Sozialistische Moderne an der rumänischen Schwarzmeerküste

Cezar Lăzărescu und Aron Solari Grimberg haben Eforie und dem Norden von Mangalia ihr Gesicht gegeben

Die nach den Regionen des Landes benannten Hotels Oltenia, Maramureș, Banat und Crișana sowie das Transilvania (Majestetic), Muntenia (Palm Beach) und Moldova dominieren den Norden von Olimp. Etwas südlich – außerhalb des Bildes – befindet sich der unzugängliche Strandabschnitt des Präsidenten mit den Villen der alten politischen Eliten. Im Vordergrund des Bildes befindet sich das ebenfalls unzugängliche Luxus-Resort „Novum by the Sea“ der neuen Geldeliten, an welches ein von Wildcampern genutzter Abschnitt anschließt. Fotos: Michael Mundt

Das Hotel Amfiteatru dominiert durch seine zentrale Lage das Ensemble sowohl durch Höhe als auch Vertikalität der Fassade. Noch Anfang Juli sah es nicht danach aus, dass der nun Phoenicia Blue View Resort genannte Komplex noch in dieser Saison eröffnen wird.

Der Kontrast der Epochen lässt sich in Eforie erkennen: Im südlichen Teil der Stadt, der in der Zwischenkriegszeit Carmen Sylva genannt wurde, nach dem Pseudonym der Königin Elisabeth von Rumänien, finden sich noch immer einige Villen vom Anfang des 20. Jahrhunderts. In Eforie Nord hat mit dem Hotel Bellona sogar ein Bau von George Matei Cantacuzino die Zeit überdauert.

Die Architektur der sozialistischen Moderne sollte einst die kommunistischen Utopien symbolisieren, auch in der touristischen Infrastruktur. Die markanten Bauten für die Tausenden Arbeiter und Studenten dominieren auch heute noch durch ihre massive Erscheinung die Schwarzmeerküste zwischen Konstanza und Mangalia. Die brutalistische Bauweise, als Zäsur mit der historistischen Repräsentationsarchitektur sowie auch der rationalen Bauhausmoderne, gilt nicht als die schönste Form der Architektur und musste nach dem Epochenbruch 1989/90 in West- und Osteuropa schnell einer neuen bürgerlichen Architektur weichen. Die Erneuerung der alten touristischen Infrastruktur nördlich von Mangalia wurde allerdings erst in den letzten Jahren intensiviert. Dem nun individualisierten Massentourismus mussten dabei insbesondere die kleineren Funktionsbauten weichen. Doch während gerade in Costinești unzählige Pensionen ohne architektonischen Anspruch die Vergangenheit unter sich begraben, lässt sich doch in allen Ferienorten noch die Geschichte der vergangenen politischen Systeme und architektonischen Epochen entdecken – obgleich an Büffelbrunnen nur noch der gleichnamige Roman von Adolf Meschendörfer erinnert.

Flankiert ist die rumänische Schwarzmeerküste von den Moscheen und Minaretten in Eforie, Tuzla und 23 August. Die Esmahan-Sultan-Moschee in Mangalia ist sogar eines der beiden ältesten islamischen Gotteshäuser im modernen Rumänien. Und an ihrem Eingang haben in Eforie Sud sogar einige Villen vom Anfang des 20. Jahrhunderts die Zeit überdauert, als der Kurort noch Carmen Sylva genannt wurde.

Die Entwicklung der touristischen Infrastruktur nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Eforie und Mangalia – aber auch in Mamaia – ist insbesondere mit zwei Namen fest verbunden: Cezar Lăzărescu und Aron Solari Grimberg. Um 1953 wurde eine junge Architekten-Gruppe unter der Leitung von Lăzărescu damit beauftragt, das touristische Potenzial der rumänischen Küste zu analysieren. Ihr Schwerpunkt lag neben der Region Konstanza-Mamaia-Năvodari insbesondere auf dem Kurort Eforie und dem Techirghiol-See. Der in Bukarest geborene Lăzărescu (1923-1986) profitierte dabei insbesondere von der Ausgrenzung und Verhaftung der Architekten des alten Systems. Beispielsweise wurde George Matei Cantacuzino nach Gefängnisaufenthalten in Aiud und Pitești sowie in einem Arbeitslager am Donau-Schwarzmeer-Kanal erst 1954 endgültig freigelassen und widmete sich in seinen letzten Jahren dem Denkmalschutz und der Restaurierung mehrerer Kirchen in der nördlichen Moldau. Grimberg (1928-2019) hingegen zeichnete sich ab 1962 maßgeblich für die Entwicklung von Neptun-Olimp verantwortlich. In Bacău in eine jüdische Familie geboren, war er bis 1958 zunächst Assistent an der Fakultät für Architektur in Bukarest, wurde aufgrund seines Ausreiseantrags in den folgenden Jahren allerdings marginalisiert – bis zur Rücknahme seines Gesuchs.

