Plan B für Kulturhauptstadt: neue Verwaltungsabteilung

Massive Kritik an Bürgermeister Nicolae Robu ebbt nicht ab

Temeswar (ADZ) – Nachdem er vorige Woche die Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit dem Kulturhauptstadt-Verein überraschend aufgekündigt und dabei für Verwunderung und Kritik gesorgt hatte, kündigte Bürgermeister Nicolae Robu am Wochenende seinen Plan B für das Weiterkommen des Kulturhauptstadt-Projekts über Facebook an. Dabei versprach er vollkommene Transparenz, Ehrlichkeit, Gesetzesmäßigkeit und, wie er schrieb, die Wahrung der Interessen der Stadt, Rumäniens und Europas.

Laut dem Bürgermeister soll der Stadtrat heute die Gründung eines Zentrums für Kulturprojekte und für die Verwaltung des Erbes der Europäischen Kulturhauptstadt absegnen, das neue Amt soll als Abteilung des Bürgermeisteramtes entstehen und direkt dem Bürgermeister unterstellt werden. Sollte die Europäische Kommission diese juristisch saubere Lösung nicht akzeptieren, habe er bereits auch an Alternativen gedacht, sagte Bürgermeister Robu ferner.

Bis die neue Abteilung funktionsfähig sein wird, soll das Kulturhaus der Stadt Temeswar die Abwicklung des Kulturhauptstadt-Projekts verantworten und bis Ende Juli Projektanträge annehmen. Eine sofortige Finanzierung von drei Millionen Lei sei dafür vorgesehen, eine entsprechende Jury werde eingesetzt. Er habe bereits vorgeschlagen, dass die Leiter der wichtigsten Kulturinstitutionen der Stadt dieser Jury angehören, dazu auch noch einige ausländische Berater, wie zum Beispiel Ulrich Fuchs, der die Kulturhauptstadt-Projekte von Linz (2009) und Marseille (2013) betreut hat. Fuchs, der dem Vorstand des Kulturhauptstadt-Vereins angehört, hatte Mitte Juni die Arbeit des Vereins und insbesondere den Vorstandsvorsitzenden Horațiu Rada stark kritisiert, da ihn dieser kurzfristig zu einer Vorstandssitzung einberufen hatte.

Ob und wie alle Verpflichtungen erfüllt werden, die in der Vereinbarung der Stadt mit der Europäischen Kommission festgehalten sind, konnte Robu nicht sagen, auch nicht, wie die Finanzierung des Vorhabens weiterhin sichergestellt werden könnte, zumal die Eilverordnung der Regierung D˛ncil˛ aus dem Sommer 2019 ausdrücklich vorsieht, dass die Verantwortung für die Ausgabe von Regierungsgeldern beim Verein liegt.

Währenddessen ebbt die Kritik am Bürgermeister und seiner Vorgangsweise nicht ab. Der ehemalige Ehrenvorsitzende des Vereins, der gebürtige Temeswarer und langjährige Intendant der Wiener Staatsoper, Ioan Holender, sagte am Wochenende, dass er traurig und enttäuscht sei. Korrupte, unfähige und ohnmächtige Politiker hätten dazu beigetragen, dass seine Stadt Temeswar derzeit einen schlechteren Ruf hat als vor der Wahl zur Kulturhauptstadt. Deshalb habe er sich schon vor mehr als einem Jahr aus dem Verein zurückgezogen und den Ehrenvorsitz abgegeben, sagte Holender. Der Spruch „Banatu-i fruncea“ sei in der stinkenden Bega ertrunken. Auch der ehemalige Diplomat und gegenwärtige Professor der West-Universität, Vasile Popovici, übte massive Kritik an dem Bürgermeister, der als Einziger die Verantwortung für das Scheitern des Vereins zu tragen habe. Robu gäbe gegenwärtig ein groteskes Schauspiel ab und wasche seine Hände in Unschuld. Dabei habe er die Geschäftsführerin Simona Neumann ständig unterstützt, er sollte lieber erklären, wofür diese und andere von ihm mitgetragenen Personen, wie der ehemalige künstlerische Leiter Chris Torch, fünf Millionen Euro ausgegeben hätten.
 

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Bemerkungen :

  • user
    Gerhard Konitzer 07.07.2020 Beim 19:25
    5 Millionen Euro, das ist nicht nur in Rumänien ein hübsches Sümmchen. Damit könnte man selbst in Deutschland oder Österreich einiges anfangen. Ja, was hat die Association Timisoara 21 damit gemacht? Das zu wissen, wäre gut, noch wichtiger ist die Frage, ob die Kulturhauptstadt Timisoara irgendeine Zukunft hat. Es bleibt ja nicht mehr viel Zeit. Wäre es nicht besser, Timisoara würde von sich auf den Titel verzichten, vielleicht verbunden mit der Bitte Richtung Brüssel in absehbarer Zeit einen zweiten Anlauf nehmen zu dürfen?