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„Ich lasse mich von dem verführen, was ich tue“

Der Künstler Michael Lassel präsentiert sein Lebenswerk

Reflexion der Zeit. Das Bild ist emblematisch für die ganze Ausstellung: Das Bild des malenden Künstlers reflektiert sich in mehreren Sonnenbrillen aus verschiedenen Perspektiven. Die charakteristische Unterschrift fehlt auch nicht. Fotos: die Verfasserin

Der Meister der zeitgenössischen Trompe-l’oeil-Malerei, Michael Lassel, im Ausstellungsraum in Dinkelsbühl.

Tünde Lassel, die Frau an der Seite von Michael Lassel und Kunstmanagerin für sein Werk

Im Dinkelsbühler Kunstgewölbe der Dr. Martin Luther-Straße hallt das Lied „Money“ von Pink Floyd. Stillleben mit Geldmünzen und -scheinen, Büsten, Trinkgefäßen, Uhren und anderem. Texturen, Formen, Schatten und eine ausgeprägte Faszination für präzises Malen. Es ist aber nicht das große Geld, sondern die Schönheit des Geldes, das Betörende, das der Künstler zeigen will. Die Gemälde des freischaffenden Kunstmalers Michael Lassel scheinen sich durch zwei wesentliche Elemente zu kennzeichnen - die Technik Trompe l’oeil - „täusche das Auge“ und die Liebe zum Detail. Trompe l’oeil bezieht sich auf die illusionistische Malerei, die mithilfe von perspektivischer Darstellung Dreidimensionalität vortäuscht. Diese Technik wurde schon seit vielen Jahren zur ausgewählten Sprache des Künstlers. „Das hat mich angezogen, das ist genau so wie eine Partnerschaft, eine Liebe, die dich auf die andere Seite lockt“, erklärt Lassel. „Ich beschäftige mich mit so was, ich lasse mich von dem verführen, was ich tue, und wenn man noch sieht, dass positives Feedback zurückkommt, dann ist man glücklich.“ 

Die Ausstellung mit dem Titel „Zeitreise“, die an Pfingsten zum Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl (Bayern) gezeigt wurde, umfasste 30 Ölgemälde. Der ausstellende Künstler erklärt kurze Zeit später, als er den Raum betritt: „Die Hauptthemen sind meine Gedanken, die mich jeden Tag begleiten. Ein Fünftel meines Lebens ist hier im Saal. Das sind viele, viele Lebensjahre, die verbraucht worden sind, und es ist eine peu a peu deponierte Energie - Schicht über Schicht.  Es ist wie die Erde gebaut, die Zeit bringt noch eine Schicht darüber - genau so ist es bei mir, es ist eine menschliche Zeit, wie ich mich als Person entwickelt habe oder stagniert habe. Das ist eine Widerspiegelung“.

„Wir haben nichts zusammen gemalt, Michael“

Eine Frau mit kurzen Haaren und Brille sitzt am Tisch im Ausstellungsraum. Mit ihrer warmen Stimme spricht sie mit den Besuchern der Ausstellung und bietet Informationen über das Werk. Tünde Lassel ist die Frau von Michael Lassel und Kunstmanagerin. Sie erklärt, dass sie immer ihren Ehemann unterstützen wollte. Die enge Zusammenarbeit mit ihrem Mann erläutert sie durch eine Anekdote: „Manchmal fragt mich mein Mann, wann haben wir das Gemälde gemalt. Ich sage ihm, wir haben nichts zusammen gemalt, Michael.“

Tünde Lassel lebt seit mehr als 30 Jahren in Deutschland. Sie erinnert sich gerne an die Zeit in Siebenbürgen und an das Zusammenleben dort: „Das fand ich immer so anregend, ich bin Ungarin, mein Mann ist Sachse, meine Großmutter ist Rumänin und ich fand das immer toll, bei uns hat man alle Sprachen gesprochen. Ich habe in Deutschland noch nie gehört, dass jemand in einer deutschen Familie sagt‚ mein Sohn spricht Türkisch oder Italienisch“.

