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Von Temeswar nach Wien

Auf den Spuren des Prinzen Eugen von Savoyen

Ein Kleinod des Barock und UNESCO-Weltkulturerbe: das Obere Belvedere. Fotos: die Verfasserin

Statue von Prinz Eugen vor der Österreichischen Nationalbibliothek

Das Reiterdenkmal des Prinzen am Heldenplatz in Wien: ein stattlicher Mann hoch zu Ross. In Wirklichkeit war der Prinz kleinwüchsig und wurde deswegen von Ludwig XIV. abgewiesen, als er sich für dessen Heer beworben hatte. Eugen von Savoyen hat danach Frankreich verlassen und ist in Österreich zu großem, europaweiten Ruhm gekommen.

Der triumphale Einzug des Prinzen Eugen in Temeswar erfolgte am Forforosa-Tor. An dem Gebäude, das an Stelle des einstigen Tores steht, gibt es dazu zwei Tafeln; diese hier vermittelt die Bedeutung des Sieges.

Als 2016 in Temeswar über „300 Jahre Licht“ gesprochen wurde, rückte vor allem eine historische Figur in den Vordergrund: Prinz Eugen von Savoyen, der bekannte Feldherr der habsburgischen Armee und Befreier Temeswars. 300 Jahre nach seinem Einzug in Temeswar – das er nach 164 Jahren osmanischer Herrschaft erlöst hat – kam er wieder ins Rampenlicht und wurde in der Stadt, die auch als Klein-Wien bezeichnet wird, symbolisch für Freiheit, Modernisierung und die Wiederkehr zu europäischen Werten gefeiert. Damals hatte die nicht-osmanische Bevölkerung der Stadt sich mit der österreichischen Armee alliiert. „Prinz Eugen ist unser Held, unser Befreier“, hieß es dann und heißt es jetzt in Temeswar.

In Klein-Wien ist Prinz Eugen von Savoyen zwar nur durch zwei Tafeln an einem Haus in der nach ihm benannten Straße, dort, wo er den Einzug in die Festung gehalten hatte, präsent. Seine Hinterlassenschaft ist aber viel größer, denn ihm ist zu verdanken, dass das Banat zur Krondomäne wurde und einen Aufschwung erlebte. Temeswar wurde systematisiert, barocke Bauten errichtet, die Stadt erhielt ein neues Image. Eugen von Savoyen hatte den damaligen Kaiser Karl VI. beraten und sein Ratschlag war diesem teuer. Denn der Prinz, und daran erinnert eine der Tafeln an seiner riesigen Bronzestatue in Wien, war der „weise Ratgeber dreier Kaiser“. 

Das Denkmal

Wien wollte ihm Ehre erweisen - und setzte seinem Helden ein monumentales Denkmal, das zu den beeindruckendsten in der Donauhauptstadt gehört. Und das für alle Schülergruppen Österreichs, die in die Hauptstadt zu Besuch kommen, ein absolutes Muss ist, so lautet zumindest eine der Aussagen der Journalisten und Autoren Konrad Kramar und Georg Mayrhofer, Verfasser des Buchs „Prinz Eugen: Heros und Neurose“. 
Die Statue bestaunen Touristen aus Japan und einige aus Serbien, auch einige aus Rumänien sind dabei. Der bronzene Prinz, hoch zu Ross, steht im Herzen Wiens, am Heldenplatz in der Nähe der Hofburg, in unmittelbarer Nähe des Museumsviertels und nur wenige Gehminuten vom Stephansdom entfernt. Ob alle, die sich mit dem Herrn mit der Lockenperücke, dem großen Hut, der strengen und entschlossenen Miene fotografieren lassen auch um seine Verdienste wissen, oder ob sie nur das Denkmal beeindruckend finden? Dort steht nur: „Prinz Eugen, der edle Ritter“, „Von Kaiser Franz Josef I. 1865 errichtet“ sowie „dem ruhmreichen Sieger über Österreichs Feinde“.

Die Bibliothek

Das Gebäude, vor dem das Denkmal steht, ist ebenso wichtig und an den Namen des Prinzen gebunden: In der Österrreichischen Nationalbibliothek sind im Prunksaal die über 15.000 Bände, die der Feldherr, der auch ein visionärer Kulturmensch war, aus allen Teilen Europas gesammelt hat, zusammengetragen. Prinz Eugen von Savoyen war nicht nur ein intelligenter Staatsmann und geschickter Militärstratege, sondern auch ein Intellektueller, der mit den Erkenntnissen seiner Zeit Schritt gehalten hat. So ist überliefert, dass in seinem Zelt während der Belagerung Temeswars philosophische Schriften gelesen wurden. Und dass er alles gesammelt hat, was europaweit gedruckt wurde zu seiner Zeit, das lässt sich an den Wertstücken ablesen, die nun die Kernsammlung der Österrei-chischen Nationalbibliothek ausmachen.

Das Schloss

Das heutige Wien ist ohne den Prinzen Eugen von Savoyen nicht denkbar. Auch Touristen kommen an ihm nicht vorbei, denn sein Palast findet sich auf allen Besucherrouten: Belvedere, das Obere und das Untere Schloss. Auch wenn diese nicht die Opulenz Schönbrunns aufweisen, kann man an Standort, Größe und Pracht ablesen, dass der Auftraggeber und Schlossherr eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Kaiserreiches gewesen sein muss. Das wurde auch international anerkannt: Die zwei Schlösser und der Park sind UNESCO-Weltkulturerbe.

Belvedere hat schon zu Lebzeiten des Prinzen – für diesen als Sommerresidenz errichtet – für Sensation gesorgt, das Schloss wurde aber im Verlauf der Geschichte Österreichs mehrmals zum Mittelpunkt des Geschehens: als eines der ersten öffentlichen Museen, als kaiserliche Residenz und 1955, als im Oberen Belvedere der Österreichische Staatsvertrag unterschrieben wurde. Das Ereignis fand im Marmorsaal statt, in dem noch heute vieles an den Prinzen erinnert, etwa die Tiermotive der Deckenmalerei. Die Tiere und Vögel, vor allem exotischer Art, sind alle im Besitz des Prinzen gewesen und ergaben damals einen kleinen Tierpark – für die Reichen der damaligen Zeit eine Zierde.

Heute zücken tausende Touristen pro Tag die Handys und Fotoapparate, denn das Obere Belvedere ist „Barockschloss und das meistbesuchte Kunstmuseum Österreichs“. Dort zieht eine der bedeutendsten Ausstellungen des Wiener Jugendstils Kunstliebhaber an. Man muss einfach zum Belvedere „auf einen Kuss kommen“, so steht es auf vielen Taschen und auch auf den Bahnen geschrieben, unter dem goldenen, blumigen Kuss, in dem die Liebenden zergehen. Klimt ist es, der mit seinem weltberühmten Werk die vielen Touristen angezogen hat. Das Zimmer im Oberen Belvedere, wo „Der Kuss“ ausgestellt ist, gilt als Krönung des Besuchs. Im Belvedere, wo sich Mythos Eugen von Savoyen und der Kuss des 20. Jahrhunderts treffen.

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