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Zweihundertsiebzig Singstimmen in Berg- und Klosterkirche

Kantor Theo Halmen und die Schäßburger evangelische Kirchengemeinde richteten Chortreffen aus

In Sachen musikalischer Kinderarbeit bemühen Haupt- und Ehrenamtliche der Evangelischen Kirchengemeinde A.B. in Rumänien sich darum, Nägel mit Köpfen zu machen. Foto: der Verfasser

Entgegen intensiver Arbeit am Musikprogramm und trotz Zeitaufwand für Hin- und Rückfahrt mit Bus, Bahn oder Auto wird manch ein Chormitglied evangelischer Kirchengemeinden von Hermannstadt/Sibiu bis Kronstadt/Braşov und von Heltau/Cisnădie bis Malmkrog/Mălâncrav die eigene Wahrnehmung immerwährender Reize der Altstadt Schäßburg/Sighişoara aufgefrischt oder neu entdeckt haben können. Samstag, am 25. Mai, führten Stadtpfarrer Hans Bruno Fröhlich und das Ehepaar Annemarie und Theo Halmen als Gastgeber 180 Erwachsene und 90 Kinder durch die 29. Auflage des Chortreffens der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, das dem kulturell-touristischen Sonderwert der Stadt zweier evangelischer Hauptkirchen inmitten ein und desselben Burgviertels Rechnung trug.

Auf die vormittags in der Bergkirche abgehaltene Probeneinheit folgte ein Fußmarsch beträchtlichen Höhenunterschieds zu einer geräumigen Gaststätte in Bahnhofsnähe, deren satte Gemüseportionen und knusprig zubereitete Hühnerbeine alle ausgezehrten Energiereserven der hungrigen Chormannschaft auffüllten. Mit randvoll gestärkten Mägen und Stimmapparaten wurde der Rückzug in die Klosterkirche angetreten, wo die Feinarbeit an fünfzehn Liedtiteln auf Gastgeber und Gäste wartete. Zwecks Genuss für die Ohren aktiver Teilnehmer, mitgereister Partner und Freunde sowie neugieriger Stadtgäste wurden nach einem erholsamen Intermezzo bei Kaffee, Tee und Kuchen und einer Generalprobe sämtliche Repertoirestücke des gemeinsamen Chorheftes ein weiteres Mal angestimmt. Auch schien der Himmel sich unter das Beifall spendende Publikum mischen zu wollen, warf doch die grau verdeckte Sonne nach Beendigung des Tagesablaufs klare Schatten auf Eingangsportal und Kirchvorplatz.

Ein achttaktiges „Halleluja“ aus dem Schäßburger Antifonale von 1506, dem Brita Falch Leutert (Hermannstadt) eine geistreiche Begleitung durch Orgel und chorische Ostinato-Akkorde unterlegt hatte, gehörte ebenso zum Programm wie die zweimal beanspruchte Gewohnheit ökumenischer Gegenwart, rumänische Textstrophen ins Angebot zu integrieren. Einmal mehr stellte sich die Überzeugung ein, dass Verkündigung sich gerne über Sprachhürden hinwegsetzt, sooft man neue Wege beschreitet und Startpunkte alt-adliger Reiserouten in Ehren hält. Stadtpfarrer Hans Bruno Fröhlich, der in allen drei Hauptsprachen Siebenbürgens gleicher-maßen zuhause ist, sprach auf Deutsch, Ungarisch und Rumänisch Gottes ungeteilten Reisesegen.

Mehr als nur ihre Pflichtaufgabe erfüllten vereinte Kinder- und Jugendchöre der Ortsgemeinden Hermannstadt, Kronstadt, Zeiden/Codlea, Mediasch, Malmkrog, Reichesdorf/Richiş, Hetzeldorf/A]el, Elisabethstadt/ Dumbrăveni und Heltau, die unter der Leitung von Elisa Gunesch (Hermannstadt), Liv Müller (Reichesdorf), Zsuzsanna Molnar (Heltau) und Brita Falch Leutert verdientes Lob einheimsten. Obwohl am Tag des Chortreffens nicht vor Ort in Schäßburg anwesend, gebührt auch Musikpädagogin Gabriela Schlandt (Kronstadt) ein Erfolgsanteil am jungen Klangergebnis. Nicht von ungefähr hatten Edith Toth (Mediasch), Christiane Neubert (Fogarasch), Klaus Dieter Untch (Zeiden), Theo Halmen und Musikwart Jürg Leutert (Hermannstadt) eine auf leichtgängiger U-Musiksprache und englisch-französischer Romantik von Camille Saint-Saëns und Charles Hubert Hastings Parry aufbauende Programmauswahl getroffen.

Kantor Steffen Schlandt (Kronstadt) steuerte der Begegnung sein weitreichend bekanntes Geschick im Bereich Orgelimprovisation bei und ließ etliche wiedererstarkte Fähigkeiten der dreimanualigen Rieger-Orgel der Schäßburger Klosterkirche eine Woche vor dem öffentlichen Einweihungstermin berauschend anklingen. Dank der Beteiligung von Orgelbaumeister Ferdinand Stemmer (Schweiz), einiger haupt- und ehrenamtlicher Stammteilnehmer aus Norwegen, den Niederlanden, Belgien und des von Gerlinde Lauckner (Hildesheim) und Kinley Lange (USA/Hamburg) geleiteten Lindley-Kammerchores behauptete das in Schäßburg veranstaltete 29. Chortreffen der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien eine internationale Note für sich.

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