Ryanair-Maschine mit Lukaschenko-Kritiker zur Landung in Minsk gezwungen

Auswärtiges Amt: Kein Rumäne an Bord der Maschine

Das Ryanair-Flugzeug auf dem Flughafen in Minsk. Belarus zeigt sich nach der erzwungenen Landung offen für eine internationale Untersuchung des Vorfalls. „Ich bin sicher, dass wir in dieser Angelegenheit in der Lage sind, volle Transparenz zu gewährleisten“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Anatoli Glas, am Montag. Wenn nötig, sei Belarus auch bereit, „Experten zu empfangen“ und Informationen offenzulegen, um Unterstellungen zu vermeiden. In der Mitteilung des Ministeriums wurde der festgenommene Blogger Roman Protassewitsch nicht erwähnt. | Foto: AFP/dpa

Minsk/Bukarest (ADZ) – Ein Passagierflugzeug der irischen Fluggesellschaft Ryanair ist am Sonntagmittag auf dem Weg von Athen nach Vilnius von den weißrussischen Behörden umgeleitet und zur Landung in der weißrussischen Hauptstadt Minsk gezwungen worden. An Bord der Boeing 737 befanden sich 171 Passagiere, darunter auch der prominenteste oppositionelle Blogger und Journalist Weißrusslands, Roman Protassewitsch, der nach der Zwangslandung in Minsk sofort festgenommen wurde. 

Die Ryanair-Maschine hatte den weißrussischen Luftraum bereits verlassen und über Litauen mit dem Landeanflug auf Vilnius begonnen, als sie überraschend abdrehte und schließlich in Minsk landete. Nach Angaben der Fluglinie Ryanair war die Flugbesatzung von weißrussischer Seite über eine mögliche Sicherheitsbedrohung an Bord in Kenntnis gesetzt und angewiesen worden, den nächstgelegenen Flughafen in Minsk anzufliegen, die Maschine wurde dabei von einem Kampfjet vom Typ MiG-29 begleitet. Der Linienflug konnte erst am Abend, nach der Festnahme Protassewitschs, ein dezidierter Kritiker des weißrussischen autokratischen Präsidenten Alexandr Lukaschenko, sowie einer weiteren Passagierin in Richtung Litauen starten. 

In Bukarest teilte das Auswärtige Amt am späten Abend mit, dass keine rumänischen Staatsangehörigen an Bord der Ryanair-Maschine gewesen waren. Das Dementi erfolgte, nachdem EU-Verkehrskommissarin Adina Vălean zunächst nach einem Telefonat mit dem Ryanair CEO eröffnet hatte, dass auch rumänische Fluggäste an Bord der Maschine sein könnten. Das Auswärtige Amt teilte zudem mit, dass Außenminister Bogdan Aurescu wegen dieses „inakzeptablen, gravierenden“ Vorfalls den weißrussischen Botschafter in Bukarest einbestellt hat. 

 

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