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Von einer vorbildlichen Zusammenarbeit im Zeitungswesen

„Flensborg Avis” lud anlässlich des 150. Jubiläums zum MIDAS-Treffen 2019 nach Flensburg ein

Feierliche Preisverleihung auf Schloss Glücksburg (v. l.): Jørgen Møllekær, Chefredakteur des „Flensborg Avis“, die Preisträger Stefan Kläsener, Leiter des SHZ-Verlags, und Peter Orry, Chefredakteur der Zeitung „JudskeVestkysten“, sowie Gwyn Nissen, Chefredakteur der Tageszeitung „Der Nordschleswiger“ Foto: Tim Riediger

Die Zeitung der dänischen Minderheit in Deutschland, „Flensborg Avis”, feiert in diesem Jahr ihr 150. Gründungsjubiläum. Das nahm der Chefredakteur Jørgen Møllekær zum Anlass, die Vertreter der Mitglieder der Europäischen Vereinigung von Tageszeitungen in Minderheiten- und Regionalsprachen (MIDAS) zur jährlichen Generalversammlung Mitte Mai nach Flensburg einzuladen.

Die Begegnung der Medienvertreter startete mit einer Konferenz über die Herausforderungen, denen sich Minderheitenmedien in EU-Ländern stellen müssen. Zeitungen und andere Medien der Minderheiten sind ein unerlässliches Mittel für die Bewahrung der Muttersprache und Kultur und damit der eigenen Identität. Tageszeitungen der Minderheiten sind dabei besonders gefährdet und sind deshalb auf Förderung und Unterstützung angewiesen. In der von der Region Trentino-Südtirol und der Europäischen Akademie in Bozen (EURAC) unterstützten Vereinigung MIDAS finden sie einen wichtigen Befürworter. Eine bedeutende Besonderheit an dieser Konferenz war, dass daran zahlreiche Schüler aus den Gymnasien der deutschen und dänischen Minderheit aus der Grenzregion in Dänemark, beziehungsweise Deutschland teilgenommen haben. Die Jugendlichen, die meist selber einer der beiden Minderheiten angehören, sowie die teilnehmenden Journalisten aus den EU-Ländern erfuhren einiges über Minderheiten und Minderheiten-Medien in Spanien, der Slowakei, in Deutschland, Dänemark und Italien. Den Minderheiten in Spanien galt dabei ein besonderes Augenmerk, vorgestellt wurden die katalanische, die baskische und die galicische Bevölkerung und ihre Medien, aber durch Edita Slezáková, Chefredakteurin und Geschäftsführerin der Zeitung „Új Szó“ in Bratislava und gleichzeitig MIDAS-Präsidentin, auch der Lage der Ungarn in der Slowakei. Sie machte u. a. eindringlich darauf aufmerksam, dass eine Gefahr für die Bewahrung von Medien, Kultur- und Bildungsinstitutionen in der Minderheit selbst liegen kann, weil das Angebot an Presseprodukten, Büchern, kulturellen Veranstaltungen in der entsprechenden Minderheitensprache nicht genügend wahrgenommen wird. Damit setzt sich dieser Bevölkerungsteil dem Verlust der eigenen Muttersprache und einschließlich eines Bestandteils der Identität aus.

In einem zweiten Panel stand eine vorbildliche Zusammenarbeit zwischen Medien in Minderheitensprachen und solchen der Mehrheitsbevölkerung im Mittelpunkt. Stefan Kläsener, Leiter des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags in Flensburg, der die „Flensburger Tageszeitung“ herausgibt, der Chefredakteur des dänischen Regionalblatts „JydskeVestkysten“ aus Esbjerg (Dänemark), Jørgen Møllekær, Chefredakteur des „Flensborg Avis“, und Gwyn Nissen, Chefredakteur der in Apenrade erscheinenden Tageszeitung „Der Nordschleswiger“ berichteten davon, wie sie tagtäglich Texte und Informationen gegenseitig austauschen und Zugriff auf die Inhalte der jeweils anderen Redaktionen haben. Außerdem gehört die Minderheitenthematik in allen vier Blättern zum festen Bestandteil des Zeitungsinhalts. Die Leser dieser Publikationen in der deutsch-dänischen Grenzregion sind dadurch im Vorteil, sie erfahren sehr viel mehr aus Dänemark, beziehungsweise Deutschland. Gleichzeitig ist diese außergewöhnliche Zusammenarbeit auch ein lebendiger Ausdruck des zwischenzeitlich sehr guten Verhältnisses zwischen den Bewohnern der beiden Länder, insbesondere in der Grenzregion, da das Zusammenleben durch die Geschehnisse in der Zwischenkriegszeit und während des Zweiten Weltkriegs in der Nachkriegszeit noch jahrzehntelang stark belastet war.

Hatto Schmidt berichtete, dass eine ähnliche Annäherung zwischen der Zeitung der Südtiroler „Dolomiten“ und der italienischen Zeitung der Region oder auch mit den österreichischen Zeitungen aus Nordtirol trotz einiger Versuche nicht aufgebaut werden konnte, da sich die Bedürfnisse der Leser als unterschiedlich erwiesen haben.
Für MIDAS war das Modell der deutsch-dänischen Kooperation Grund genug, den Otto-von-Habsburg-Preis in diesem Jahr an Stefan Kläsener, Leiter des SHZ-Verlags und an den Chefredakteur der Zeitung „JudskeVestkysten“, Peter Orry, zu verleihen. Den MIDAS-Journalismuspreis nahm Gabriel von Toggenburg von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte in Empfang, der in der Zeitung „Dolomiten“ die Rubrik „Europasplitter“ mit Kommentaren zu aktuellen Fragen in der Europäischen Union schreibt.

Die Europäische Vereinigung von Tageszeitungen in Minderheiten- und Regionalsprachen hat zurzeit 28 Mitglieder-Medien aus zwölf EU-Staaten. Das 28. Mitglied ist erst jetzt in Flensburg dazugekommen, es handelt sich um die katalanische Webpublikation „Vilaweb“. Es ist das erste elektronische Medium, das von MIDAS aufgenommen wird. Die Präsidentin der Vereinigung, Edita Slezáková, hob hervor, dass damit der Entwicklung im Medienbereich, wo den Webpublikationen immer größere Bedeutung zukommt, Rechnung getragen wird.

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