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Mozart, Bach und Vivaldi, die Freunde der Kinder

Cristina Andone setzt einen Grundstein zur musikalischen Früherziehung

Cristina Andone hat über hundert Workshops in Buchhandlungen (hier Șt. O. Iosif in Kronstadt), Bibliotheken, Kindergärten, Schulen, Kirchen, Krankenhäusern gehalten - „überall wo es Interessenten gibt“.

Die Sammlung „Povestiri din Pădurea Muzicală“ umfasst neun Bücher. Alle wurden von Adriana Gheorghe und Sebastian Oprița illustriert. Links: das Haus des Elfen Bach. Fotos: die Verfasserin

Eine Reihe von neun Kinderbüchern über bedeutende Komponisten, „Povestiri din Pădurea Muzicală“ (Geschichten aus dem musikalischen Wald)  von Cristina Andone, bringt seit einigen Jahren Kindern in Rumänien klassische Musik näher. Kleine Elfen, die Namen großer Komponisten tragen und deren Musik durch ihre Persönlichkeit verkörpern,  führen die kleinen Leser auf spielerische Weise in den Zauber der klassischen Musik ein. 

Anhand von Geschichten mit den freundlichen Naturgeistern Vivaldi, Bach, Mozart, Beethoven, Chopin, Tschaikowski, Johann Strauss Sohn, Paganini und Enescu will die Schriftstellerin ein junges, von klassischer Musik begeistertes Publikum heranziehen, das Barock, Rokoko, Klassik, Romantik kennt und gut aufnimmt. „Ich will, dass die Kinder spielen, Bach, Strauss oder Vivaldi zu sein, dass sie beim Kochen Mozart hören, dass sie diese als ihre Freunde betrachten. Kinder lernen viel besser und lieber durch Geschichten und Bilder, Geschmäcker und Gerüche vergrößern die Chance, dass die Musik dort ankommt, wo sie hingehört - in die Seele“ erklärt Andone. Ihre Bücher betrachtet sie als Fundament der allgemeinen musikalischen Früherziehung in Rumänien, wo das Erziehungssystem in dieser Hinsicht sehr zu wünschen übrig lässt. Über 140.000   Exemplare der Reihe wurden bislang verkauft, Neuauflagen folgen. Die Mittvierzigerin tourt regelmäßig mit ihren Büchern durch das Land und hält anregende Workshops zur Musiktheorie mit Kindern.  

Von magischen Launen

„Paganini war der erste Star im Musikbereich! Er verzauberte das Publikum bei jedem Konzert. Dafür wendete er bestimmte Tricks an“, begeistert eine blonde Frau rund 45 Kinder, gleichwohl auch ihre Mütter, in der Șt. O. Iosif-Buchhandlung in Kronstadt/Brașov. Sie schauen sie mit großen Augen an, hören aufmerksam zu und machen alles, was sie ihnen sagt. Denn Schriftstellerin Cristina Andone erzählt ihnen eine spannende Geschichte: die Geschichte des Elfen Paganini. Er war magisch, weil er ohne Notenblätter spielte, vor seinen Konzerten totale Dunkelheit schuf und dann im Scheinwerferlicht, umgeben von Nebel, aus einer Luke in der Bühne Geige spielend erschien. Paganinis Finger bewegten sich unwahrscheinlich schnell, so wie bei niemandem zuvor. Die Frauen waren hingerissen. Die Menschen glaubten, er sei ein Zauberer, verbreiteten unzählige Gerüchte über ihn, flüstert die Frau geheimnisvoll. Im Rahmen eines interaktiven Geschichten-Workshops stellt die Schriftstellerin des Buchs „Paganini und die magischen Launen“ (Paganini și capriciile magice) die Musik des italienischen Geigers, Gitarristen und Komponisten (1782– 1840) auf kindgerechte Weise vor, entführt die Kleinen auf eine Reise in die Welt seiner Musik. 

Auch zur Musik anderer bedeutender Komponisten hat die wohl am besten verkaufte rumänische Autorin für Kinderbücher jeweils ein Buch geschrieben. „Die Werke von Vivaldi, Bach, Mozart, Beethoven, Chopin, Tschaikowski, Johann Strauss Sohn und Paganini bilden den Grundstein der klassischen Musik, so bietet diese Bücher-Sammlung eine Art ‘Überlebenskit‘ in der Welt der klassischen Musik.“

Geschichten von Elfen und Tieren

Cristina Andone schreibt in ihren Kinderbüchern über den Geist der Musik der großen Komponisten, deren Werke einen gut definierten Charakter haben. Es sind keine biografischen Bilderbücher über diese, sondern lebhafte Geschichten, in denen die Elfen gemeinsam mit ihren Freunden, das sind Tiere, die dem Charakter der Musiker angepasst sind, allerhand Abenteuer erleben. Zwei Kinder, Thea und Sashi – Vorbilder sind die Kinder der Schriftstellerin – führen den Leser durch alle Geschichten, stellen den Hauptdarstellern Fragen oder Aufgaben und erfahren Näheres auch über deren Lieblingsdessert, -instrument, -spiel, über die Lieblingsblumen und -tiere. 

 „Chopin ist ein träumerischer Elf, seine Musik ist klar wie die Tränen einer Fee und geheimnisvoll wie die Tropfen des Herbstregens“ verrät die Geschichte „Chopin și balada stropilor de ploaie“ (Chopin und die Ballade der Regentropfen). Er liebte sein lilafarbenes Einhorn namens Vis (Traum), das Klavier, die Farbe Dunkelblau wie die Nacht voller Sterne und kandierte Lilien. Über Strauss erfahren wir, dass er einen rosafarbenen, ziemlich snobistischen Strauß namens Grand Jr. besitzt, Kristalle, Ballsäle, riesige Blumensträuße und das Funkeln der Edelsteine liebt, sowie rosafarbene Baisers mit Klumpen weißer Schokolade und Rosenkonfitüre. 

