Heimattage, AMG-Jubiläum, Deutsche Kultur- und Wirtschaftstage

Bunte schwäbische Trachten und Blasmusik zogen trotz brütender Hitze viele Schaulustige ins Stadtzentrum.

Gottesdienst im AMG-Haus, zelebriert vom emeritierten Bischof Martin Roos

Begegnung der deutschen Gäste mit dem Abgeordneten Ovidiu Ganț

Peter Dietmar Leber übernimmt von Johann Fernbach die Auszeichnung des DFDB

Hoher Besuch an den Ständen von Made im Banat. Im Bild (v.l.n.r.) Geschichtslehrerin Simona Hochmuth, Mona Petzek, Leiterin des Deutschen Kulturzentrums Temeswar, Konsul Ralf Krautkrämer, Bernd Fabritius, Barbara Stamm, Sylvia Stierstorfer, Ovidiu Ganț und der DWC-Vorsitzende Peter Hochmuth. Fotos: Zoltán Pázmány

Etwa 800 aktiv Mitwirkende (mehr als 700 Trachtenträger und die Mitglieder von drei Musikkapellen) aus dem gesamten Banat, aber auch aus Deutschland, gab es am vergangenen Wochenende bei den Heimattagen der Banater Schwaben in Temeswar. Hohe Gäste aus dem In-und Ausland waren bei der 14. Begegnungs- und Brauchtumsveranstaltung dieser Art in der westrumänischen Großstadt dabei. Die 25-Jahrfeier des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses, die Heimstätte der Banater Deutschen für Jung und Alt, läutete das Ereignis am Freitag ein, am Samstag und Sonntag gingen die Heimattage über die Bühne und wurden mit einem zentralen Aspekt der Deutschen Kultur- und Wirtschaftsage, der Firmenmesse Made in Banat, abgerundet. Veranstalter der Heimattage waren das DFDB und das Banater Jungendforum. Das Fest des AMG-Haus organisierte die AMG-Stiftung. Für die das Wochenende übergreifend laufenden Deutschen Kultur- und Wirtschaftstage zeichnen der Deutschsprachige Wirtschaftsclub DWC, das Deutsche Konsulat in Temeswar, die Stadt Temeswar und der Fußballverein Ripensia als Organisatoren.

"Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“. Ganz einerlei, ob der Urheber dieses beliebten Zitates nun der deutsche Komponist Gustav Mahler oder der französische Politiker Jean Jaurès ist, das Zitat ist praktisch zu allen Themen des Deutschtums in Rumänien immer aktuell. Eine Variation des Spruchs, die mit „Schüren von  Glut und Asche“ ließe sich wohl ebenfalls treffend erwähnen. Der tiefere Gedanke kommt vor allem dann auf, wenn die Banater Schwaben ihre jährlichen Heimattage feiern, im Zwei-Jahres-Turnus in Temeswar in Temeswar bzw. in Ulm. Ohne dieses Schüren in Asche und/ oder Glut der Vergangenheit, wäre wohl ein Gedanke an ein loderndes Feuer der Zukunft nicht denkbar. Bei solchen Heimattreffen sind Nostalgie und Hoffnung eng beieinander, denn Gedanken, Gefühle und Worte wechseln in dieser Hinsicht auf Schritt und Tritt ab. Den Heimattagen von Samstag und Sonntag war die 25-Jahr-Feier des AMG-Hauses, die als Wirkungsstätte, Herberge und Symbol der Deutschen im Banat schon seit nunmehr 25 Jahren existiert, vorangegangen. „Fast so lange wie der deutsch-rumänische Freundschaftsvertrag“, hieß es an einer Stelle. Die Redner ließen den zentralen Charakter und die Bedeutung des Hauses erkennen, in Zeiten, in denen soziales und politisches Auf und Nieder extrem schnell einander abwechseln, in Zeiten in denen trotz einer grundsätzlich guten Minderheitenpolitik Rumäniens böse Verleumdungen gegen die deutsche Minderheit einen ganz dunklen Schatten über diese Politik werfen und diese positive politische Einstellung gar manchmal infrage stellt; in einer Zeit, in der der Strukturwandel die deutsche Minderheit vor ganz besondere Aufgaben stellt und das auch in einem Kontext, in dem die deutsche Minderheit im Banat und auch in Rumänien Menschen und Leistungen hervorgebracht hat, die vielerorts nicht nur Bewunderung sondern auch Neid aufkommen lassen.

