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„Für mich ist die Schule mehr als nur ein Arbeitsplatz“

ADZ-Gespräch mit Laura Wittstock, neue stellvertretende Schulleiterin der Gymnasialschule Nr. 12 in Kronstadt

Laura Wittstock mit ihrer Grundschulklasse

Laura Wittstock Fotos: Privat

Laura Wittstock (43) ist seit dem Herbst neue stellvertretende Leiterin der Gymnasialschule Nr. 12 in Kronstadt/Brașov, eine der beiden Lehranstalten in der Stadt, wo Deutsch als Muttersprache unterrichtet wird – die Schule hat auch eine rumänische Abteilung. 27 Lehrer unterrichten in der Schulgasse 636 Schüler von der Vorschulklasse bis zur 8. Klasse auf Deutsch. Die im Bereich Psychologie und Bildungswissenschaften ausgebildete Lehrkraft, die selbst hier zur Schule ging, ist seit 25 Jahren als Grundschullehrerin in dieser Lehranstalt tätig, wo sie sehr aktiv ist. In diesem Interview erzählt sie ADZ-Redakteurin Laura Căpățână Juller über die Aufgaben, welche die neue Funktion mit sich bringt, über die Schule, die durchgeführten Projekte, die erzielten Leistungen sowie über Zukunftspläne.

Bitte stellen Sie die 12er Schule kurz vor. 

Die 12er Schule hat zwei Gebäude, das A-Gebäude in der Mittelgasse/Str. De Mijloc, das vor einigen Jahren renoviert wurde und in dem die rumänische Abteilung untergebracht ist. Und ganz in der Nähe, in der Schulgasse/Str. Școlii, das B-Gebäude, wo die deutsche Abteilung ist. Das Gebäude in der Mittelgasse ist viel älter und war, meines Wissens nach, eine Jungenschule.
Als ich hier zur Schule ging, waren noch wesentlich mehr rumänische Klassen als deutsche, ebenso auch 1994, als ich meine Stelle als Grundschullehrerin hier übernommen habe, damals waren vier Klassen bei der rumänischen Abteilung und eine deutsche. Inzwischen gibt es jeweils drei Vorschulklassen bei der deutschen Abteilung und eine oder zwei bei der rumänischen. Allein die nächsten dritten und achten Klassen der deutschen Abteilung werden nur je zwei Klassen haben, alle anderen sind jeweils drei. Im Grundschulbereich sind alle Lehrkräfte der 14 Klassen qualifiziert und unbefristet angestellt. Die Grundschule ist somit gesichert. Auch vom Sprachniveau funktioniert alles sehr gut.

Weil wir inzwischen so viele Klassen haben – in den Vorschul- und Grundschulklassen haben wir bis zu 34 Kindern pro Klasse – und zu wenig Räume, müssen drei deutsche und fünf rumänische Klassen am Nachmittag in die Schule kommen. Seit einem Jahr oder zwei gibt es ein fertiges Projekt zur Erweiterung des Gebäudes in der Schulgasse, doch wurde dieses bislang nicht durchgeführt,  doch weiß man nicht genau, wann es geschehen wird – das muss durch das Bürgermeisteramt laufen. Durch die Realisierung dieses Projekts könnten noch 12 Klassenräume entstehen, dann wäre das Problem mit dem Nachmittagsprogramm gelöst. 

Wie kam es zu diesem Wandel?

Diese ganze Umstellung ist Frau Wusinczky zu verdanken, welche die Leitung der Schule 2012 übernommen hat. Sie hat, muss ich zugeben, wirklich vieles aufgebaut und die Schule ist gewachsen. Sie ist offen für die deutsche Abteilung. Sie hat die beiden Abteilungen getrennt, sodass die rumänische Abteilung im A-Gebäude auf der Mittelgasse, wir ins B-Gebäude umgezogen sind. Die deutsche Abteilung zählt mehr Schüler, sodass sie in das größere Gebäude, mit mehr Räumen gezogen ist, das B-Gebäude.

Ist die Vergrößerung der deutschen Abteilung geplant?

Wir wollen nicht mehr als drei Klassen pro Jahrgang haben, denn man braucht außer Klassenräumen auch ausgebildete Lehrer, die des Deutschen mächtig sind. Im Gymnasium gibt es Lehrkräftemangel, in Biologie, Bürgerkunde, Zeichnen und teilweise Sport wird auf Rumänisch unterrichtet, aber die Hauptfächer sind gedeckt. In Physik ist meine pensionierte Mutter, die hier Chemie und Physik unterrichtet hat, für dieses Jahr eingesprungen, allerdings nur für die sechsten Klassen.

