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Kronstädter Transfogarascher

Was steckt wohl wirklich hinter dem Projekt: Forstweg „Gorița“?

Der „Gorița“-Forstweg führt duch „Poiana Stechil“. Der beliebte Treffpunkt wird abgebaut werden, wenn das Projekt zustande kommt. Fotos: privat

8000 gesunde Bäume wurden für das Abholzen markiert.

Der Boulevard Calea București, mit sechs Autospuren, ist 21 Meter breit. Der neue Forstweg soll an manchen Stellen auf einer Breite von 23 Metern gebaut werden.

Anhand dieser fiktiven Graphik wollen Protestler davor warnen, dass der „Gorița“-Weg ein Immobilienprojekt im Hintergrund haben könnte.

8000 Bäume, viele davon alt, sollen auf einem Ausläufer der Zinne, dem Gorița-Berg, gefällt werden. An ihrer Stelle soll ein 11 Kilometer langer Forstweg gebaut werden, der als Verbindung der Oberen Vorstadt (Salomon-Felsen) mit dem Ragadotal gedacht ist. Die Breite dieses Weges ist zwischen dreieinhalb und 23 Metern vorgesehen. Für das Projekt, das schon 2017 vom Bürgermeisteramt Kronstadt genehmigt worden ist, stehen EU-Fonds bereit - es soll aus nicht rückzahlungspflichtigen Geldern finanziert werden, so Dan Olteanu, Leiter der Kronstädter Forstregie RPLP Kronstadt. Dieser erklärte, dass der neue Weg notwendig für die Instandhaltung des Waldes sei, er sichere den Zugang im Falle von Waldbrand oder Naturkatastrophen. Auch soll er den Zugang für zukünftige Abholzung bieten. Zudem würde der Weg ein Anziehungspunkt sowohl für Wanderer, wie auch für Radfahrer werden. Das Fällen der Bäume und der Beginn der Bauten sind für diesen Herbst vorgesehen, gab die Behörde bekannt.

Wozu ist ein neuer Forstweg nötig?

Tausende gesunder, hoher Bäume auf dem Gorița-Berg, der teils in der Oberen Vorstadt, auf der linken Seite Richtung Salomon-Felsen zu bewundern ist, sehen aus als würden sie bluten. An ihrem Grund sind große, rote Markierungen zu sehen, die ins Auge des Wanderers, oder des Radfahrers, der hier sonst Ruhe, reine Luft, unangetastete Natur erlebt, stechen. Diese Markierungen hat eine Kronstädterin etwa Mitte September, beim Wandern bemerkt, vermisste jedoch ein Schild mit Erklärungen dazu. Bis zu der Zeit gab es keine öffentliche Information, keine öffentliche Debatte seitens der Lokalbehörden bezüglich der geplanten massiven Abholzung, des neuen Forstweges, es stand nichts diesbezüglich auf deren Internetseite, auch gab es keine aktuelle konkrete Nachricht in den Medien darüber. Via Internet haben sich mehrere Bürger zusammengetan, um zu erfahren warum ein neuer Forstweg nötig ist, warum dafür ein Umweg von 11 Kilometern durch den Wald gebaut werden muss, um die Obere Vorstadt mit dem Ragadotal zu verbinden. Man könnte doch den vorhandenen Weg, der beim Salomon-Felsen beginnt, nutzen und an die bereits vorhandenen Ansätze für Forstwege im Ragadotal anknüpfen. „Warum muss dieser Weg auf so einem steilen Hang, auf so einer langen Strecke und so breit gemacht werden?“, fragten sich einige Dutzend Kronstädter, die am vergangenen Samstag vom Anger/Piața Unirii gemeinsam auf der Trasse der geplanten Forststraße gewandert sind. „Die Stadt wird sowieso umgebaut, sodass immer mehr Autos hier fahren können. Wenigstens das bisschen unangetastete Grün das wir noch haben, soll erhalten bleiben“, sagt ein Teilnehmer am Ausflug. Er kann nicht verstehen, wozu ein Transfogarascher, wie Dan Olteanu den Gorița-Weg nannte, in Kronstadt nötig sei. Es kam die Befürchtung auf, dass an den 23 Meter breiten Strecken eventuell der Bau neuer Wohnanlagen geplant sei.

Online-Petition, um das Fällen der Bäume zu stoppen

„Man verlässt die Stadt und ist in 20 Minuten mitten in der Natur. Das ist einer der Vorteile Kronstadts, sowie die wunderschönen Pfade, die Mountain-Biker und Wanderer aus dem ganzen Land anziehen“, erklärt Maximilian Munteanu, Honterusabsolvent und einer der erfahrensten und bekanntesten Mountainbiker Rumäniens. Er fährt seit mehr als 25 Jahren auf den Pfaden in und rund um die Zinnenstadt, unter anderen auf dem Gorița-Berg. In einem Video, das auf seiner Facebookseite zu sehen ist und mittlerweile viral geworden ist, präsentiert er die verborgenen Pfade, zeigt die Schönheit der Natur, erklärt, dass Forstwege für Radfahrer eine richtige Gefahr seien, zumal sie zu Geschwindigkeit einladen und somit der geplante Forstweg keine Attraktion für Biker sein wird. Munteanu warnt davor, dass „diese Pfade, die sehr beliebt sind, für immer von der Erdoberfläche verschwinden werden, falls der geplante Forstweg gebaut werden sollte“.

In wenigen Tagen haben fast 10.500 Menschen eine Online-Petition unterschrieben (täglich kommen hunderte Unterschriften hinzu), in der sie das Stoppen des Holzeinschlags auf dem Ausläufer der Zinne fordern und vom Lokalrat das Einordnen dessen als „Wald-Park“ verlangen – das würde das Eingreifen in die Natur verbieten. Auch haben die Leute einen spontanen Protest beim Bürgermeisteramt gemacht, mit dem Bürgermeister George Scripcaru gesprochen. Dieser zeigte sich verwundert über die Unzufriedenheit der Kronstädter, zumal das Projekt schon vor zwei Jahren genehmigt wurde (allerdings war der Weg damals einen Kilometer lang, nicht elf) und meinte, das Geld für die Arbeiten stehe schon bereit. Die Protestler hingegen kämpfen für das Grün. Sie befürchten, dass die Stadt durch die massive Abholzung noch mehr leiden wird, wo sie nach Bukarest und Jassy/Iași doch die schmutzigste Luft unter den rumänischen Städten aufweist. Außerdem führen die zahlreichen Neubauten auf dem Warthe-Hügel, wo die Grünfläche stark reduziert wurde und weiterhin wird, nach jedem ernsthaften Regenfall zu Erdrutsch und Überschwemmungen, das Viertel ist nicht für die massive Entwicklung, die manche Bauunternehmer vorhaben, gedacht und leidet sehr daran. Auch die kleinen, historischen Straßen und Gassen sind vom Schwertransport betroffen.

LINK ZUR PETITION: bit.ly/stoptaierilor

 

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