„Sorry, we're closed“

Eröffnung des Temeswarer Verkehrsmuseums seit Jahren in der Schwebe

Das „Corneliu Miklosi“-Museum ist zurzeit geschlossen. Gelegentlich öffnet es seine Tore, um Kulturveranstaltungen zu beherbergen, wie es die Kunstbiennale „Art Encounters“ im vergangenen Jahr gewesen ist.

Mehrere historische Trams gehören zum Bestand des Temeswarer Verkehrsmuseums. Eine derartige Straßenbahn kann auf Anfrage von Touristengruppen gemietet werden. Fotos: Zoltán Pázmány

So attraktiv können Stadtführungen sein: Die historische Tram „Gemenele“ befördert Touristen durch Temeswar. Foto: Andreas Mausolf

„Sorry, we´re closed“: Auf diese Anzeige stoßen Internetnutzer, die von der Existenz eines Verkehrsmuseums in Temeswar/Timi{oara erfahren haben und sich im Internet erkundigen wollen, was dieses Museum überhaupt zu bieten hat bzw. wann es besucht werden kann. Tatsächlich gibt es auf der Webseite des öffentlichen Nahverkehrsbetriebs STPT, unter www.stpt.ro, die Sonderspalte „Muzeu transport“, die Informationen zum „Corneliu Miklosi“-Verkehrsmuseum liefern sollte. Doch mehr als ein geschichtlicher Abriss in rumänischer Sprache zur Gründung dieses Museums ist auf der STPT-Webseite nicht zu finden. Das technische Museum am Take-Ionescu-Boulevard Nr. 56, wo einst ein Straßenbahndepot des STPT in Betrieb war, war noch nie für Besucher zugänglich, auch nicht vor dem von der Coronavirus-Pandemie bedingten Inkrafttreten des Notstandes in Rumänien. Auf der Webseite wird vermerkt, dass an der Einrichtung des Museums gearbeitet wird. Nur dann, wenn Kulturevents im Straßenbahnmuseum veranstaltet werden, öffnet die Einrichtung ihre Tore für Außenstehende.

Tram Club Banat zeigt sich besorgt

Die ungewisse Situation des Museums, das bereits vor einigen Jahren hätte eröffnet werden sollen, stimmte dessen Initiatoren recht besorgt. Die Vertreter des Tram Clubs Banat (TCB), einer Non-Profit-Organisation mit Sitz in Temeswar, die im Jahr 2000 ins Leben gerufen wurde, fragen sich seit mindestens einem Jahr, wieso das Museum immer noch nicht in Betrieb ist und ob das ursprüngliche Konzept – jenes eines ausschließlichen technischen Museums – umgesetzt wird oder nicht. Im Zuge des Europäischen Kulturhauptstadtjahres 2021, das in etwa neun Monaten anbricht, wäre ein technisches Verkehrsmuseum in Temeswar ein zusätzlicher Anziehungspunkt und ein großer Image-Gewinn für die Stadt an der Bega, sind die Vertreter des TCB überzeugt.

Die ersten Schritte zur Gründung eines Verkehrsmuseums in Temeswar wurden im Jahr 2000 unternommen, als der gemeinnützige Verein „Tram Club Banat“ zustande kam. Mitglieder der Non-Profit-Organisation waren der Temeswarer Nahverkehrsbetrieb (damals noch unter dem Namen „RATT“ bekannt) und die Verkehrsbetriebe in Arad und Reschitza. Eines der Hauptziele der Organisation war und ist die Wahrung und Pflege von historischen Straßenbahnen und deren Nutzung für touristische Zwecke, aber auch die Aufarbeitung der Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs in Temeswar.