Hat es immer schon einen stellvertretenden Direktor seitens der deutschen Abteilung gegeben? 

Da es mittlerweile mehr Klassen bei der deutschen als bei der rumänischen Abteilung gibt, ist es verpflichtend, einen deutschsprachigen Lehrer in der Leitung der Schule zu haben.

Sie sind zwar nur seit wenigen Monaten im Amt, sind aber schon sehr aktiv. Was haben Sie bislang als stellvertretende Leiterin erreicht? 

Ich habe durch Herrn Thomas Șindilariu (Anm. d. Red. Vorsitzender des Ortsforums Kronstadt) eine Verbindung zu Deutschland hergestellt. Wir werden ab dem 1. März eine erste Praktikantin haben, die zwei Monate bei uns zu Gast sein wird. Sie wird sowohl bei mir, wie auch bei anderen Kolleginnen hospitieren und unterrichten. Sie ist 30 Jahre alt und hat gerade das Referendariat abgeschlossen.
Die Idee ist, sie soll von uns auch lernen und wir sollen uns auch austauschen. Die Partnerschaft für dieses Praktikum wird durch das Goethe-Institut München ermöglicht. Wir wollen diese Partnerschaft weiter ausbauen. Es ist das erste, was ich selbst erreicht habe, und durch Herrn [indilariu, der es ermöglicht hat.

Und was ich auch sehr gut finde, seit ich da bin, ist, dass die Schule eine viel bessere Verbindung zum Demokratischen Forum der Deutschen wie auch zu Deutschland hat.
Außerdem haben wir in diesem Schuljahr ein Erasmus+ Projekt aktiviert, multilateral mit der Türkei und Mazedonien. Das hatten wir bisher nicht. Im Moment ist es nur im Projektstadium, aber mithilfe der Kollegen werden wir das erfolgreich durchführen. Ich habe gesehen, dass die Kollegen positiv auf die verschiedenen Aufträge, die man ihnen erteilt, antworten. Wir arbeiten sehr gut als Team zusammen. Ich versuche, offen zu sein, alles richtig weiter zu leiten und es kommt zu 90 Prozent positiv an.

Welches sind Ihre Zukunftspläne für die Schule?

Weil es mir bislang gelungen ist, versuche ich auch andere Wege zu deutschsprachigen Ländern aufzubauen.
Ich will auch im Bereich Theaterpädagogik etwas aktivieren, und zwar durch das Zentrum für Lehrerfortbildung (ZfL) aus Mediasch/Medias mit Hilfe von Frau Dr. Mirona Stănescu, Leiterin des Departements für Pädagogik und Didaktik in deutscher Sprache der Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften der Babeș-Bolyai-Universität in Klausenburg. Sie war meine Dozentin an der Uni und ist eine begabte Theaterpädagogin. Ich habe für meine Persönlichkeit viel durch das Theater erreicht: Offenheit, Flexibilität, mir hat es sehr geholfen und darum will ich, dass auch meine Kolleginnen sowie die Praktikantin Methoden lernen, mithilfe des Theaters mit den Schülern zu arbeiten.

Ein weiteres Projekt, das schon im Februar stattfindet, sieht vor, dass wir die verrenteten Lehrer zu Besuch in die Schule einladen.
Für den Frühling planen wir das Einrichten eines kleinen Gartens im Schulhof des B-Gebäudes, wo Blumen und Bäume gepflanzt werden und wo wir Unterricht halten können. Darauf freue ich mich! Ich denke immer weiter voraus. Ich müsste in der Gegenwart leben, aber ich bin immer einen Schritt voraus. Ich weiß heute schon, was ich morgen machen werde. Wenn ich nahe am Ziel bin, habe ich schon etwas anderes vor, sei es Vertiefung oder einen anderen Plan.
Für mich ist die 12er Schule nicht einfach nur ein Arbeitsplatz. Sie bedeutet mir viel mehr, vielleicht auch, weil ich da Schülerin war.

Sie sind auch als Grundschullehrerin sehr aktiv.