Und dann waren sie da, die Deutschen aus  dem Banat, mit ihren bunten Trachten, mit ihrer Nostalgie alter Freundschaften, mit der Gewissheit, dass vieles unumkehrbar ist, und trotzdem mit vielen Perspektiven für die Zukunft. Gerade vor diesem Hintergrund ist die Festansprache von DFDB-Vize Michael Szellner unter dem Titel „Hurra, wir leben noch“! keineswegs ein Ausruf der Erleichterung aus der Resignation heraus sondern ein Weckruf für viele, die sich im Angesicht rückläufiger Zahlen der Banater Schwaben, mit pessimistischer Zunge, die oft mit Schadenfreude die Existenzfrage der Deutschen in diesem Landstrich aber auch in ganz Rumänien nur allzu gerne stellen. „Wir haben in unserer kollektiven Erinnerung so manche Gegensätze und krasse Widersprüche zu vermerken, unsere Familien mussten sich anpassen und daraus Neues schaffen. Weltbewegendes“, so unter anderen Michael Szellner.

In diesem einen Satzgefüge ist unendlich viel Geschichte der Banater Schwaben enthalten, die immer wieder von Neuem zu beginnen vermochten, die ihre kulturellen Werte zunächst aus den deutschen Landen nach Süd-Osteuropa brachten, um sie dann wider mitzunehmen in die alte-neue Heimat. Ihre Kultur hatte jedoch in 250 Jahren das Banat so sehr geprägt, dass die hier Verbliebenen sie nicht nur weiterführen, sondern dass sogar die Andersnationalen sie annehmen, weitertragen, ehren und pflegen. Gerade wohl deshalb ist das AMG-Haus „das Zentrum unserer deutschen Gemeinschaft“, wie der Direktor der AMG-Sozialeinrichtungen, Helmut Weinschrott, es treffend formulierte.

Der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen, Bernd Fabritius, nannte das Haus eine „echte Stätte der Begegnungen, mit einem Ruf, weit über das Banat hinaus“. Für den Vorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Peter Dietmar Leber, ist in dem Haus die Möglichkeit zu einem regen Verbandsleben gegeben. Leber erwähnte die junge Generation, die zum Teil noch als Kinder nach Deutschland übersiedelte, oder bereits in Deutschland geboren wurde, und „heute im schönsten Sein, der Kirchweihtracht, in die Heimat ihrer Eltern und Großeltern zurückgekehrt ist, um hier an den Heimattagen teilzunehmen“. Weinschrott selbst sieht die Tür, die den „Kulturflügel“ von der sozialen Komponente des Hauses trennt, als die „Tür zwischen Juchhe und Au-Weh“. Und damit dieses Au-Weh moderat und erträglich ist, sehen sich die Spitzen des Hilfswerks der Banater Schwaben als Unterstützer des AMG-Hauses besonders in der Pflicht und das nun schon seit 25 Jahren. „Der Mensch lebt nicht allein von Brot und Wasser“, sagt der Vorsitzende des Hilfswerks der Banater Schwaben, Nikolaus Rennon. Durch die massive Auswanderung habe das Risiko bestanden, dass die älteren Menschen ihren Halt und ihre Heimat verlieren, und zumindest zum Teil wolle man diese Verluste durch die Tätigkeit des Hilfswerks der Banater Schwaben ersetzen. Der Vorsitzende der AMG-Stiftung, Peter Krier, erkennt in der Art und Weise, wie eine Gesellschaft mit ihren Betagten umgeht, den Zivilisationstand eines Landes. Deutschlands Konsul in Temeswar, Ralf Krautkrämer, erinnerte seinerseits „an die wichtige Rolle der deutschen Minderheit in den freundschaftlichen Beziehungen beider Länder und das kulturelle Erbe, an Werte und Kulturtraditionen“.

Zurück zur Festakt in der Nationaloper - wo der Banater Deutsche, Christian Rudik als kommissarisch leitender Intendant des Hauses zum ersten Mal die Gäste begrüßen durfte. Die „kulturelle Identität bewahren“ sah der DFDB-Vorsitzende Johann Fernbach als Hauptaufgabe das Banater Schwaben. Symbolträchtig, einhundert Jahre seit dem Anschluss des Banats an Rumänien, hieß das Motto der Heimattage „Tradition und Moderne – die Banater Deutschen und ein Jahrhundert Rumänien“ und auch darauf ging Fernbach ein. Dann gab er die Moderation an die Journalistin Astrid Weisz, eine der bekannten Stimmen der deutschen Sendung von Radio Temeswar weiter.  

