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Wertvolles Plastik

Recyclingmaschinen in Bekokten

Die Recyclingmaschine in Aktion

Eine mit der Recyclingmaschine hergestellte Obstschüssel. Fotos: Krisztina Molnár

Ein Schredder zerkleinert Plastikdeckel, im Ofen wird in einer Silikonform farbiges Plastikgranulat erhitzt, aus einer schwarzen Maschine quillt ein grüner Plastikfaden hervor, der rasch zu einer Obstschale verarbeitet wird. Auf einer Bank stehen nach Farbe sortierte Deckel und Plastikflocken, am Boden sind große Säcke mit PET- Flaschen. Es riecht nach geschmolzenem Plastik. Der Raum, der jetzt eine Werkstatt ist, war vor einigen Wochen noch das Kino der Kinderspielstadt in Bekokten/Bărcut, ein siebenbürgisches Dorf, 27 Kilometer von Fogarasch/Făgăraș entfernt.

In die Kinderspielstadt kommen jedes Jahr mehr als hundert Kinder aus dem ganzen Land. Während der Veranstaltung, die von der evangelischen Kirche aus Fogarasch organisiert wird, können die jungen Teilnehmer verschiedene Berufe ausprobieren: Sie sind für einige Tage Feuerwehrleute, Verkäufer, Polizisten, Bäcker und sogar Müllmänner. Denn wie in einer richtigen Stadt gibt es auch in der Kinderspielstadt eine Müllabfuhr. Die Müllentsorger trennen sorgfältig den Müll und so war nicht zu übersehen, wie viele Tüten, Plastikflaschen und Joghurtbecher jedes Mal weggeworfen werden. Der evangelische Stadtpfarrer aus Fogarasch und Initiator der Kinderspielstadt in Bekokten, Johannes Klein, machte sich seit Langem Gedanken darüber, was mit dem vielen Kunststoff passieren soll. Als er erfahren hat, dass es eine Recyclingmaschine gibt, mit der auch in kleineren Mengen Plastikmüll wiederverwertet werden kann, wusste er, dass diese Maschine auch in Bekokten gut zu gebrauchen wäre. Durch die finanzielle Unterstützung des Vereins Asocia]ia Comunitară Țara Făgărașului über den Fond Științescu und der Baden-Württemberg Stiftung wurde die Plastik-Recyclingmaschine geradewegs aus Porto (Portugal) bestellt.

3500 km reiste die Maschine, bis sie in der frisch eingerichteten Werkstatt in Bekokten ausprobiert werden konnte. Mitarbeiter und Freiwillige der evangelischen Gemeinde aus Fogarasch sind dabei zu lernen, wie die Maschine funktioniert. Sie sortieren, waschen, zerkleinern den Plastikmüll, den sie seit Monaten gesammelt haben und der nach der Kinderspielstadt übrig geblieben ist. Die in München geborene Produktdesignerin Irena Übler ist wie die Recyclingmaschine aus Porto angereist, wo sie bei der portugiesischen Firma OPO’Lab arbeitet, die die Recyclingmaschinen herstellt. In einem zweitägigen Workshop stellt sie nicht nur die Maschinen vor und zeigt, wie sie funktionieren, sondern erzählt auch viel über die verschiedenen Arten von Plastik und betont mehrmals, dass nicht der Rohstoff an sich das Problem ist, sondern wie wir Plastik nutzen. Irena Übler beschäftigt sich seit mehreren Jahren damit, wie Kunststoff nachhaltig verwendet werden kann. Die Firma, bei der sie arbeitet, hat den Puls der Zeit gespürt, als sie angefangen hat, Recyclingmaschinen zu bauen, denn die Nachfrage wird immer größer, sogar aus Afrika gab es schon Bestellungen.

Die Idee, Recyclingmaschinen für den Hausgebrauch zu bauen, stammt eigentlich vom holländischen Designer Dave Hakkens, der das Konzept des wertvollen Plastiks entwickelte und seine Pläne im Internet unter dem Namen „Precious Plastic“ der ganzen Welt zur Verfügung gestellt hat. Nach diesen Plänen hat auch die Firma aus Portugal die Maschinen gebaut, die jetzt in Bekokten stehen. Damit kann Plastik zerkleinert, erhitzt und neu geformt werden. Aus den weggeworfenen Plastikdeckeln und Bechern werden Schlüsselanhänger, Seifenhalter oder Obstschalen gefertigt. Nichts Spektakuläres, aber besonders für die Kinder ist es wichtig zu erleben, dass all das, was wir gedankenlos wegwerfen, nur mit viel Mühe wiederverwertet werden kann. Pfarrer Johannes Klein ist fest davon überzeugt, dass man durch die Kinder auch ihre Eltern beeinflussen kann und wenn Kinder zum Beispiel in der Kinderspielstadt lernen, dass Plastik wertvoll ist und nicht nur einmal genutzt und weggeworfen werden soll, kommt das in der Zukunft auch unserer Umwelt zugute.

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