Von der Universität in den Bundestag

ADZ-Gespräch mit Dr. Saskia Schmidt von der Deutschen Botschaft über das Internationale Parlaments-Stipendium

Die IPS-Stipendiatinnen und Stipendiaten des Internationalen Parlaments-Stipendiums 2019 bei der Begrüßung durch den Präsidenten des Deutschen Bundestags, Dr. Wolfgang Schäuble (CDU/CSU). Foto: Deutscher Bundestag/Achim Melde

Von April bis Juni haben die Mitglieder des Deutschen Bundestages jedes Jahr ganz besondere Teammitglieder: Bis zu 120 junge Leute aus aller Welt unterstützen die Abgeordneten – sie schreiben Entwürfe für Reden und Bürgerbriefe, nehmen an Sitzungen und Besprechungen teil und lernen so die Abläufe im deutschen Parlament kennen. Möglich macht dies das Internationale Parlamentsstipendium, das seit 1986 jährlich an Interessierte aus inzwischen 50 Nationen vergeben wird. Noch bis 31. Juli können sich auch Personen aus Rumänien bewerben – sofern sie ein Hochschulstudium absolviert und das dreißigste Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Ebenfalls notwendig sind natürlich gute Deutschkenntnisse. Bevor die dreimonatige Praktikumstätigkeit in einem Abgeordnetenbüro beginnt, wird den Teilnehmenden ab März in Seminaren Wirtschaft, Kultur und parlamentarische Demokratie in Deutschland nähergebracht. Darüber hinaus können sie während des insgesamt fünfmonatigen Aufenthaltes an Lehrveranstaltungen verschiedener Universitäten teilnehmen. Das Stipendium deckt die Reise- und Unterkunftskosten und nötige Sozialversicherungen ab, darüber hinaus erhalten die Teilnehmenden eine monatliche Zuwendung in Höhe von 500 Euro. Genauere Informationen und Bewerbungsunterlagen finden sich auf der Homepage der Deutschen Vertretungen in Rumänien: rumaenien.diplo.de. Frau Dr. Saskia Schmidt, Leiterin des Kulturreferats an der Deutschen Botschaft in Bukarest, hat ADZ-Redakteurin Veronika Zwing noch mehr über das Stipendienprogramm verraten.

Dieses Jahr fiel das IPS genau in die Zeit des Corona-Lockdowns – welche Auswirkungen hatte dies auf die Teilnehmenden und ihre Tätigkeit?
Der Lockdown war ein deutlicher Einschnitt für das gesamte gesellschaftliche Leben und hat natürlich auch das IPS-Programm betroffen. Dennoch konnte das IPS-Programm auf freiwilliger Basis weiter durchgeführt werden und nur sehr wenige Stipendiaten haben es abgebrochen.
Unproblematisch war die Fortführung der Studien an den drei Berliner Universitäten. Diese hatten den Unterricht zügig ins Internet verlegt, sodass dies kein „verlorenes Semester“ für die Studierenden war.
Jedoch war es nicht mehr möglich, das Praktikum im Büro der oder des Abgeordneten abzuleisten. Glücklicherweise ist es dem Bundestag gelungen, schnell neue digitale Formate zu schaffen. So konnten die Stipendiaten und Stipendiatinnen sich regelmäßig in Videokonferenzen mit Abgeordneten austauschen und hierüber lernen, Politikprozesse besser zu begreifen.

Das Stipendium richtet sich an junge Menschen, die meist gerade die Universität abgeschlossen und noch keinen konkreten Berufsweg eingeschlagen haben. In welche beruflichen Richtungen kann das IPS-Programm führen?
Das IPS-Programm sucht nach Bewerberinnen und Bewerbern, die bereits großes politisches oder soziales Engagement zeigen. Nach meiner Erfahrung mit dem IPS-Programm bewerben sich größtenteils junge Menschen, die eine bereits recht deutliche Idee haben, was sie professionell machen möchten. Das IPS-Programm soll sie unterstützen, ihr berufliches Engagement in ihren Heimatländern – oder für diese – noch besser ausführen zu können.
Ziel des IPS ist als Demokratieförderprogramm u. a. die Förderung einer aktiven, lebendigen Zivilgesellschaft und Interesse an politischer Partizipation. Deshalb ist es wünschenswert, dass alle Stipendiaten und Stipendiatinnen ab einem bestimmten Punkt in ihrer Karriere wieder in ihr Land zurückkehren und sich dort engagieren. Von dort können sie dann nicht nur auf das weltweite IPS-Netzwerk zurückgreifen, das sie mit ihrem Jahrgang in Berlin aufgebaut haben. Sie organisieren sich auch jahrgangsübergreifend in Alumni-Vereinen, die sich aktiv treffen. Dies alles wird den Stipendiaten helfen, unabhängig davon, ob ihr Engagement sie nun in die aktive Politik, NGOs, Journalismus, Hochschulen oder Wirtschaft führt. Da stehen viele Wege offen.

Wie sieht der Bewerbungsprozess aus? Worauf müssen Kandidaten und Kandidatinnen gefasst sein?
Nach der schriftlichen Bewerbung, die an die Deutsche Botschaft in Bukarest bis zum 31. Juli gesendet werden muss, werden die aussichtsreichsten Kandidaten zu Auswahlgesprächen eingeladen. Hierfür ist bisher üblicherweise eine dreiköpfige Delegation mit Vertreterinnen und Vertretern des Deutschen Bundestages und der beteiligten Berliner Hochschulen nach Bukarest gereist. An der Deutschen Botschaft finden dann die Interviews statt, bei denen die Auswahlkommission versucht, die Kandidatinnen und Kandidaten besser kennenzulernen. Nachdem die Auswahlkommission alle Gespräche geführt hat, kommt sie zu einer Entscheidung. Erfolgreiche und nicht erfolgreiche rumänische Kandidatinnen und Kandidaten werden dann von der Deutschen Botschaft in Bukarest informiert.
Ab diesem Jahr wird es eine Neuerung geben: Die Auswahlgespräche werden von nun an immer alternierend in Bukarest und in Sofia für die rumänischen und bulgarischen Kandidatinnen und Kandidaten stattfinden. Sollte es die Lage mit Corona zulassen, wird in diesem Jahr Sofia dran sein.

 

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