Allein 1,7 Prozent aller Rumänen sind als Blutspender aktiv

Blutbedarf liegt in Rumänien bei 1000 Litern täglich

Jede gesammelte Blutkonserve ist wichtig. Im Sommer sinkt die Zahl der Blutspender.
Foto: Zoltán Pázmány

Es ist kurz nach 10 Uhr. Wenige Blutspender warten noch an der Reihe. Die meisten haben das Vorhaben schon hinter sich, denn das Temeswarer Transfusionszentrum hat bereits um 7.30 Uhr seine ersten Gäste empfangen. Sobald ein Bett frei ist, kommt der nächste an die Reihe. Eine Krankenschwester kümmert sich um die freiwilligen Spender. Sich bequem aufs Bett legen, mit dem Blick in die andere Richtung, einen kleinen, harmlosen Stich in die linke oder rechte Hand spüren und schon beginnt das Blut aus der Ader in die Konserve zu fließen. Eine Viertelstunde später ist alles vorbei, die 450 Milliliter Blut haben sich angesammelt. So wenig dauert es, um ein Held zu werden. Nur wenige wissen es: Blutspenden rettet Leben. Und gleich drei davon.

In Rumänien sind täglich 1000 Liter Blut notwendig. Dieser Bedarf kann man in den rumänischen Krankenhäusern kaum decken. Ins Temeswarer Zentrum für Bluttransfusion (in der Martir-Marius-Ciopec-Straße Nr. 5, neben dem Temescher Kreiskrankenhaus) kommen täglich zwischen 80 und 100 Bürger, um Blut zu spenden. Dies ist keine geringe, aber auch keine große Zahl – lässt die Leiterin des Zentrums, Dr. Cristina Ghiocel, wissen. „Stellen Sie sich vor, dass das Temeswarer Transfusionszentrum insgesamt 30 Krankenhäuser im gesamten Verwaltungskreis versorgen muss“, sagt die Fachärztin. „Und die Anzahl der Spender wird während des Sommers geringer“, fährt die Ärztin fort. Laut Angaben des rumänischen Gesundheitsministeriums sinkt die Anzahl der Spender in den Sommermonaten um 20-25 Prozent. Dabei ist der Bedarf im Sommer umso größer – zahlreiche Verkehrsunfälle und Noteingriffe führen zu einem weiteren Ungleichgewicht. „Deswegen veranstalten wir von Zeit zu Zeit, vor allem im Sommer, Informations- und Spendeaktionen an den verschiedensten Orten in der Stadt“, erklärt Fachärztin Ghiocel und weist auch auf das jüngste Event zum Anlass des Weltblutspendetages hin, als eine Spendekampagne in der Iulius Mall veranstaltet wurde. Ähnliche Kampagnen werden auch in den jeweiligen Großfirmen und Unternehmen durchgeführt. Die Idee dahinter: Das Vorgehen soll allen Bürgern bekannt gemacht werden.

„Man ist fast eine halbe Liter Blut leichter, doch viel reicher in der Seele“, sagt Alexandru, ein 21-jähriger Spender (Blutgruppe B negativ) kurz nach dem Aderlass. Er ist nicht bei seiner ersten Blutspende und verspricht auch demnächst die Aktion zu wiederholen und dabei immer mehr Leute zu überzeugen, dass sich das Blutspenden lohnt. Dragan ist 19 und wurde leicht von seinem Kollegen überredet. „Es war eine spontane Entscheidung, nachdem mir mein Kollege erzählt hat, dass er spenden wird“, sagt Drajen (Blutgruppe A positiv), der auch schon seine erste Blutspende hinter sich hat. Auf der gegenüberliegenden Seite des Spenderaumes liegt Mirela in ihrem Krankenhauskittel auf dem Bett. Der Beutel auf der Wage ist halbvoll. „Immer wieder muss ich hören, dass es Bedarf an Blutkonserven gibt“, sagt die 40-Jährige, die als Krankenschwester im OP-Saal arbeitet. „Es macht mir Sorgen, dass der Bedarf an Blut schneller als die Zahl der Spender wächst“, fügt die Spenderin (Blutgruppe A positiv) hinzu.

 

Blutspenden ist gesund

Beim Aderlass geht es nicht immer nur ums Geld oder um das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben. Viele Blutspender haben die eigene Gesundheit im Blick. Nach der Spende wird das Blut auf verschiedene Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Hepatitis oder HIV untersucht. Somit ist jede Blutspende auch immer ein kleiner Gesundheitscheck. Daneben genießen die Blutspender auch noch viele weitere Vorteile, darunter die kostenlose Bestimmung der Blutgruppe und des Rhesusfaktors und die Erstellung eines Blutspendeausweises, damit ihnen im Notfall schneller geholfen werden kann.

Blutspenden tut gut für den Organismus. Auf diese Weise wird die Neubildung von Stammzellen, die Erneuerung des Blutes angeregt und gleichzeitig wird das Immunsystem gestärkt. Eine Blutspende mindert um 30 Prozent das Risiko einer Lähmung und eines Schlaganfalls. Im Falle eines Unfalls wird der Körper einfacher heilen, da er bereits am Blutverlust und an der Neubildung des Blutes gewöhnt ist.

Trotz aller Vorteile und Argumente halten sich viele Rumänen von dieser wohltätigen Aktion fern. Bloß 1,7 Prozent der Rumänen spenden Blut. Eine unglaublich niedrige Zahl im Vergleich zu 66 und 52 Prozent der Österreicher und Franzosen, wie das rumänische Gesundheitsministerium zum Anlass des Weltblutspendetages 2015 gemeldet hat.

Interessierte können das Temeswarer Transfusionszentrum von Montag bis Freitag zwischen 7.30 und 13.30 Uhr besuchen. Das ganze Verfahren kann rund eine Stunde samt Vorbereitung und Erholung nach der Spende dauern. Der Personalausweis soll unbedingt mitgebracht werden. Der Spender muss einen ausführlichen Fragebogen zur eigenen Krankengeschichte ausfüllen. Blutdruck und Hämoglobin-Wert werden gemessen. Anhand dieser Informationen entscheidet der Arzt, ob der Spender zur Blutspende zugelassen wird oder nicht. Die Frauen sollen nicht weniger als 55 Kilo und Männer nicht weniger als 65 Kilo wiegen. Die eigentliche Blutabnahme dauert etwa zehn Minuten. Aus medizinischer Sicht ist es möglich, mehrmals im Jahr Blut zu spenden. Mindestens 60 Tage sollen jedoch bis zur nächsten Spende ablaufen. Für Vollblutspenden dürfen Männer bis zu sechs Mal spenden, Frauen bis zu vier Mal im Jahr. Die Spende wird mit sieben Lebensmitteltickets im Gesamtwert von je 9 Lei honoriert. Dabei bekommt jeder Spender einen freien Tag von der Arbeit und 50 Prozent Ermäßigung für eine Monatskarte des öffentlichen Nachverkehrsbetriebs Temeswar (RATT). Rumänien ist der einzige EU-Mitgliedsstaat, der noch ein Honorar für die Blutspende anbietet.