Viren unter sich

Symbolfoto: pixabay

Menschen mit HIV sind unter wirksamer HIV-Therapie keinem erhöhten Risiko ausgesetzt, einen schwereren Verlauf von Covid-19 zu erleben, zitiert die Deutsche Aidshilfe den Stand der Wissenschaft. Demgegenüber betont sie jedoch, dass das Risiko eines schweren Verlaufs für Menschen mit HIV erhöht sei, die keine HIV-Medikamente nehmen und in der Folge ein stark geschwächtes Immunsystem haben. Es ist also der Zugang zu einer Therapie, der für viele HIV-positive Menschen in Rumänien in der aktuellen Pandemie-Situation ausschlaggebend ist.

Vor diesem Hintergrund bezeichnet Alina Dumitriu, Geschäftsführerin der rumänischen NGO „Sens Pozitiv“, HIV und Covid-19 jüngst in einem Beitrag für das Nachrichtenportal „libertatea.ro“ als „tödliche Verbündete“. Einer Studie des „Global Funds“ zufolge berichten weltweit 85 Prozent der Programme zur Bekämpfung von HIV, dass sie seit der Pandemie ihre Dienstleistungen nur eingeschränkt anbieten können.

Auch in Rumänien fehlte es Dumitriu zufolge dem Nationalen Institut für Infektionskrankheiten – dem Matei-Bal{-Institut in Bukarest – zwischenzeitlich an Medikamenten. Dabei ist eine kontinuierliche Behandlung essentiell. Wie Dumitriu erklärt, ermöglichen heutzutage Medikamente wie Tivicay HIV-Positiven zwar ein ganz normales, gesundes Leben. Doch sei einer der Nachteile des Medikaments, dass der Körper mit dem Aussetzen der Einnahme eine Resistenz gegen das Medikament ausbilden könne.

In Rumänien war jedoch schon vor der Krise der Zugang zu einer wirksamen HIV-Therapie nicht selbstverständlich. Von den 19.000 mit HIV infizierten Menschen, die 2019 in Rumänien lebten, waren nach Angaben von UNAIDS nur rund 13.000 in medizinischer Behandlung. Einer Umfrage, die ARAS, eine ebenfalls im Feld aktive rumänische NGO, unter ihren Klienten und Klientinnen im zweiten Quartal 2020 durchgeführt hat, haben die Schließung vieler Behörden und der Einkommensausfall HIV-Infizierten den Zugang zu Therapien weiter erschwert. Weltweit seien zudem 20 Prozent der Test-Labore aufgrund der Vielzahl der Corona-Tests überlastet und was für Covid wie für HIV gilt: Ohne Diagnose bleibt die Behandlung aus.

Rumänien ist jedoch nicht das einzige Land, in dem sich die Corona-Pandemie negativ auf die Situation für Menschen mit HIV auswirkt. Südafrika betreffende Studien, erklärt der Global Fund auf seiner Homepage, „zeigen, dass sich die Zahl der durch HIV, TB und Malaria ausgelösten Todesfälle infolge der Covid-19-Pandemie im kommenden Jahr womöglich verdoppeln wird“. Hierin ist auch der Hinweis auf Wechselwirkungen mit weiteren Infektionskrankheiten inbegriffen. Und es ist bekannt, dass Rumänien seit Jahren für die hohe Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen im Land in der Kritik steht.

Der Global Fund sieht deshalb die Fortschritte der letzten zwanzig Jahre in Gefahr – Fortschritte, die, wenn man Dunitriu fragt, in Rumänien vor allem von NGOs erarbeitet wurden. Der rumänische Staat verwehre seinen Bürgerinnen und Bürgern, die mit dem HI-Virus leben müssen, aufs Neue ihr Recht auf Gesundheit.

cffviseu

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