4 Blows: Vier Schicksalsschläge

Film kann als Werbung für Temeswar genutzt werden

Die Straßen von Temeswar/Timişoara wandelten sich am Wochenende in ein Film-Set um. Eine alte Temeswarer Straßenbahn aus den 80ern befindet sich am Temeswarer Freiheitsplatz. „Achtung, es wird gedreht!“ wird ab und zu gerufen. Eine Braut läuft der Straßenbahn hinterher. Ein Temeswarer multiethnisches Paar möchte ein wertvolles Gemälde zum Pfandhaus bringen, hofft, mit dem erhaltenen Geld falsche Pässe zu bekommen, um so nach Deutschland auswandern zu können.

Das waren die Filmsequenzen, die am vergangenen Samstag in Temeswar gedreht wurden. Diese sind Teil des Filmes „4 Blows“ (Vier Schicksalsschläge). Der Film ist aus vier Kurzfilmen gebildet. Diese sind eigentlich vier unterschiedliche Etappen im Leben der Hauptgestalt – ein Temeswarer – von den 70er Jahren bis um das Jahr 2010. Der erste Teil der zweiten Etappe – der zweite Schicksalsschlag – wurde nun gedreht. Diese Etappe schildert das Leben der Gestalt im Winter der 80er Jahre. Die Filmsets in Temeswar waren der Freiheitsplatz und die Giurgiu-Straße in der Nähe des Gheorghe-Doja-Parks.


Die Geschichte des Films hat als Ausgangspunkt die eigene Geschichte des Temeswarer Regisseurs Peter Kerek. „Die Geschichte entwickelt sich jedoch in eine Fiktion. Die vier Schicksalsschläge schildern die unterschiedlichsten Lebensetappen der Hauptperson. Die Kurzfilme beschreiben die Art und Weise, wie die Figur das Leben und die Welt wahrnimmt: mit sechs Jahren, mit neun, mit 18 und mit 30 Jahren“, sagt Peter Kerek.

„Warum vier Schläge? Weil es vier Ereignisse sind, die ihm das Leben geprägt haben“, fügt der Regisseur hinzu.

Der erste Schicksalsschlag passiert für den Protagonisten Ende der 70er Jahre. Alles geschieht 20 Minuten vor einem Autounfall, in dem er seine kleine Schwester verliert. Der zweite Kurzfilm beschreibt das Kämpfen der multiethnischen Familie, die nach Deutschland auswandern möchte, dort, wo der Vater bereits lebt. Den dritten Schicksalsschlag bekommt der Protagonist 20 Minuten vor dem Ausbruch der Temeswarer Revolution 1989. Im letzten Kurzfilm wird der Protagonist als ein Erwachsener beschrieben. Die Gestalt ist nun ein Regisseur und wartet ungeduldig auf die Premiere seiner Theateraufführung in Bukarest.


Der Filmdreh in Temeswar hat eine große Unterstützung vom Nahverkehrsbetrieb (RATT) und vom Deutschen Konsulat in Temeswar bekommen. Der Spielfilm wird vermutlich im Herbst 2013 im Kino laufen und könnte zu Werbezwecken für Temeswar im Wettkampf für den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt 2020 genutzt werden. „Ein Film sagt mehr aus als hundert Broschüren oder Gespräche, die meistens zu trocken wirken, um Leute zu begeistern“, sagt der Regisseur Peter Kerek. „Ich drücke Temeswar die Daumen, es zu schaffen. Die Chancen liegen ganz hoch, denn die Stadt verfügt über ein fantastisches Umfeld, doch in meiner Ansicht, muss die Stadt noch wiederbelebt werden“, fügt Kerek hinzu.


Der zweite Kurzfilm wurde von einem rumänisch-deutschen Team gedreht. Das Budget für diesen Kurzfilm beläuft sich auf etwa 90.000 Euro. Den größten Teil davon sichert die deutsche Robert-Bosch-Stiftung. Der Film soll im Sommer in Temeswar weiter gedreht werden.