ThreeT: Neue touristische Themenwege

Kronstädter Beiträge im Rahmen des EU-Projektes „Thematic Trail Trigger“

Im März 2019 wurde in Kronstadt ein gemeinsamer Workshop der Three- T-Projektpartner veranstaltet.
Fotos: Kreisrat Kronstadt

Das Management der Besucher-Zielgruppen im Nationalpark Königstein gilt als als gutes Praxisbeispiel.

„ThreeT“ (DreiT) lautet die Abkürzung für das vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung über das interregionale Kooperationsprogramm (Intereg Europe) kofinanzierte Projekt „Thematic Trail Trigger“. Das bedeutet: Themen ins Leben umsetzen, die den Voraussetzungen eines nachhaltigen und umweltfreundlichen Tourismus entsprechen. Die acht Partner in diesem im Juni 2018 gestarteten Projekt sind: Die Provinz Livorno als Leadpartner und die Region Toskana (Italien), die Landschaft Mittelfinnland, das Regionalmanagement Mittelhessen (Deutschland), die Inseln Malta und Teneriffa (Spanien), der Verwaltungsbezirk Vas (Ungarn), die Woiwodschaft Kujawien-Pommern (Polen) und der Kreis Kronstadt/Brașov. Ihr gemeinsames Ziel ist es, den Schutz, die Zugänglichkeit und die Sichtbarkeit des lokalen Natur- und Kulturerbes zu verbessern. Dafür sollen neue Themenrouten vorgeschlagen und angelegt werden oder bereits bestehende Routen unter Berücksichtigung umweltfreundlicher und nachhaltiger Mobilität verbessert werden. Vorgesehen werden dafür insgesamt 1.892.764 Euro. Dem Kreis Kronstadt kommen 184.512 Euro zu – eine Summe, die zu 85 Prozent aus EU-Geldmitteln gedeckt wird. Das rumänische Ministerium für Regionalentwicklung steuert 13 Prozent bei (23.986,43 Euro); der Eigenanteil des Kreisrates Kronstadt beträgt 3.690,22 Euro (zwei Prozent).

Am 26. Mai fand beim neuen, am Stadtrand Richtung Biengärten/Stupini gelegenen Kronstädter Geschäftszentrum CATTIA die lokale Abschlusskonferenz der ersten Projektphase statt. Abgehalten wurde sie vor einer aus gesundheitlichen Vorsichtsmaßnahmen begrenzten Anzahl von Zuhörern, wobei per Videoschaltung auch Teilnehmer aus dem In- und Ausland zu Wort kamen oder ihre vorher aufgenommenen Botschaften vorstellten. Kronstadt wurde vertreten vom Keisratsvorsitzenden Adrian Veștea, von [erban Todoric˛, einer seiner zwei Stellvertreter, dem Kronstädter Bürgermeister Allen Coliban sowie von dem Umweltschutzexperten Mihai Dragomir (Asocia]ia Mioritics). Moderiert wurde die Konferenz von Alexandru Prișcu, Manager des bestbesuchten Reiseziels im Kreis Kronstadt – das Törzburger Schloss. Die wichtigsten Wortmeldungen kamen, wie erwartet, von der Kronstädter Managerin des Three-T-Projektes, Alina Szász.

Die Konferenz bot Gelegenheit zur Rückschau auf die acht Studienbesuche in jeder der am Projekt beteiligten europäischen Region, und auf die zahlreichen Workshops, wobei der gemeinsame Erfahrungsaustausch und die Vorstellung der besten Praxisbeispiele ausschlaggebend waren. Bereits in den Ansprachen der führenden Vertreter der lokalen Verwaltungsbehörden wurde die Hoffnung geäußert, dass der Kreis Kronstadt seine starke Stellung im rumänischen Tourismus (laut inoffiziellen Angaben die Nummer 1 unter den rumänischen Landeskreisen) beibehalten und ausbauen kann, aber unter Berücksichtigung und Förderung der Ziele des Three-T-Projektes. Bürgermeister Allen Coliban wünscht sich ein zu 100 Prozent für Radfahrer taugliches Kronstadt sowie die der Stadt verwaltungsmäßig angegliederte Schulerau/Poiana Bra{ov als attraktives Reiseziel rund ums Jahr, und nicht nur in der Wintersaison. Adrian Veștea setzt auf einen nachhaltigen Tourismus, der das natürliche und kulturelle Erbe entsprechend schützt, aber auch zur wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinden und des Kreises beiträgt. Das setze verantwortungsbewusste Touristen wie auch touristische Dienstleistungsanbieter voraus. Sein Stellvertreter [erban Todoric˛ betonte die Bedeutung eines gut angelegten und entsprechend gekennzeichneten Netzes von Radfahrwegen.