Seit Jahren ist die Bayrische Landtagspräsidentin a.D., Barbara Stamm, eine wahre Rumänienfreundin, geworden, ihre Kinder haben in Rumänien und auch im Banat Praktika absolviert und sie selbst ist seit nahezu drei Jahrzehnten in soziale Projekte in Rumänien engagiert. Das Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus als Kultur- aber auch als Pflegeeinrichtung, ihre guten Kontakte zu Rumänien und ein Lob für Staatspräsident Klaus Johannis, aber auch für den DFDR-Abgeordneten Ovidiu Ganț („er ist ein großartiger Europäer“) brachte Barbara Stamm zum Ausdruck. „Was in den Regionen an Kultur und Tradition vorhanden ist, muss behalten bleiben“, plädierte Stamm. Sie erwähnte, dass gerade in einer digitalisierten Welt Ehrenämter einen ganz besonderen Stellenwert haben. Nicht zuletzt würdigte sie die Leistung von Helmut und Anni Weinschrott, die zu den Menschen erster Stunde im AMG-Haus zählen und dieses Haus ein Vierteljahrhundert lang geleitet haben. Ein Mensch der ersten Stunde ist auch Ignaz Bernhard Fischer. Er leitet seit der Gründung nach der Wende den Verein der ehemaligen Russlanddeportierten. Er, der Krieg, Flucht, Vertreibung, Not, Kommunismus und Schrumpfung der deutschen Gemeinschaft miterlebt hat, veranlasst bei jedem Heimattag den vollen Saal der Temeswarer Nationaloper zu stehendem Applaus. Er ist einer der Senioren der deutschen Gesellschaft, ein Senior mit weiterhin reger Implikation für seine ehemaligen Leidgenossen in der Sowjetunion und in das Gemeinschaftsleben der Banater und Rumäniendeutschen schlechthin.

Ein Grußwort sprach auch die Bayerische Aussiedlerbeauftragte Sylvia Stierstorfer, die auch den Gruß den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder überbrachte. Der Temeswarer Vizebürgermeister Dan Diaconu, der bei vielen Programmpunkten anwesend war, erwähnte die Bedeutung der deutschen Gemeinschaft, „die zum Erhalt von Werten beigetragen hat“. Mit musikalischen Auftritten der Banater Musikanten, mit klassischer Musik der mehrfach preisgekrönten Violinistin Ana-Maria Popan, begleitet am Klavier von der Hochschullehrerin Silvia Cârdu wurde das Festprogramm vervollständigt. Weitere Höhepunkte der Festveranstaltung waren die die Verleihung der Ehrennadel in Gold des DFDB an Peter Dietmar Leber, und des Stefan-Jäger-Preises an Andreea L²pugean von den Banater Rosmareinern. Der Sonntag hatte weitere festliche Momente auf Lager. Nach einem Gottesdienst in der Katharinenkirche folgen Aufmarsch und Tanz im Stadtzentrum, mit vielen Schaulustigen. Man kann die Organisatoren nur beglückwünschen, so zum Schluss der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Gan] und die nun schon zum zweiten Mal bei den Heimattagen aus Argentinien angereiste Ingeborg Orso-Block (Im Alter von acht Jahren, 1944 aus ihrem Heimatdorf mit der Familie vor der Sowjetarmee geflüchtet) war diesmal mit ihrer Tochter Karin dabei. „Ich komme wieder, denn ich bin ja erst 83“, versprach Ingeborg Orso-Block.

 

Der Samstagnachmittag war von einem Kulturprogramm im Festsaal des Musiklyzeums Ion Vidu geprägt. Vor vollem Haus traten auf: Blaskapelle Steierdorf/Anina, die Tanzgruppen „Steierdorfer Edelweiß“, „Warjascher Spatzen“, „Buntes Sträußchen“ Großsanktnikolaus, „Banat JA“ Arad, „Bunter Herbstreigen“, Temeswar, „Banater Rosmarein“ Temeswar, „Billeder Heiderose“, „Edelweiß“ Detta, „Hatzfelder Pipatsche“, „Hänschenklein“ Temeswar, "Enzian" Reschitza, Tanzgruppe aus Großjetscha, Tanzgruppen aus Spaichingen und München, Blaskapelle „Original Banater Dorfmusikanten“, Franz Stürmer-Chor, Begleitung „Trio Enzian“, Reschitza, Musikduo "Intermezzo" Reschitza, „Temeswarer Liederkranz“ und die Blaskapelle „Banater Musikanten“, Temeswar.

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