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„Schule muss Spaß machen“

Andrada Sorca unterrichtet für ihr Leben gern

Bei der Merito-Gala 2019 in Bukarest trug Grundschullehrerin Andrada Sorca ein Kleid, das von ihren Schülern bemalt worden war. Foto: Raul Mazilu

Die junge Grundschullehrerin beteiligt sich aktiv an Konferenzen und Fortbildungen. Foto: Raul Mazilu

Zum 8. März bereiteten die Schüler ihren Müttern eine Freude: Sie schufen Zeichnungen, die dann auf die personalisierten Tassen gedruckt wurden. Als Überraschung bekam auch „Frau Andrada“ eine solche Tasse. Foto: Andrada Sorca

So sieht die Wand vor der Vorschulklasse von Andrada Sorca aus: Die Kinder durften diese in der „Schule anders“-Woche bemalen. Foto: Raluca Nelepcu

In der kleinen, bunten Klasse im ersten Stock des Nikolaus-Lenau-Internats in Temeswar/Timișoara herrscht am Donnerstag, dem 28. März, ein reges Durcheinander. Die Kinder schälen Bananen und Orangen, die sie dann mit Hilfe von Plastikmessern in Stückchen schneiden. Unter ihnen befindet sich „Frau Andrada”, die ihnen liebevoll und gleichzeitig mit fester Stimme Anleitungen und Tipps gibt. Die kleinen Schülerinnen und Schüler der Vorschulklasse dürfen heute einen Obstsalat selbst zubereiten, ihn nach Belieben auf dem Teller arrangieren und dekorieren. Es ist die Woche, in der die Schüler Schule auch „mal anders” erleben dürfen. Und dabei trotzdem vieles dazulernen. Denn: „Schule muss Spaß machen”, sagt Andrada Sorca, Grundschullehrerin an der deutschen Nikolaus-Lenau-Schule, voller Überzeugung. Dass diesen Schülern die Schule Spaß macht, ist nicht zu übersehen. Im Hintergrund singt Pharrell Williams sein „Happy”-Lied.

Der Name „Andrada Sorca” ist spätestens seit dem Monat Februar ein bekannter in Temeswar. Über sie haben die (Lokal)Medien mehrmals berichtet, nachdem die 28-jährige Grundschullehrerin an Temeswars bedeutendster deutschen Schule mit dem Merito-Preis für besondere Leistungen in Sachen Unterricht ausgezeichnet wurde. Ende Fe-bruar beteiligte sie sich an der Preisverleihung in Bukarest, wo Staatspräsident Klaus Johannis höchstpersönlich die zwölf Unterrichtenden aus Rumänien auszeichnete.

„Ich habe nie für Preise gearbeitet“, sagt die junge Frau bescheiden. „Es gibt viele Lehrer in Rumänien, die ihre Arbeit gut machen und die diesen Preis verdient hätten“, fügt sie hinzu. „Wichtiger als der Preis an sich ist die Anerkennung allgemein für den Beruf des Lehrers. Die Leute sollten den Lehrer schätzen und ihm helfen“, sagt Andrada Sorca, auch Vorsitzende des Vereins „InEDU“ (Inițiativă în educație). Der Verein nimmt sich vor, Rumänien durch Bildung zu verändern und zur Verbesserung des Bildungsmilieus beizutragen. Auch für InEDU wurden über das wohltätige Sportevent „Timotion“ Gelder gesammelt.

Eine bewusste Entscheidung

Dass Andrada Sorca später Lehrerin werden sollte, das hatte sie recht früh gewusst. Praktisch wurde ihr der Beruf in die Wiege gelegt, denn auch ihre Mutter, Gabriela Sorca, ist Grundschullehrerin. Nach Abschluss der achten Klasse an der Nikolaus-Lenau-Schule wechselte Andrada Sorca nach Hermannstadt/Sibiu, wo sie die in Rumänien einzige deutschsprachige Schule zur Ausbildung von Lehrern – das Pädagogische Andrei-Șaguna-Lyzeum – bis zum Abitur besuchte. Anschließend studierte sie Pädagogik des Grundschulunterrichts an der Babeș-Bolyai-Universität in Klausenburg/Cluj-Napoca und verbrachte unterdessen etwa zwei Jahre dank eines Stipendiums an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Deutschland, um anschließend einen Masterstudiengang im Bereich „Bildungsmanagement“ in Temeswar anzutreten. „Die Erfahrung in Deutschland hat mir sehr viel gebracht. Ich habe dort viele Kindergärten und Schulen besucht und gesehen, wie Schule sein sollte. Ich wollte aber genau deswegen nach Rumänien zurückkehren, um die Schule hier besser zu machen. Es war eine bewusste Entscheidung, denn ich wollte hier etwas bewirken“, sagt Andrada Sorca überzeugt. Sie kehrte nach dem Studium in ihre Heimatstadt zurück und unterrichtet seitdem an der Nikolaus-Lenau-Schule.

Ihr Engagement als Grundschullehrerin kann sich sehen lassen. Im Sozialnetzwerk Facebook dokumentiert sie den Alltag mit ihrer Klasse, der Vorschulklasse, damit auch Außenstehende reinschnuppern und erfahren können, was der Beruf einer (engagierten) Grundschullehrerin überhaupt bedeutet. Dort können Facebook-Nutzer auch lustige Begebenheiten nachlesen, u.a. wie die junge Lehrerin an einem Tag Salz und Honig in die Schule geschleppt hat, weil über Geschmäcker im Unterricht gesprochen wurde, und einmal sogar den Eimer von zu Hause mitbrachte, um den Schülern zu zeigen, wie Gegenstände auf dem Wasser schwimmen. „Ich bin nicht die einzige Lehrerin, die so etwas tut. Ich sehe ständig Lehrer, die mit dem Koffer in die Schule kommen“, sagt Andrada Sorca lächelnd. Die Postings können unter dem Hashtag #jurnaldescoala nachgelesen werden.

