Wandern in einem der ältesten Gebirge des Kontinents

Das Măcin-Gebirge beeindruckt mit einer für Europa untypischen Steppenlandschaft

Monolithen in den verschiedensten Formen sowie auch eigenartig anmutende Felsformationen können die Phantasie der Wanderer im Măcin-Gebirge anregen.

Im Măcin-Gebirge sind zwei Höhenstufen und zwei Vegetationszonen zu erkennen, die für das Dobrudscha-Hochland charakteristisch sind. Diese Höhenstufen sind durch die mesophilen balkanischen Laubwälder und durch die xerothermen submediterranen Wälder vertreten. Die Vegetationszonen umfassen die Baumsteppe mit submediterranen Waldtypen sowie die eigentlichen Steppen. Letztere sind durch die pontische Steppe sowie durch die für die Dobrudscha charakteristischen Steinsteppen vertreten.

Die Maurische Landschildkröte wird von der Weltnaturschutzunion (IUCN) auf der „Roten Liste der gefährdeter Arten“ geführt. Die Tiere können eine Größe von bis zu 30 Zentimetern erreichen.

Exzessive Waldrodungen und Entwässerungsmaßnahmen waren in den vergangenen 200 Jahren die wichtigsten Ursachen für das Aussterben vieler Arten im Măcin-Gebirge, auf der angrenzenden Babadag-Hochebene und in der gesamten Dobrudscha. Fotos: der Verfasser

Unter den Wandergebieten in Rumänien ist das Măcin-Gebirge in der nördlichen Dobrudscha das wahrscheinlich am wenigsten beachtete. Bei einer maximalen Höhe von 467 Metern ist dies auf den ersten Blick auch wenig verwunderlich. Und trotzdem lohnen sich Wanderungen in diesem niedrigsten Gebirge des Landes. Denn die trockene Steppenlandschaft, die spektakuläre Morphologie und die fremde Pflanzen- und Tierwelt verleihen dem Măcin einen eigenartigen Reiz.

Das Măcin-Gebirge entwickelte sich im Karbon und im Perm, in der Phase der variszischen Gebirgsbildung, und zählt mit einem Alter zwischen 251,9 und 358,8 Millionen Jahren zu den ältesten Gebirgen in Europa. Einst ragte es mit großer Verlängerung nach Norden und Osten in die Höhe. Heute ist der Țuțuiatu-Gipfel mit lediglich 467 Metern der höchste Punkt. Unter der Berücksichtigung, dass das westlich angrenzende Donautal lediglich 10 bis 20 Meter über dem Meeresspiegel liegt, eine trotzdem verhältnismäßig bedeutende Erhebung. Nach Südosten fällt das Gebirge langsam ab und wird bei Horia von der Babadag-Hochebene begrenzt.

Im Jahr 2000 wurde der größte Teil des von einer hohen biologischen und geologischen Diversität gekennzeichneten Măcin-Gebirges in den gleichnamigen Nationalpark eingegliedert, welcher sich auf einer Fläche von 11.321 Hektar von Nordwesten nach Südosten zieht. Im Park und den angrenzenden Gebieten findet sich mit knapp 2000 Pflanzenarten mehr als die Hälfte der bekannten Fauna des Landes. Er stellt die nördliche Grenze des submediterranen Gebiets der Balkanhalbinsel dar. Das dominierende Raubtier ist heute der Goldschakal, der in den letzten drei Jahrzehnten auch in andere Regionen in Europa eingewandert ist, in denen er zuvor nicht heimisch war. Von besonderer Bedeutung für die Biodiversität sind die Maurische Landschildkröte, die Fleckennatter sowie die Europä-ische Hornotter oder der Steppeniltis, die in Europa nur selten vorkommende oder gefährdete, respektive geschützte Tierarten sind.

Für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ist das Măcin-Gebirge ein Refugium, das aus biogeografischer Sicht einen Brückenkopf zwischen Mittel-europa, dem Balkan, Kleinasien und den Russischen Tiefebenen bildet. Entsprechend hoch ist der Anteil an Endemiten und seltenen Arten, die dieses Gebiet besiedeln. Insbesondere die Mulden weisen durch ihre geschützte Lage eine reichhaltige und blütenreiche Vegetation auf.

Eine besondere Anziehungskraft übt der Nationalpark und seine Umgebung auf Lepidopterologen aus. Sind hier doch über 900 Schmetterlingsarten belegt. Dabei unterstreichen viele Erstbeschreibungen sowie Erstnachweise für die Fauna Rumäniens die Einzigartigkeit des Gebirgszuges.

Von Greci auf den Țuțuiatu-Gipfel

Als Startpunkt einer Wanderung im Măcin-Gebirge eignet sich das Museum des Nationalparks in der Ortschaft Greci, wo mehrere Wanderwege ihren Ausgang nehmen. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, noch einen Kilometer weiter zufahren, an eine Stelle am Hang der Berge, die als Zeltplatz ausgewiesen ist. Hier sind mehrere Picknickgarnituren sowie zwei Toiletten aufgebaut.