Den Weg zu ihrer standardisierten und einfachen Architektur, basierend auf wirtschaftlichen Überlegungen, bereitete ihnen Nikita Chruschtschow am 7. Dezember 1954 in Moskau. Mit seiner historischen Abschlussrede vor dem Nationalen Baukongress der Sowjetunion beeinflusste der damals Erste Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU die Architektur des 20. Jahrhunderts, wie es sonst nur Vordenker der Moderne geschafft haben, etwa Walter Gropius 1919 mit seinem Bauhaus-Manifest oder Le Corbusier 1943 mit der Charta von Athen. „Wir haben die Verpflichtung, erheblich an Geschwindigkeit zuzulegen, die Qualität der Bauten zu verbessern und ihre Kosten zu senken“, war eine der zentralen Aussagen von Chruschtschow.

Dabei sind brutalistische Bauten keineswegs ein Phänomen der östlichen Staaten. Vielmehr nahm der Architekturstil seinen Ausgang im Großbritannien der Nachkriegszeit sowie in Schweden und Frankreich. Für Rumänien und die Republik Moldau hat B.A.C.U. (Birou pentru Artă și Cercetare Urbană) vor drei Jahren das Buch „Socialist Modernism in Romania and the Republic of Moldova“ herausgegeben, welches auf 188 Seiten genau ausgewählte 242 Objekte der sozialistischen Moderne vorstellt und dabei auch die regionalen Besonderheiten in der Ornamentik aufgreift.

In Eforie zählt insbesondere das Hotel Europa zu den markantesten Bauten von Cezar Lăzărescu, der sich keineswegs komplett der sozialistischen Moderne verschrieben hatte. Mit seinem Bau wurde 1965 begonnen und es sollte nach seiner Fertigstellung vornehmlich ausländische Touristen beherbergen. Im Jahr 2001 wurde das Hotel schließlich durch die Ana-Hotels-Gruppe von George Copos übernommen, komplett renoviert und um einen Spa-Bereich erweitert. In Folge der Großen Rezession ab 2007 ging auch der Tourismus an der rumänischen Schwarzmeerküste zurück, insbesondere in den Monaten der Nebensaison, sodass das Hotel in den Wintermonaten geschlossen blieb. Heute kostet eine Nacht in dem 4-Sterne-Hotel in der Hauptsaison mindestens 570 Lei.

Unter der Leitung von Aron Solari Grimberg ist ab 1970 in Olimp eine der Perlen der rumänischen Schwarzmeerküste entstanden. Das Ensemble Amfiteatru-Panoramic-Belvedere setzt sich aus insgesamt drei Hotels zusammen, welche sich als Halbkreis zum Strand öffnen. Der Komplex, der auch Gewerbe- und Freizeiträume umfasste, blieb gleichwohl ebenfalls hauptsächlich ausländischen Touristen vorbehalten. 2008 ging das Ensemble dann in die Unita Turism Holding des Banater Schwaben Josef Goshy über, der die Ruine schließlich an Mohammad Murad, einen der größten Hotelbesitzer im Land, verkaufte. In den vergangenen Monaten wurde der Komplex für rund 200 Millionen Lei modernisiert. Die Wiedereröffnung als Phoenicia Blue View Resort fand erst vor wenigen Wochen statt. Drei Nächte in dem 4-Sterne-Hotel kosten in der Hauptsaison aktuell mindestens 2800 Lei.

Lăzărescu und Grimberg haben auch an verschiedensten Projekten gemeinsam gearbeitet, wie beispielsweise dem Restaurant Neon (1957) in Eforie Nord. Durch seine leichte Struktur und seine hervorragenden konstruktiven Elemente zählt das zweistöckige Restaurant mit mehreren Speisesälen zu den ersten Beispielen für ehrliche zeitgenössische Architektur, ohne die für die sozialistische Moderne typischen dekorativen Übertreibungen. Mittlerweile ist der Vorzeigebau allerdings zu einer Ruine verkommen.

 

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