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Kunst und Lebenslust in Katalonien

Was man in Barcelona und Umgebung alles erleben kann

Überraschender Blick durch ein Schaufenster: Gaudís Mosaik wird mittlerweile in allen Formen dargestellt! Fotos: die Verfasserin

Das Restaurant „La Contrasenya“ bietet nicht nur kulinarischen Genuss vom Feinsten, sondern auf jeden Blick auch einen Augenschmaus.

Der Hafen von Barcelona ist vom alten Stadtteil aus zu Fuß zu erreichen.

Geschwungener Palmensaum im Park Güell

Kathedrale „Sagrada Familia“

Montserrat

Barcelona, dieser bunte, wertvolle Schatz auf der Weltkarte, gehört wohl auf die To-Do-Liste eines jeden Touristen, der die schönsten Errungenschaften der menschlichen Kultur gesehen haben will. Auf Schritt und Tritt gibt es etwas zu bewundern, um jede Ecke eine neue spektakuläre Aussicht zu entdecken. Die Hauptstadt Kataloniens befindet sich nicht umsonst auf Platz 4 der weltweit meistbesuchten Städte, denn von Architektur, Malerei, Musik, Bildhauerei und allen weiteren Künsten ohne Ausnahme bis hin zum Baden, Bootfahren im Mittelmeer oder abenteuerlichem Einkaufsbummel ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Katalonien ist eine autonome historisch-kulturelle Gemeinschaft im Nordosten Spaniens, deren Hauptstadt Barcelona nach Madrid die zweitgrößte Stadt in Spanien darstellt. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind gut vernetzt, sodass man schnell und günstig von A nach B gelangen kann. Selbst vom Flughafen gibt es unter anderem eine U-Bahnlinie direkt bis ins Stadtzentrum, zum Beispiel zur Fußgängerzone „La Rambla“. Dort sollte man einen langen Spaziergang einplanen, der immense Altstadt-Bereich besteht fast ausschließlich aus gut erhaltenen Originalbauten, jeder für sich ein Kunstwerk, und die winzigen Nebensträßchen, die ab und an in eine träumerische „Piazzetta“ münden, bilden ein faszinierendes Labyrinth. Charakteristisch sind die mit üppiger Pflanzenvielfalt dekorierten Balkone, die sich links und rechts an den Hauswänden emporheben. Das Erdgeschoss der Wohnhäuser, die meist Zweizimmer-Wohnungen beherbergen, bietet Platz für zahllose Läden, in denen Kleider, Schmuck oder Dekor-Objekte aus eigener Herstellung und eigenem Design angeboten werden. Musikliebhaber können sich auf eine Fülle an CD- und Schallplatten-Geschäften gefasst machen! Ansonsten kann man natürlich überall alles finden, was das Shopping-Herz begehrt, und das ohne bunte, grelle Reklame - Ästhetik wird in Katalonien generell ganz groß geschrieben, selbst bis zum kleinsten Detail.

Beim Kapitel Ästhetik in Barcelona könnte man Bände schreiben. Beschränken wir uns jedoch auf einige der Aushängeschilder der Stadt: Was Antoni Gaudi in den 20 Jahren seines Lebens, die er dort verbracht hat, vollbringen konnte, muss man einfach gesehen haben. Nicht umsonst wird er als „Architekt Gottes“ bezeichnet, denn seine Werke gleichen tatsächlich Gebilden, die man wohl im schönsten Traum oder im Paradies selbst anzutreffen hofft. Seine Markenzeichen sind vor allem die geschwungenen Wände und Mosaik-Fresken der von ihm entworfenen Häuser wie „Casa Batlló“, welches direkt von der „La Rambla” zu Fuß zu erreichen ist. 500 Meter weiter befindet sich die „Casa Milŕ“, das Haus mit den Sahnehäubchen-Türmen, Gaudis letztes Werk, bevor er sich dem Bau der „Sagrada Familia“ widmete –  die Kirche, an der bis zum heutigen Tag weitergebaut wird und die trotzdem die meistbesuchte Kathedrale gleich nach dem Vatikan darstellt. Schon von Weitem erkennt man, warum das so ist: Man kann sich kaum sattsehen an dem Prachtbau mit den vielen kunstvollen Details auf dem Dach und an allen Seiten. Im Innenraum ist der Anblick kaum in Worte zu fassen. Ganz wichtig beim Besuch jedes Gaudí-Werkes: unbedingt im Voraus online Karten kaufen, sonst kann man Stunden in der Warteschlange verbringen und riskiert, gar nicht erst reingelassen zu werden, da oftmals alle Plätze ausgebucht sind.

