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Tagesausflüge im Lippaer Hügelland

Ein paar (Geheim-)Tipps für die Besucher der Westregion

Nicht weit von Maria Radna befinden sich auf einem Hügel die Ruinen der mittelalterlichen Burg Schoimosch: Die Aussicht von oben ist herrlich.

Ein imposanter Bau – die päpstliche Basilika Maria Radna

Der Klosterkomplex von Maria Radna beherbergt ein modernes Museum über die Geschichte des Ortes. Fotos: Zoltán Pázmány

Das Minischer Weinbaugebiet lockt mit einer Vielfalt attraktiver Weine.

Ein Touristenmagnet ist Temeswar/Timișoara, allerdings kann die Kulturhauptstadt Europas 2021 in nur zwei-drei Tagen erkundet und bewundert werden. Reisende, die länger dort weilen, zieht es oft auch in die Region. Zu bieten hat die Westregion Rumäniens allerlei: Naturschönheiten, Festungen, Kirchen und historische Bauten, atemberaubende Panoramaaussichten und nicht zuletzt leckeres Essen und Getränke für alle Geschmäcker in zahlreichen Gaststätten und Restaurants


Im Kreis Temesch können Reisende Tagesausflüge in die Region unternehmen. Ein Geheimtipp wäre das zur Gemeinde Neuhof/Bogda gehörende ehemals deutsche Dorf Altringen, 46 Kilometer von Temeswar entfernt. Casa Altringen – auf Deutsch: das Haus Altringen – ist eine Pension mit Restaurant, die Gäste von nah und fern empfängt, egal, ob für ein verlängertes Wochenende oder nur für eine kurze Bleibe zu Mittag, wenn der Hunger sich meldet. Die rustikal eingerichtete Gaststätte wird gerne von Unternehmen für Workshops und Team-Building-Aufenthalte gebucht, daher ist es wichtig, für eine Zimmerreservierung vorher anzurufen. Was man dort erleben kann: Ruhe pur, wie das nur noch auf dem Dorf möglich ist. Was man dort (mancherorts) vermisst: den Handyempfang. In der Gegend kann man Radfahren, einen Ausflug in den naheliegenden Wald oder in das kreisförmig angelegte Dorf Charlottenburg/Șarlota unternehmen oder aber – wenn gerade ein Ereignis ansteht – bis nach Buzad, dem als „The Village“ bekannten Nachbardorf, fahren. „The Village“ ist ein Konzept mehrerer Temeswarer, die sich dort Häuser gekauft haben und die sogenannte „Electroruga“ - ein Dorffest mit elektronischer Musik und nicht nur - ins Leben gerufen haben. Die diesjährige Electroruga findet am 30. August statt.

Lippa und Radna

Wenn man schon auf dieser Strecke ist, die über die Lippaer Hügel ins Maroschtal und in den Kreis Arad führt, dann kann man es auch etwas weiter wagen. Bis nach Lippa/Lipova und Radna, wo die Basilika Maria Radna über alle Bauten emporragt. Die römisch-katholische Wallfahrtskirche ist die größte in Westrumänien und zentraler Treffpunkt für Pilger von überallher. Saniert wurde sie erst vor wenigen Jahren, sodass sich der imposante Bau innen wie außen sehen lassen kann. Im Inneren befindet sich eine Ikone der Gottesmutter Maria, die laut Aussagen der Gläubigen Wunder bewirkt haben soll. Der Klosterkomplex, von Franziskanern gegründet, beherbergt ein Museum, dessen Besichtigung von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 16 Uhr möglich ist. Einzelbesucher zahlen 8 Lei für die Museumsbesichtigung, für Gruppen von mehr als zehn Personen kostet der Eintritt 5 Lei/Person. Anmeldungen sind beim Museumskustos und Pfarrer Ioan Cădărean unter der Mobiltelefonnummer +40729919965 möglich. Was man dort erleben kann: die sagenumwobene Geschichte des Ortes, aber auch Ruhe und Geborgenheit. Was man dort vermisst: Gerade diese Ruhe, sollte man während den Hochzeiten des Pilgerns, zu den Marienfeiertagen, beschließen, der Wallfahrtskirche einen Besuch abzustatten.

Touristen, die es nach Lippa gezogen hat, sollten sich unbedingt auch die Innenstadt des Kurbads anschauen. Der türkische Basar in Lippa ist eine einzigartige Konstruktion in Rumänien und wurde vor etwa vier Jahrhunderten von den Türken, die damals die Region besetzten, erbaut. Heute sind dort verschiedene Geschäfte untergebracht. Interessant ist auch der Bau der orthodoxen Kirche „Adormirea Maicii Domnului“ in Lippa, der aus dem 14. Jahrhundert stammt und sehenswerte Ikonen-Wandmalereien beherbergt.