Das Konzept des sogenannten „Upcycling“, bei dem gebrauchte Gegenstände eine neue Verwertung finden, ist für Andrada Sorca wichtig. „Ich versuche, so wenig wie möglich wegzuwerfen und so viel wie möglich zu recyceln, und überlege mir ständig, wozu Verpackungen oder ähnliche Gegenstände in der Schule gebraucht werden könnten“, sagt sie. „Schule anders“ heißt in erster Linie viel Spaß haben. Am vorletzten Tag der „Schule anders“-Woche an der Lenau-Schule bemalt Andrada Sorcas Klasse die Wand vor dem Klassenzimmer.  „Es ist eine Tätigkeit, auf die die Kinder schon lange gewartet haben“, verrät die junge Frau. Der Vater eines Jungen aus der Klasse hat die Konturen gezeichnet, die Kinder dürfen diese anschließend ausmalen. Am Ende des Tages ist ein buntes Bild zum Thema „Weltall“ entstanden. „Es passt zu unserer Klasse – die Sternenklasse“, fügt die Lehrerin hinzu. Ein willkommener Farbenfleck auf den sonst so faden, weißen Schulwänden.

Dass die Eltern besonders engagiert sind, ist offensichtlich. Auch bei dem Zubereiten des Obstsalats bekommt Andrada Sorca Unterstützung von einer Mama. Ioana Iacob, Schauspielerin am Deutschen Staatstheater Temeswar, hilft bei der Zubereitung des gesunden Frühstücks mit. Ihre Tochter Nina besucht die Vorschulklasse von Andrada Sorca.

Spielen im Unterricht

„Frau Andrada“, wie sie liebevoll von den Kindern genannt wird, setzt viel auf Zusammenhalt und Teamwork. Kinder, Lehrerin und Eltern bilden ein großes Team, das zusammenhält und zusammen entscheidet. „Ohne die Unterstützung der Eltern könnten wir oft nicht das erreichen, was wir uns wünschen“, gesteht die Unterrichtende. Tätig ist sie, wie alle anderen Lehrer in Rumänien, in einem unterfinanzierten Schulsystem. „Wir haben nicht alle Materialien, die wir brauchen, und die Schulen sind nicht so ausgestattet, wie sie es sein sollten“, fügt sie hinzu. Der Beruf einer Grundschullehrerin birgt auch andere Schwierigkeiten, weiß Andrada Sorca. Eine dieser Schwierigkeiten hängt mit dem Alter der Kinder zusammen. „Wenn die Kinder in die Schule kommen, dann sind sie sechs oder sieben Jahre alt. Ihre Bedürfnisse verändern sich im Laufe der Zeit. Man muss sich ständig an die Kinder und an die Zeiten anpassen“, sagt sie. „Man darf sich nicht nur auf den Unterricht konzentrieren, sondern man muss auch die Kinder kennenlernen und das braucht Zeit“, fügt sie hinzu.

Das didaktische Spiel ist eine der Methoden, die Andrada Sorca in den Klassen mit kleineren Kindern anwendet, um sie für den Unterricht zu begeistern. „Wenn man Kinder fragt, was sie in der Schule machen wollen, dann sagen alle, sie wollen spielen“, erzählt sie. Außerdem sei es sehr wichtig für sie, die Kinder und ihre Interessen zu kennen. „Meine jetzige Generation liebt Katzen und Tiere allgemein. Ich weiß das und suche für sie viele Arbeitsblätter mit Tieren. Oder ich erfahre, welche Zeichentrickfilme sie gerne schauen und verwende Sticker oder Bilder als Überraschung“, sagt sie. „Die Kinder heutzutage wollen in der Schule nicht still sitzen und zuhören, sondern sie wollen sprechen. Und man muss ihnen diese Möglichkeit im Unterricht bieten, sich auszutauschen, laut sein zu dürfen und untereinander zu sprechen. Natürlich nicht die ganze Stunde, aber man muss schon diese Zeit finden. Das ist eigentlich Klassenmanagement“, erklärt Andrada Sorca. 

Einige ihrer Ziele als Grundschullehrerin sind: „Dass es den Kindern Spaß macht, in die Schule zu kommen, und dass sie hier lernen, bessere Menschen zu sein“. Das erste Ziel ist sichtlich schon erreicht. Über das zweite wird die Zukunft entscheiden. Ihren Beitrag dazu leistet Andrada Sorca jetzt schon.  

 

 

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Kommentare zu diesem Artikel

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Bemerkungen :

  • user
    Anna 13.05.2019 Beim 14:09
    genau, interessant wäre zu erfahren, wie es in Rumänien aussieht..

    Grüße Ann
    Blog: https://topkorrektur.com/blog/lektorat
  • user
    Josef 02.05.2019 Beim 22:14
    Nach meinen Kenntnissen, richtiger deutsche Übersetzung für Timișoara ist TEMESCHBURG.

    Baden-Württemberg-02-05-2019 - 22:14:33 Uhr
  • user
    dan 02.05.2019 Beim 10:22
    " Ich habe dort viele Kindergärten und Schulen besucht und gesehen, wie Schule sein sollte"

    Was hilft diese Aussage, wenn nicht erklärt wird, was denn Frau Andrada in Deutschland gesehen hat, was besser ist als dort, wo sie in Rumänien arbeitete?

    Eine Pauschalaussage in einem Artikel, der auch deswegen oberflächlich bleibt.
Kanton Aargau