Von der „Sagrada Familia“ gelangt man zu Fuß in etwa 30 Minuten zum Güell-Park, einem Anwesen mit Schloss und Fantasie-Park am Berghang, zwischen den Jahren 1900 und 1914 angelegt. Hier hat Gaudí seiner Farben- und Formenfreude vollen Lauf gelassen, das fast 18 Hektar große Gelände ist komplett mit Schnörkeleien, buntem Mosaik und Lava-artigen Konstrukten ausgeschmückt. Hier befindet sich auch der berühmte Mosaik-Terrassensaum, von wo aus man einen großen Teil der Stadt und die Küste überblicken kann. Tausende von Palmen und anderen Pflanzen umranden den Park, weiter oberhalb des Schlosses kann man das Haus, in dem Gaudí 20 Jahre mit seinem Vater und seiner Nichte gelebt hat, besuchen, und dabei die aufgeregte Unterhaltung der grünen Papageien genießen, die in den Kronen der Palmen heimisch sind. Meist sind auch Straßenmusiker anzutreffen, die die Zeit dort durch wunderbare Klänge noch angenehmer gestalten.  

Eine weitere Persönlichkeit, mit der Barcelona sich gerne lobt, ist Pablo Picasso, der seine Studienjahre hier verbracht hat. Ein Museum mit seltenen und wenig bekannten Kunstwerken ist wiederum wenige Minuten von der „Rambla” entfernt.

Wer allerdings Lust auf einen surrealistischen Tagesausflug mit nicht allzu langer Busreise hat, sollte eine Fahrt nach Figueres in Betracht ziehen. Hier wurde Salvador Dali geboren, der nicht nur den Ort und dessen Umgebung, sondern die gesamte Welt mit seiner Kunst umkrempelte. Das Ortstheater von Figueres bot Platz für Dalis erste Ausstellung, später baute er das Gebäude nach eigenen Vorstellungen komplett um, verwandelte es 1974 in sein eigenes Museum und gestaltete es vom Äußeren bis zur kompletten Innenausstattung nach eigenen Vorstellungen um. Es ist bis heute das größte surrealistische Bauwerk der Welt, auch zahlreiche seiner berühmten Bilder können hier besichtigt werden. Nach seinem Tod wurde Dali in einer Krypta unter der Bühne des Theaters beigesetzt.

Bemerkenswert, wie viele besondere Persönlichkeiten und Künstler in dieser Region ihrer Inspiration Ausdruck verliehen haben – es muss bestimmt etwas mit der Luft, dem Meer, dem grandiosen Essen und der wunderschönen Natur zu tun haben.

Ein anderer sehr schöner Tagesausflug bietet sich zum Benediktinerkloster „Santa Maria” von Montserrat an, das imposante Gebäude befindet sich in einem Sandsteingebirge, das per Seilbahn oder Auto zu erreichen ist. Landschaft und Aussicht sind spektakulär, die Klosterkirche atemberaubend, vor allem die goldenen Verzierungen faszinieren auf fast hypnotische Weise. Ein Kunstmuseum und ein Kaffee-Haus laden zum weiteren Zeitvertreib ein, man kann hier auch ein leckeres Mittagessen einplanen.

Apropos Essen – Feinschmecker kommen in Barcelona und Umgebung garantiert auf ihre Kosten, denn Katalonier haben einen ganz besonderen Respekt für den kulinarischen Aspekt des Lebens. Dabei geht es nicht nur um das Essen selbst, das meist auf kunstvolle Weise angerichtet wird, sondern auch um das Umfeld, in dem man seine Mahlzeit genießt – deswegen sind Res-taurants meist sehr stilvoll dekoriert, von edel elegant bis modern ist alles zu finden. Sehr speziell: Die meisten Lokale bieten ein Separee für Gruppen, das man ohne weitere Kosten reservieren kann. Als Faustregel gilt: Erst wird eine gemischte Vorspeisenplatte für alle bestellt, dann Hauptspeise und Wein, zum Abschluss Dessert und Kaffee. Allein die Esskultur ist wahrlich schon  Grund genug, Katalonien zu besuchen.

An dieser Stelle möchte ich unbedingt einen Geheimtipp empfehlen: das Restaurant “La Contrasenya” auf der Carrer de Joan d’Ŕustria 95. Es befindet sich in einer ehemaligen Lagerhalle im früheren Malerei-Atelier einer pensionierten Journalistin, die dort selbst für ihre Gäste kocht und serviert. Für rund zwölf Leute ist Platz an der einzigen Tafel im Raum, an den Wänden hängen selbstgemalte Bilder und jeder einzelne Quadratzentimeter ist liebevoll und originell dekoriert. Ein kleiner Balkon bietet Platz für fünf bis sechs Gäste, die von der gemütlichen Sitzecke aus die Nachbarschaft überblicken können. Für ein dreigängiges Menü zahlt man pro Person 30 Euro, die Besitzerin verwöhnt aber auch sehr gerne mit bis zu sechs Gängen, natürlich alle selbst kreiert.
 

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