Für einen einen kurzen Aufstieg vom Zeltplatz empfiehlt sich der Rundkurs über das „rote Dreieck“ auf 266 Meter und der Rückweg über den blauen Punkt. Der Cartalu-Gipfel (393 Meter) wird zwar nicht bestiegen, doch dieser Weg bietet schon nach kurzer Zeit einen Panoramablick über Greci in Richtung Turcoaia und nimmt bei insgesamt 5,5 Kilometern lediglich rund eineinhalb Stunden in Anspruch. Dabei sind die 200 Höhenmeter ganz zu Beginn der Wanderung zu überwinden. (24MN03 – Katalogisierung durch den Wanderführer „Munții Noștrii“).

Eine längere Wanderung von diesem Startpunkt aus führt mit dem „roten Dreieck“ über 3,6 Kilometer bis in den Laubwald im Valea Piatra Roșie (24MN06). Angekommen an einer Forststraße gilt es nach links abzuzweigen und nun dem „roten Kreuz“ zu folgen. Dieser Weg (24MN13) führt über 3,4 Kilometer sowie einen stetigen Anstieg von 210 Metern auf eine Höhe von zwischenzeitlich 426 Metern und trifft schließlich auf das „blaue Dreieck“. Es muss nun abermals nach links abgezweigt werden, in Richtung Țuțuiatu-Gipfel (24MN03). Bis zu diesem ist auf dem nächsten Kilometer ein Anstieg von nur noch 70 Metern zu überwinden. Der Abstieg bis zum Dorfrand führt über lediglich 2,5 Kilometer, allerdings müssen von hier aus noch weitere drei Kilometer bis zum Ausgangspunkt zurückgelegt werden, respektive vier Kilometer, wenn dem „blauen Dreieck“ über das Heldendenkmal gefolgt wird, wo auch der „blaue Punkt“ und das „rote Dreieck“ ihren eigentlichen Ausgang nehmen. Diese Wanderung sollte bei einer Länge von knapp 13 Kilometern nicht mehr als vier Stunden in Anspruch nehmen. Es besteht auch die Möglichkeit, vor dem letzten Anstieg zum Țuțuiatu-Gipfel nach links in Richtung Ghinalțu-Gipfel abzuzweigen. Dieser erreicht eine Höhe von 442 Metern und eröffnet ebenfalls einen weiten Blick über Greci, die von Lipowanern bewohnte Gemeinde Carcaliu und die alte Donau.

Ein Abstieg ins Dorf ist von hier aus nicht markiert, aber möglich. Es gibt einen mehr oder weniger gut erkennbaren Trampelpfad, der auch in „Munții Noștri“ verzeichnet ist. Es empfiehlt sich allerdings, dieser Vorgabe nicht blind zu folgen, sondern auf Fußspuren zu achten und die kleineren Waldflächen eher rechts zu umgehen.

Den einfachen Aufstieg zum Țuțuiatu-Gipfel (24MN03) kann man am nordöstlichen Dorfrand beginnen. Das entsprechende „blaue Dreieck“ beginnt bereits am Heldendenkmal und befindet sich auch an den Masten im Ort. Die insgesamt 5,8 Kilometer nehmen ohne Pausen knapp zwei Stunden in Anspruch.

Vom Kloster „Izvorul Tămăduirii“ in das Pricopan-Massiv

Ein weiterer klassischer Startpunkt für Wanderungen ist das Kloster „Izvorul Tămăduirii“ am Rand des Pricopan-Massivs. Auch hier befindet sich ein als Zeltplatz ausgewiesenes Areal. Der unbewaldete und extrem trockene Höhenzug erstreckt sich über 14 Kilometer von Măcin bis nach Greci. Der Caramalău-Gipfel ist nach einem Anstieg von knapp 200 Metern auf 1,2 Kilometern in kürzester Zeit erreicht. Von hier aus sind in westlicher Richtung Brăila, in nordwestlicher Richtung Galați und in nord-nordöstlicher Richtung Reni (Ukraine) zu sehen.

Weniger steil ist der Anstieg von einer Stelle etwa 1,5 Kilometer in südöstlicher Richtung. Der Rundkurs (24MN01) über den Suluku-Mare-Gipfel, vorbei an der „Sphinx der Dobrudscha“ und abschließend über den Caramalău-Gipfel hat eine Länge von elf Kilometern und sollte ohne Pausen nicht mehr als vier Stunden in Anspruch nehmen. Es sind insgesamt 570 Höhenmeter zu überwinden. Der Suluku-Mare-Gipfel liegt als höchste Erhebung dieser Wanderroute 370 Meter über dem Meeresspiegel.

Wandern im Măcin-Gebirge

Alle 16 markierten Wanderwege finden sich mit Beschreibung ihrer Besonderheiten in Bezug auf Flora und Fauna (Rumänisch/Englisch) auf der Internetseite des Nationalparks (www.parcmacin.ro) sowie in den Online- und Offline-Karten von „Munții Noștri“. Auch unterwegs ist auf Tafeln die Flora und Fauna der nahen Umgebung beschrieben. Die Routen sind leicht zu bewältigen, allerdings gibt es keine Wasserquellen an den Wegen und im Sommer brennt die Sonne ununterbrochen über der Dobrudscha. Weiterhin sind im Nationalpark sowie der Umgebung auch Radwanderwege markiert.

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