Schoimosch und Reiten

Wer es nach Radna geschafft hat, der möge es nicht verpassen, den Hügel, auf dem die Ruinen der mittelalterlichen Schoimosch-Burg stehen, zu besteigen. Was man dort erleben kann: ein atemberaubendes Panorama der Region Lippa, die von der Marosch durchquert wird. Was man dort vermisst: den Schatten, vor allem im Sommer, wenn die Hitze brennt. Hut oder Kappe nicht vergessen! Doch unter-wegs gibt es auch Bäume und Sträucher, unter denen man sich vor der Sonne verstecken kann. Das Auto muss am Fuße des Hügels, auf dem die Burgruine steht, geparkt werden, hinauf geht es nur per pedes, doch der Hügel ist nicht so hoch wie er auf dem ersten Blick erscheint. Lediglich 130 Meter, dann ist das Ziel schon erreicht.

Von dort aus könnte es beispiels-weise in Richtung des Dorfes Kladowa/Cladova im Kreis Arad weitergehen. Die Ortschaft liegt etwa zehn Kilometer von Șoimoș entfernt. Um sie zu erreichen, muss man von der Nationalstraße DN7, die nach Arad führt, rechts in die Gemeindestraße 69 einbiegen. Dort gibt es eine Reitschule, die unter dem Namen „Valea Cailor“ auf Facebook zu finden ist. Der Verein organisiert nicht nur Reitkurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, sondern auch Ausflüge mit Pferden im Zărandului-Gebirge. Zusätzliche Infos gibt es unter Tel. 0723690860.

Essen und Trinken

Weinliebhaber kommen in dieser Region ganz bestimmt auf ihre Kosten. In Paulisch/Păuliș, etwa neun Kilometer von Maria Radna entfernt in Richtung Arad gelegen, befinden sich die Weinstuben „Wine Princess“, 1999 gegründet, mit dem Ziel, den alten Glanz der historischen Weinregion (einst – und lange vor Tokay - Weinberge der ungarischen Könige) wieder aufleben zu lassen. In den Weinstuben von Géza Balla (www.ballageza.com) können angemeldete Touristen und Reisegruppen verschiedene Weinsorten und Speisen verkosten. Anmeldungen sind beim Diplom-Önologen Géza Balla unter Tel. 074452064 oder unter der Mailadresse winetourism@ballageza.com möglich. Was man dort erleben kann: Köstliche Weine, egal ob billig oder teuer, leckeres Essen, gastfreundliche Pensionsinhaber.

Etwa eine Stunde von Lippa entfernt, über Paulisch und Minisch, in einer Entfernung von 75 Kilometern, erreicht man die Arader Kleinstadt Ineu. Dort wurde ein Gasthof eröffnet, der mit seinem leckeren Essen und den vielfältigen Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten überzeugt. „Moara cu Noroc“ nennt sich die Gaststätte – für Rumänen ein bekannter Name, denn „Moara cu noroc“ ist auch Titel der Novelle des aus Hellburg/Șiria/Villágos stammenden rumänischen Autors Ioan Slavici, die in dieser Gegend spielt. In der „Moara cu noroc“ kann man übernachten oder auch nur kurz anhalten, um zu essen. Rumänische Spezialitäten bzw. solche aus dem Kreischgebiet stehen auf dem Menü, abends heizen die Musikanten/Fiedler die Atmosphäre an. Die Zimmer sind mit alten, restaurierten Möbeln ausgestattet, der Gast bleibt aber nicht ohne den Komfort der modernen Zeit, den der permanente Zugang zum Internet über WiFi oder die Flachbildfernseher bieten. Wer es bis hierher schafft, der sollte zumindest eine Nacht in dieser Herberge verbringen. Unter www.hanulmoaracunoroc.ro können Touristen Buchungen vornehmen. Die Webseite ist auch auf Englisch vorhanden. Der Präsentationsfilm der Gaststätte in rumänischer, siebenbürgischer Mundart ist für rumänischsprachige Reisende ein Genuss. Genauso wie die Speisen, die den Touristen dort aufgetischt werden.

Städtetourismus hat viel mit Besichtigen zu tun. Man will recht viel in einer oft zu kurzen Zeit sehen. Fürs Reisen in die dörfliche Gegend sollte man sich hingegen Zeit lassen; Land und Leute kennenlernen, Eindrücke verinnerlichen, Essen und Getränke so richtig genießen. Dafür bietet das Lippaer Hügelland jede Menge Möglichkeiten, die nur darauf warten, entdeckt zu werden.


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