Durch die gemeinsamen Bestrebungen des TCB und des Temeswarer Nahverkehrsbetriebs konnte im Laufe der Jahre eine Sammlung von historischen Straßenbahnen zustande gebracht werden – einige dieser Trams wurden mit Unterstützung von Fachleuten aus dem In- und Ausland saniert und werden bei öffentlichen Veranstaltungen in Temeswar gern gezeigt. Im Juli vergangenen Jahres konnten die Stadtbewohner und die Touristen die von Pferden gezogene Straßenbahn bei der Parade zum 150-jährigen Straßenbahnjubiläum bewundern. Weitere historische Straßenbahnen, die das „Corneliu Miklosi“-Museum beherbergt, sind die Zwillings-Waggons „Gemenele“, die Motorwaggons Timi{ T1-62, Electroputere V 54, u. v. m. Ebenfalls dank der guten Beziehungen des TCB mit ähnlichen Vereinen in Europa konnte die Sammlung aus Temeswar erweitert werden. Die zwei Plattformwagen von der Museumstramway in Mariazell, aber auch der Personenwagen der Type L, den die Stadt Wien spendete, sind nur einige Beispiele. Zum Museumsbestand gehören auch zehn Trolleybusse, der älteste davon im Jahr 1960 erbaut, und der „jüngste“ 1996. Am 25. Juli 2019 wurde per Stadtratsbeschluss das Verwaltungsrecht des „Corneliu Miklosi“-Museums vom STPT auf das Bürgermeisteramt Temeswar übertragen. Eine Antwort seitens des Bürgermeisteramtes Temeswar auf die Frage, wann denn die Eröffnung des Museums geplant sei, blieb bis zum Verfassen dieses Artikels aus.

Konkrete Antworten bleiben aus

Die Tatsache, dass die Tore des Museums, das bereits vor zwei Jahren hätte offiziell eröffnet werden müssen, immer noch verriegelt sind, veranlasste die Vertreter des Tram Clubs Banat dazu, sich bereits im Januar 2019 mit offenen Briefen an die Stadt- und Kreisverwaltung zu wenden. Angeschrieben wurde nicht nur der Bürgermeister Nicolae Robu, sondern auch der Vorsitzende des Temescher Kreisrats, Călin Dobra, der Leiter des Kreiskulturamtes, Sorin Predescu, und der Direktor des STPT, Nicolae Bitea. „Es entsteht der Eindruck, dass bei den Verantwortlichen die Bedeutung des umfassenden Konzeptes nicht begriffen wurde, in dem die Präsentation möglichst fahrbereiter Fahrzeuge (sämtliche noch vorhandenen Entwicklungsstufen) neben Dokumentationen zur Geschichte des Unternehmens sowie der Fahrzeuge und anderer mit dem Themenbereich verbundener Aspekte (Waggonbau) in Exponaten und Dokumenten nebeneinander stehen. Ein Blick nach Wien, Brüssel, Nürnberg oder in viele andere Städte, die mit solchen Einrichtungen attraktive Angebote für Einheimische und Touristen gestalten und noch dazu zur Erforschung der städtischen Technikgeschichte beitragen, könnten den Verantwortlichen zeigen, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um ihre Museumslandschaft zu erweitern. Wir haben mehrfach Darstellungen aus diesen Städten vorgelegt und die dortigen Situationen beschrieben. Reaktionen sind nicht erfolgt“, sagt Andreas Mausolf aus Bremen, eines der Gründungsmitglieder des Tram Clubs Banat.

Aus den Medien erfuhren die deutschen Mitglieder des Tram Clubs Banat über die Mischnutzung der Halle am Take-Ionescu-Boulevard, in der das „Corneliu Miklosi“-Museum untergebracht ist. Als ein deutscher Künstler während der Kunstbiennale „Art Encounters“ eine Installation schuf, verwandelte sich die Museumshalle in ein riesiges Atelier. Andreas Mausolf zeigte sich darüber regelrecht besorgt: „Werkstattprojekte in Hallen arbeiten zu lassen, die der Unterbringung historischer Fahrzeuge dienen, stellt letztlich sogar ein Sicherheitsrisiko dar. Beschädigungen sind vorprogrammiert, gegenseitige Belästigungen ebenso. Im Übrigen reicht der Platz im Miklosi-Museum nicht einmal für eine besucherfreundliche Präsentation des vorhandenen Materials, weil ja bekanntlich vereinbart wurde, auch von den ´Second-Handern´ je ein Exemplar pro Type auszustellen. Schließlich haben diese Fahrzeuge über 25 Jahre in der Stadt Dienst getan“, erklärt er. „Hätten wir gewusst, dass bei dem Projekt letztendlich eine solch unsachliche Mischnutzung herauskommt, hätte sich kaum jemand im TCB für das Museum stark gemacht“, fügt das Gründungsmitglied des Tram Clubs Banat hinzu.