Mozart erleben wir als Retter des düsteren Schwarz-Weiß Reiches, das er gemeinsam mit seinem kleinen lustigen Hasen namens Allegretto durch Musik wieder farbig und glücklich macht. Der weise und gesetzte Elf Bach beruhigt durch seine Klänge den Himmel, sein treuer Freund, der Igel Sebastian ist immer dabei. Diese Assoziationen sind leicht zu merken und bleiben auch bildlich im Gedächtnis, erleichtern den Kleinen den Zugang zur Musik der Großen.

Musiktheorie leicht gemacht

Anhand der lebhaften, temperamentvollen und bunten Geschichten erlernen die Kinder spielerisch Grundelemente der Musiktheorie - Themen, Variationen, Kontrast, Dauer der Noten, Rhythmus, die Musikinstrumente eines Orchesters, die Elemente einer Geige oder Geschicklichkeitsübungen. Zudem erfahren sie, wie man sich während eines Konzerts zu verhalten hat, üben Geduld und Ausdauer. 

Die Verknüpfung von bildhafter Vorstellung mit klassischer Musik, die Andone  in ihren Büchern anwendet, hat sie in ihrer langjährigen Karriere in der Werbebranche erlernt. Dem Schreiben möchste sie sich auch weiterhin in diesem Sinne widmen. Dafür opferte sie ihren Job in einem großen Unternehmen und arbeitet derzeit als Trainerin für Kreativität und Innovation. Noch träumt sie davon, sich eines Tages voll und ganz auf das Schreiben konzentrieren zu können. 

 „Ich will die klassische Musik von dem Sockel herunter holen, auf den sie gestellt wurde, sie zugänglich machen, und, dass die Kinder sich nicht davor scheuen, sondern damit aufwachsen und sie in ihren Alltag integrieren. Ich wünsche mir sehr, dass bei Konzerten mit klassischer Musik nicht nur weiße Köpfe zu sehen sind“, sagt die Frau, die selbst aus einer Familie von Musikliebhabern stammt, die Musikschule besucht hat und viele Jahre lang Klavier studiert hat.

Im Format eines Kunstbildbands

Die „Geschichten aus dem musikalischen Wald“ wurden erstmals 2011 im „Adev˛rul“-Verlag gedruckt und zusammen mit einer CD mit der Zeitung „Adev˛rul“ verkauft. „Die damalige Auflage hat auch sehr, sehr viele bedürftige Kinder erreicht“, freut sich die Schriftstellerin. Nachdem der Verlag geschlossen wurde, erscheint die Reihe im „Nemi“-Verlag (Nemira für Kinder) neu, diesmal als Kunstbildband im Format A4. In der neuen Variante gibt es zwar keine CD, jedoch eine Liste mit den bekanntesten Stücken der jeweiligen Komponisten, die heutzutage kostenlos on-line gehört werden können. Das Buch mit der größten Nachfrage ist „Enescu {i hora razelor de soare“(Enescu und der Reigen der Sonnenstrahlen), das im letzten Jahr zum Anlass des hundertjährigen Jubiläums der Großen Vereinigung Rumäniens erschienen ist. In weniger als einem dreiviertel Jahr wurden 5000 Exemplare über den rumänischen Nationalkomponisten verkauft. Im kommenden Jahr soll die Reihe um Verdi und Gershwin ergänzt und damit auch beendet werden. Somit sind auch Oper und Jazz vertreten, erklärt die Schriftstellerin.

Die Schule des gut verdienten Geldes

Auch finanzielle Früherziehung erscheint Andone wichtig. So hat sie dieses Jahr das Kinderbuch „[coala banilor bine crescuți“ (Schule des gut verdienten Geldes; Univers Verlag, 2019) geschrieben, in dem Kinder den Umgang mit Geld erlernen sollen. In Rumänien sprechen die wenigsten Eltern mit ihren Sprösslingen über Geld, finanzielle Erziehung kommt im Lehrplan der Schulen nicht vor, dabei ist sie genauso wichtig wie musikalische oder sportliche Erziehung, wie die Fächer Rumänisch oder Mathematik. „Geld ist überall im Spiel“, begründet die Autorin, weshalb man den Umgang damit am besten von klein auf erlernt. Dafür hat sie lustige Figuren erfunden, die Eichhörnchen Chichi, Richi und Michi, zwei Häschen und andere Tiere, anhand deren Geschichten wichtige Prinzipien auf spielerische Weise vermittelt werden. Mit ihrer Hilfe lernt man den Umgang mit Geld, das Sparen, ja sogar das Spenden. 

Das Buch, das in zwei Auflagen mit 8500 Exemplaren gedruckt wurde, erhielt 2019 den Titel „Buch des Sommers“ im herausgebenden Verlag. Dieses Jahr soll der zweite Band über Unternehmergeist, Gleichgewicht und Arbeitsethik erscheinen. 

Beide Initiativen kamen nur schwer zustande, mehrere kontaktierte Verlage versprachen sich offenbar keinen Erfolg von solchen Themen. Heute werden die  pädagogischen wertvollen Bücher in zahlreichen Kindergärten verwendet, Grundschullehrerinnen ziehen sie für den Unterricht heran, längst bereichern sie die Bücherregale vieler Kinder. 

 

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