Ich unterrichte 20 Stunden pro Woche, habe zurzeit eine erste Klasse, mit der ich, wie mit den vergangenen Generationen, viel durchführe. Im Rahmen des vor 11 Jahren initiierten Projekts, das wir in Zusammenarbeit mit dem Verband der Zahnärzte durchführen, „Din]i{ori de nota 10“, lernen die Schüler korrektes Zähneputzen. Ab der dritten, vierten Klasse bilden wir dann Botschafter aus der Reihe der Schüler aus, die Zahnärzten helfen, Kindern aus anderen Klassen oder Schulen die richtige Technik beizubringen. Wir haben schon zwei Generationen Schüler, die zu Botschaftern ernannt wurden.
Gemeinsam mit einer der siebten Klassen leiten Frau Simona Mihai und ich das Projekt „Ich will mehr wissen“, durch das wir die Erstklässler mit einigen Naturerscheinungen bekannt machen. Die Schüler der 7. Klasse wirken ähnlich wie Mentoren. Auch gehen wir monatlich in die Bibliothek, wo wir unterschiedliche Aktivitäten verrichten. Wir hatten auch eine Ausstellung in einem Museum in Deutschland, wo Arbeiten der Kinder zum Thema Märchen der Brüder Grimm ausgestellt wurden. Wir singen immer wieder im Altenheim „Blumenau“. Die Senioren kennen mich, seit ich ein Kind bin, und laden uns immer wieder ein. Die Kinder haben mit Freude Kärtchen für sie gebastelt und Wünsche geschrieben. Auch in der Zukunft wollen wir diese Projekte weiterführen und ausbauen, sogar für mehrere Klassen.
Zudem kommen die neuen Aufgaben auf mich zu. Es war ein sehr hartes Semester für mich. Was ich aber für gut empfunden habe, ist, dass ich mit der Schulleiterin alle Sachen besprechen konnte, wenn ich etwas nicht gewusst habe. Die gute und offene Kommunikation und die gute Zusammenarbeit als Team hat mir sehr geholfen.

Gibt es Muttersprachler unter den Schülern der 12er Schule?

Es gibt noch, aber wenige. Es gibt auch sprachbegabte Kinder. Wir versuchen, den Eltern, deren Kinder im deutschen Unterricht nicht so gut mitkommen, zu sagen, dass es keinen Sinn macht, das Kind her zu schicken – manche verstehen das. Die meisten Schüler bleiben auch ab der fünften Klasse in der 12er Schule und wir versuchen, sie wenigstens vom Sprachniveau her gut auszubilden.

Welche Lyzeen besuchen die Absolventen der 8. Klasse?

Ab der neunten Klasse gehen sie dann ins Honterus-Nationalkolleg, zum Șaguna oder Meșotă-Nationalkolleg oder lernen Naturwissenschaften.

Wie ist die Beziehung der 12er- Schule zur Honterusschule?

Wir haben eine gute Beziehung zur Honterus-Schule, die Grundschullehrerinnen tauschen sich regelmäßig über Sprache und Unterrichtsmethoden aus, treffen sich bei den Kursen des ZfL, wir laden sie zu den Kursen, die hier stattfinden, ein. Im Februar wird Adriana Hermann vom ZfL bei uns in der Schule einen Kurs halten, zu dem Grundschullehrerinnen von der Honterusschule eingeladen sind. Seit diesem Schuljahr hält Matthias Roos bei uns in der Schule die Proben für die neu gegründete Blaskapelle, bei der unsere und Honterus-Schüler gemeinsam teilnehmen. In Zukunft könnten wir am Kindergarten- und Grundschultheatertag teilnehmen. 

Peter Maffay war Schüler an der 12er Schule, die nicht offiziell seinen Namen trägt. Gibt es Unterstützung seinerseits?

Im Sommer habe ich Peter Maffay empfangen, er hat die Schule besucht und mich seiner Unterstützung versichert: Wenn wir etwas brauchen, sollen wir ihn ansprechen 

Wie lange werden Sie im Amt bleiben?

Momentan wird es ein Jahr sein, da ich ernannt wurde und die Stelle nicht durch Wettbewerb besetzt habe. Die Ernennung muss jedes Jahr erneuert werden.

Welches sind Ihre Wünsche für Ihre Amtszeit?

Wir haben eine sehr gute Beziehung zu Pfarrerin Adriana Florea, sie war immer sehr offen und hat positiv auf meine Initiativen reagiert. Wir haben unterschiedliche Ereignisse auf dem Martinsberg veranstaltet. Ich wünsche mir, dass uns die Honterus-Gemeinde mit einbezieht in einige ihrer Aktivitäten. 
Für das kommende Jahr hat Al-brecht Klein, der seitens des Bürgermeisteramts im Verwaltungsrat der Schule ist, angeboten, ein Krippenspiel bei der Barholomäer Kirche zu veranstalten.

Warum sollten Eltern ihre Kinder an der 12er Schule einschreiben?

Ich würde das empfehlen, weil die 12er Schule, große, helle Räume und moderne Möbel anbietet, jeder Klassenraum mit Beamer und Laptop ausgestattet ist, es hier auch einen großen, sicheren Schulhof gibt und vor allem, weil wir im Bereich ausgebildete Lehrer, besonders im Grundschulbereich, sehr gut dastehen.

Vielen Dank für das Gespräch!
 

cffviseu

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