Wohnblocks sollen Hermannstädter Altstadt verschandeln – Verstoß gegen Denkmalschutz

An der Theodor-Neculță-Straße sollen entgegen geltender Denkmalschutz-Bestimmungen zwei Wohnblöcke entstehen.

Hermannstadt - Architekt Radu Mihail Trăușan, Verwalter der GmbH S.C. Up-Town Proiect S.R.L., deren Büros im Appartement Nr. 31 in der 3. Etage des Wohnblocks auf Hausnummer 60 der Sporergasse/General Gheorge Magheru Hermannstadt/Sibiu amtlich vermerkt sind, hat dem lokalen Rathaus im Februar 2020 einen Vorschlag auf Erstellung einer Neubau-Dokumentation zwecks Errichtung zweier Wohnblocks in der Josef-Vorstadt/Cartierul Iosefin unterbreitet. Zielgelände der Dokumentation ist der urbane Raum zwischen den Wohnhäusern auf der Theodor-Neculță-Straße Hausnummer 3, dem Gartenstreifen auf der Rückseite des Protestantisch-Theologischen Instituts Hermannstadt und des seit bereits geraumer Zeit nicht mehr weiter genutzten Palais des orthodoxen Erzbistums Hermannstadt. Die Dokumentation trägt den Titel „P.U.Z.C.P. - Construire imobile locuințe și servicii de proximitate“ und wurde Anfang Oktober von der zuständigen Rathaus-Stelle für ausreichend gut befunden, um in die nächstfolgende Etappe der Publikums-Befragung überzugehen. Die Dokumentation ist leicht unter der Abteilung „Documentație de urbanism supusă consultării publice“ der Rubrik „Urbanism“ der Homepage www.sibiu.ro zu finden. Sie wurde am Montag, den 19. Oktober, auf die Rathaus-Homepage gestellt und kann dort noch bis morgen, Freitag, den 13. November, eingesehen werden. Ebenfalls bis spätestens morgen nimmt Rathaus-Beirätin Iulia Maria Nistor Stellungnahmen von Stadtbewohnerinnen und -bewohnern, die auf die Dokumentation reagieren wollen, entgegen. Stellungnahmen sind am besten in schriftlicher Form über E-Mail an die Adresse pms@sibiu.ro einzusenden.

Auftraggeber der Dokumentation, die das Bauen zweier bis zu 16 Meter hohen Wohnblocks im beschriebenen Mikroviertel der Josef-Vorstadt vorschlägt, ist die GmbH SC HA-CO IMOBILIAR S.R.L. Inhaber ebendieser GmbH ist Diplom-Ingenieur Hans Christian Habermann, Sohn von Unternehmer Ernst Habermann (1903-1987) und Vorsitzender des Stiftungsrats der amtlich in München beheimateten Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung. 2008 hatte die SC HA-CO IMOBILIAR S.R.L. das Grundstück auf der Rückseite des Protestantisch-Theologischen Instituts Hermannstadt auf der Schewisgasse/Bulevardul Victoriei Hausnummer 40 gekauft, das damals im städtischen Grundbuch unter der Auszugsnummer 47903 geführt wurde. Die Kantine, die damals noch auf diesem Grundstück stand, wurde wenige Jahre später abgerissen. Laut geltenden Denkmalschutz-Bestimmungen war und ist es nach wie vor nicht erlaubt, auf diesem Grundstück Neubauten zu errichten. Hans Christian Habermann hatte im Mai 2012 in Folge des Kantinen-Abrisses versucht, das gekaufte Grundstück vom topografisch geschlossenen Gelände auf der Schewisgasse Hausnummer 40 abgliedern und ohne jede Festlegung einer neuen Hausnummer auf die Theodor-Neculuță-Straße umschreiben zu lassen. Seinem ersten Ansuchen auf topografische Umschreibung des Grundstücks wurde nicht stattgegeben. Vier Monate später jedoch gelang es der SC HA-CO IMOBILIAR S.R.L., genau diese Parzelle unter der neuen Auszugsnummer 115203 in das städtische Grundbuch eintragen zu lassen. Dass die Parzelle zwar räumlich, nicht aber auch amtlich-dokumentarisch einer bestimmten Hausnummer auf der Theodor-Neculu]˛-Straße zugeordnet werden kann, ist für die Anrainer des anvisierten Mikroviertels der Josef-Vorstadt und sicher auf für weitere Personen, denen die bauliche Unversehrtheit des alten Hermannstadt viel bedeutet, Grund genug, der zuständigen Rathaus-Stelle noch bis einschließlich morgen auf schriftlichem Wege eindringlich nahezulegen, den Verzicht auf Weiterführung des Neubau-Vorhabens in Erwägung zu ziehen.

