres, insbesondere für Siebenbürger Sachsen nennenswertes Bindeglied zwischen den Deutschen Rittern, Siebenbürgen und Deutschland ist Schloss Horneck, eine Burg des Deutschen Ordens in Gundelsheim am Neckar. Schloss Horneck wird heute vom Förderverein „ Siebenbürgisches Kulturzentrum Schloss Horneck e.V.“ zum Siebenbürgischen Kultur- und Begegnungszentrum ausgebaut und beherbergt das Siebenbürgische Institut und das Siebenbürgische Museum  - die zentralen Kultureinrichtungen der in Deutschland lebenden Siebenbürger Sachsen. Diese „Sachsenburg“ wäre mit Sicherheit einer der Höhepunkte entlang der neuen europäischen Kulturroute.

Malbork/Marienburg als größte Burg Europas

1270 beginnt die Geschichte der Marienburg an der Nogat, ein Arm der Weichsel. Von manchen wird „unsere“ Marienburg als ältere Schwester der Marienburg in Polen angesehen - ein gewichtiges Argument, um in Marienburg/Feldioara auf eine Städtepartnerschaft mit Malbork (rund 40.000 Einwohner) zu hoffen. Die polnische Marienburg ist heute die größte mittelalterliche Burganlage Europas, eine der bekanntesten touristischen Sehenswürdigkeiten in Polen und seit 1997 Teil des Unesco-Welterbes, hauptsächlich dank seines „einzigartigen architektonischen Wertes im Ensemble“. Der Bau der Marienburg dauerte Jahrzehnte. Sie besteht aus der Vorburg, dem Mittelschloss und dem Hochschloss, mit überdachten Holzbrücken verbunden. In der Vorburg, wo einst die Ställe, Speicher und Werkstätten eingerichtet waren, steht heute ein Schlosshotel. Im Mittelschloss befindet sich auch eine kostbare Bernsteinsammlung sowie Ausstellungen mit Porzellan, Stilmöbeln und Waffen. In einem der großen Räume, die als Speise- und Versammlungssaal dienten (Remter), gibt es ein großes Fächergewölbe, das von einem einzigen Pfeiler getragen wird – eine bauliche Meisterleistung des Mittelalters. Im viereckigen Hof des Hochschlosses fallen die typischen, hier zweigeschossigen Kreuzgänge auf – Orte für Meditation, aber auch Gespräche. Denn die Marienburg diente nicht nur dem mittelalterlichen Repräsentationsbedürfnis, sondern sollte auch einer Ordensgemeinschaft entsprechen, deren Mitglieder versuchten, sowohl als Mönche als auch als Ritter zu wirken – also geistliche Ritter zu sein. Die Marienkirche im Hochschloss, wie auch ausgedehnte Teile des gesamten Burgkomplexes, erlitt wenige Wochen vor Ende des Zweiten Weltkrieges große Zerstörungen beim Angriff durch die Rote Armee, so dass aufwendige Restaurierungsarbeiten durch den polnischen Staat notwendig waren.

 

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