Rad- und Wanderwege sind im Kronstädter Aktionsplan für die zweite Projektphase, die bis November 2022 läuft, gut vertreten. Unterstrichen wurde, dass die Zusammenarbeit zwischen Kreisrat, lokalen Behörden (Bürgermeisterämter der Gemeinden), Nichtregierungsorganisationen, Vereinen, Freiwilligen als Vertreter der Benutzer und Fachleuten entscheidend für das Anlegen und Nutzen der neuen Wege sei. Wenn ein Weg da sei, müssen auch Leute da sein, die diesen Weg und die dazu gehörende Infrastruktur (Rastplatz, Infotafeln, Markierung) warten, die Touristen mit Informationen weiterhelfen können, die vielleicht auch Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung stellen. Gute Beispiele gebe es bereits z.B. im Repser Ländchen (Deutsch-Weißkirch/Viscri, Meschendorf/Meșendorf, Bodendorf/Bunești). Manager Prișcu wünscht sich eine Radverbindung Kronstadt – Rosenau/Râșnov – Törzburg/Bran als eigenständige Alternativroute und nicht lediglich als Parallelweg zur Landstraße oder zum Eisenbahngleis. Zu den existierenden Wanderwegen im Hochgebirge (Fogarascher Gebirge, Königstein/Mun]ii Piatra Craiului, Butschetsch/Bucegi, Krähenstein/Ciucaș) und zu den neu gekennzeichneten Wanderwegen am Zeidner Berg sollen neue Wege im Perșani-Massiv hinzukommen und auch eine Verbindung des Norden des Kreisgebietes mit dem Süden. Der Königstein und die Rosenauer Burg waren bei Studienbesuchen besichtigt worden und gelten als gute Praxisbeispiele, etwa wenn es um den Zugang mit unmotorisierten Verkehrsmitteln geht. Kirchenburgen in ehemals sächsischen Gemeinden des Burzenlandes sollen mit einem Themenweg verbunden werden, wobei auch die Rosenauer Bauernburg, die Marienburg, die Törzburg und die Repser Burg eingebunden werden. Besseres Infomaterial, gute Führungen und leichterer Zugang (auch über öffentliche Verkehrsmittel) wurden angesprochen, wie auch die Tatsache, dass bei diesen Sehenswürdigkeiten sowie in Gaststätten, Hotels und Pensionen in deren Umfeld für die in der Nähe liegenden Reiseziele geworben wird. So könne man die Touristen für einen längeren Aufenthalt in Kronstadt und Umgebung gewinnen und nicht nur für einen Kurzaufenthalt mit einer oder zwei Übernachtungen, wie das gegenwärtig noch für die Mehrheit der Touristen gilt. Im Aktionsplan aufgenommen sind auch die Einrichtung eines Netzwerks für die lokale Gastronomie und die Förderung eines nachhaltigen Tourismus entlang des Alts, vor allem im Fogarascher Land. Als Sonderpunkt wurde im Aktionsplan ein Pilotprojekt aufgenommen, für das 53.500 Euro vorgesehen sind. Es handelt sich um die Ausweisung von Gebieten nach finnischem Muster, in denen die Stille als touristische Attraktion angeboten wird. Da solche Gebiete abgelegen und bisher unbekannt sind, könnte dieses Angebot der dortigen Bevölkerung die Chance zu einer nachhaltigen lokalen Entwicklung bieten.

Denn zu sehen und zu erleben gibt es für die Besucher von nah und fern im Kreis Kronstadt vieles. Ob man dabei nahtlos an die Situation vor der Corona-Tourismuskatastrophe anknüpfen kann, ist nicht sicher und in manchen Bereichen auch nicht zu wünschen. Massentourismus ist im Three-T-Programm fehl am Platz. Die Interessenvertreter (Stakeholder), die sich für einen nachhaltigen und umweltbewussten Tourismus einsetzen (in Kronstadt in diesem Projekt z.B. der Verein für Ökotourismus AER, der Mihai Eminescu Trust, der Siebenbürgische Karpatenverein, das Schloss Bran, der Verein Mioritics, CEM Moeciu, die Kronstädter Transilvania-Universität und viele andere) sind nun aufgerufen, über Think-Tank-Gruppen den Aktionsplan weiter zu führen und seine Umsetzung zu verfolgen.
 

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