Ein mit höchst stichhaltiger Wahrscheinlichkeit bedenkliches Detail dieser noch nicht vom Stadtrat abgestimmten Dokumentation „P.U.Z.C.P. - Construire imobile locuințe și servicii de proximitate“ besteht darin, dass die lokale GmbH SC RAFA Development S.R.L. an vorderster Stelle mit in die Planung des Bauvorhabens involviert ist. Die Anschrift der SC RAFA Development S.R.L. ist die Hausnummer 17 auf der Brukenthalgasse/Alexandru Xenopol – unter derselben Adresse ist auch die GmbH SC a. plan S.R.L. zu finden, deren leitender Architekt Lucian Alexandru Găvozdea, der zudem auch Vorsitzender der Innung der Architekten Rumäniens (Ordinul Arhitecților din România, OAR) ist, die überaus streitbare Dokumentation „P.U.Z.C.P – Centrul istoric_4(parțial) – Construire clădire birouri“ für gut befindet und sämtliche gegnerischen Stellungnahmen von Anrainern des Mikroviertels rings um die Brukenthalgasse unlängst über die Kommunikationsbahn des Rathauses in den Wind geschlagen hat (siehe Artikel „Idylle der Altstadt in Gefahr“ von Klaus Philippi in der ADZ vom 31. Oktober, sowie auch „Eine Stellungnahme zu dem Vorhaben, in der Hermannstädter Altstadt Neubauten zu errichten“ von Architekt Dr. Hermann Fabini in der ADZ vom 24. Oktober).

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Bemerkungen :

  • user
    Udo Acker 16.11.2020 Beim 17:01
    Es ist sehr verwunderlich, dass ausgerechnet die Hans-Christian Habermann gehörende Firma dieses Projekt betreibt. Verwunderlich deshalb, weil die Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung, von seinem Vater ins Leben gerufen und deren Vorsitzender er ist, sich auf die Fahne geschrieben hat, siebenbürgisch-sächsisches Kulturgut zu fördern und zu erhalten. Das heutige Aussehen der Hermannstädter Altstadt ist ein Teil dieses „Kulturgutes“. Denn ein Ziel der am 31. August 1979 gegründeten Stiftung mit Sitz in München ist u.a. sich auch der von unseren Altvorderen geprägten Siedlungen anzunehmen und dafür Sorge zu tragen, sie weitgehend vor unzuträglichen Eingriffen zu bewahren.
    Hinzu kommt, dass der bald 83-jährige H-C Habermann seit 2007 auch Ehrenbürger von Hermannstadt und Träger des Europa Nostra-Preises 2012 – überreicht vom damaligen Bürgermeister Klaus Johannis – ist, also eine besondere Beziehung zur Stadt hat und um deren Erscheinungsbild besorgt sein müsste.
    Wie sonst ist der letzte Satz eines Interviews mit Habermann aus der Siebenbürgischen Zeitung, online vom 1.8.2006 zu verstehen, der lautet: „Es gibt in Siebenbürgen noch sehr viel zu tun, um unsere Erbe zu sichern.“