Die Vergangenheit in Rumänien 

Warum trägt die Ausstellung den Titel „Zeitreise“? Der Trompe-l‘oeil-Maler feierte letztes Jahr seinen 70.  Geburtstag. So will der Künstler einen Teil seines Lebenswerks präsentieren. Michael Lassel lebt in Bayern seit 1986. Geboren wurde er aber in Rumänien in Ludwigsdorf/Logig. Nach dem Studium an der Kunstakademie in Bukarest hat er am deutschen Gymnasium in Schäßburg/Sighișoara gearbeitet, bevor er zusammen mit seiner Familie nach Deutschland ausgewandert ist: „Damals war es eine Mode. Sächsisch zu sein war sehr modern und man hat als Ware dem rumänischen Staat ein bisschen Geld gebracht“, erinnert sich der Künstler.

Für seine Ehefrau, Tünde Lassel, war es eine schwere Entscheidung, Rumänien zu verlassen, weil ihr klar war, dass sie ihre Verwandten dort zurücklassen musste, ohne zu wissen, wann sie zurückkehren könnte. „Die Liebe gibt Kraft und als junger Mensch entscheidet man sich doch, mit der Familie mitzugehen, es war für uns unvorstellbar, dass wir uns trennen oder, dass er mal vorreist und wir nachreisen“, sagt sie. Michael Lassel findet, dass er mit seiner Familie Glück hatte  – „mein Sohn hat studieren dürfen und ist ein sehr guter Spezialist geworden. Ich habe einen Enkel, der sensationell ist: Das ist der Kern der Sache. Außerdem habe ich Glück mit meiner Kunst gehabt“.

Ein weltberühmter Künstler

Auf der Internetseite des Künstlers ist eine Zeitachse zu sehen. Links und rechts sind Einzel- und Gruppenausstellungen nach Jahren aufgezählt, darunter Schauen in zahlreichen Städten in Deutschland und Frankreich, den USA, Singapur und Japan. Die zahlreichen Ausstellungen machten den  Vertreter der Trompe-l‘oeil - Malerei weltweit bekannt. Listen mit Preisen und Ankäufen geben Auskunft über die Dimensionen des Raums, in dem der Künstler sich bewegt: Michael Lassel hat verschiedene Preise erhalten, darunter die Medaille „d’Or et le Grand Prix Robert Vrinat“ in Frankreich und den „1. Preis der Europäischen Kunstakademie“ in Luxemburg. Seine Werke scheinen sich großer Beliebtheit und Nachfrage auf dem internationalen Kunstmarkt zu erfreuen: Sie sind im Bunkamura- Kunstmuseum in Tokio, im Museum von Genf und im Museum von Singapur zu sehen. 

Der Künstler glaubt nicht, das es möglich gewesen wäre, seine Karriere vom (damals kommunistischen) Rumänien aus international aufzubauen. „Ich fand mich schon ziemlich gut zurecht, auch dort, aber ich habe keine Zukunft gesehen, denn ich hatte mir das durch den Kopf gehen lassen und ich habe gesehen, die Perspektive muss neu definiert werden und dann wusste man nicht, in welche Richtung es geht. Wenn du keine Flügel hast, kannst du nicht fliegen.“

Der Maler findet, jede Person sei ein ganz kleines Stückchen des Universums und jeder macht, was er kann, wenn er darf. „Ich muss Gott danken, dass ich praktisch bis zu diesem Zeitpunkt gesund bin. In solchen Zeiten denkt man nach, man fragt sich, was fehlt, aber ich habe eine begrenzte Zeit, zu sein. Das muss ich ausnutzen, so gut es geht, mit den Kräften, die ich habe.“


Die Welt des Malers setzt sich zusammen aus Alltagsobjekten, denen er eine neue Symbolik zu verleihen scheint. Michael Lassel wurde von der Zeitschrift „Weltkunst“ als „der wohl bedeutendste Trompe l’oeil-Maler unserer Zeit“  bezeichnet. Weitere Gemälde von Michael Lassel findet man auf seiner Internetseite lassel-michael.de.

 

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