Mischnutzung in Sicht

Der Tram Club Banat ist nach wie vor der Ansicht, dass das Temeswarer Verkehrsmuseum ein klares, themenbezogenes Konzept haben muss – so wie es ursprünglich vereinbart war, als sich der Tram Club Banat für den Aufbau des Miklosi-Museums stark machte. Dass die Halle nun auch für Kulturevents genutzt wird, empfindet Andreas Mausolf als ungeeignet. „Können Sie sich vorstellen, dass der Direktor eines Kunstmuseums im Erdgeschoss seines Hauses historische Straßenbahnen ausstellen wollte? Es gibt solche Kombinationen nicht. Spezielle Museen richten sich an bestimmte Besuchergruppen. Diese wollen ´für ihr Geld´ eine exklusive Thematik attraktiv und angemessen präsentiert bekommen. Hinzu kommt, dass wir am ´Take Ionescu´ nur einen großen Museumsraum haben, in dem dann jeweils Platz geschaffen werden müsste für ´Event-Nutzung´. So etwas ginge nur zu Lasten der eigentlichen musealen Präsentation und das ist nicht sinnvoll und darüber hinaus risikobehaftet“, betont Andreas Mausolf. Die Leitung des Nahverkehrsbetriebs ist jedoch einer völlig anderen Meinung. „Wir finden, dass Technik und Kultur heutzutage immer enger miteinander im Kontakt stehen sollten, dass jeder dieser Bereiche seine Stärken nutzen sollte, um die Gesellschaft darauf vorzubereiten, die Zukunft zu erforschen. Temeswar hat sich im Laufe der Zeit sowohl durch seine Geschichte, die mit der Technik, aber auch mit der Kunst zusammenhängt, bewährt (die Universität „Politehnica“ und die Sigma-Gruppe sind nur einige Beispiele dafür). Wir empfinden die Veranstaltung von Kulturevents in einem Raum, der als ´technisches Museum´ gilt, sowohl als normal, als auch als angemessen“, schrieb voriges Jahr, auf Anfrage der ADZ, der STPT-Direktor Nicolae Bitea.

Das „Corneliu Miklosi“-Museum soll Teil des „MultipleXity“ sein, des geplanten Zentrums für Kunst, Technologie und Experiment, die wohl bedeutendste Hinterlassenschaft des Kulturhauptstadtjahres 2021, verriet der STPT-Direktor, ohne auf weitere Details diesbezüglich einzugehen. „Das MultipleXity möchte die Ortsgeschichte und das Kulturerbe im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs, das sehr wichtig für die Entwicklung von Temeswar ist, fördern“, so Nicolae Bitea in seinem Schreiben. Der von der Stadtverwaltung im Januar dieses Jahres initiierte Lösungswettbewerb für das geplante „MultipleXity“ endet am 15. April; bis dann können interessierte Unternehmen ihre Entwurfsprojekte zum künftigen Kunst-, Technologie- und Experimentierzentrum beim Bürgermeisteramt einreichen. Das zwölf Millionen Euro schwere Projekt, das die Einrichtung eines Gebäudes mit Mehrzweckräumen vorsieht, soll bis 2021 umgesetzt werden. Bis dann könnte auch das „Corneliu Miklosi“-Museum den Besuchern zugänglich gemacht werden – allerdings nicht als rein technisches Museum, wie es sich seine Initiatoren ursprünglich vorgestellt hatten.

 

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