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Donauschwaben – Lehrbeispiel aus der Geschichte Europas

Zu Gerhard Seewann-Michael Portmann "Donauschwaben. Deutsche Siedler in Südosteuropa", Deutsches Kulturforum Östliches Europa, 2018

Das Temeswarer Franz Josef -Theater auf einer alten Ansichtskarte. Foto: privat

Heute, vor allem nach der Gründung der EU, sehen viele Europäer nur noch nach vorn, in die Zukunft, und nicht mehr zurück. Falsch. Kenntnis und Kraft kommen den Völkern weiterhin und  noch immer aus der Geschichte zu. Die Vergangenheit wird es immer geben, man sollte sie nicht vergessen, verdrängen oder gar verfälschen, wie das manche leichtsinnig, andere gar gezielt machen.

In diesem Sinne ist das vom Deutschen Kulturforum Östliches Europa herausgebrachte Sachbuch "Donauschwaben - Deutsche Siedler in Südosteuropa" eine aktuelle wichtige Publikation  zur Verständnis eines Kapitels im Werden Europas, der letzten Jahrhunderte, mit speziellem Augenmerk auf die angeführte historische und Kulturregion bzw. die deutschen Siedlungsgebiete in Südosteuropa, zu verstehen. Das Autorenduo, die Historiker  Gerhard Seewann (Österreich)-Michael Portmann (Schweiz), wiedergeben in einem leicht zu lesenden Handbuch , mit zahlreichen Farb- und Schwarzweiß-Abbildungen, Karten und Registern  die Geschichte der mit dem Sammelbegriff Donauschwaben benannten, entlang der Donau in Südosteuropa angesiedelten Deutschen, nach dem heutigen Forschungsstand. Eine wichtige Erkenntnis zieht wie ein roter Faden durch dieses Buch: Gerade jetzt, in einem vereinigten Europa des Friedens, eines Europas der grenzüberschreitenden Verständigung soll auch stets an das Europa des Krieges, der Entzweiung, der Trennung zwischen West und Ost, gerade an jene Aspekte erinnert werden, die der Geschichte Europas ihren Stempel aufgesetzt haben. Und das war auch das Kapitel der Besiedlung Ost- und Südosteuropas mit deutschen Siedlern. Es geht vorrangig um die Geschichte der Donauschwaben (Der Begriff kommt in den 20gern vom Grazer Geographen Robert Sieger), um die im 17.-19. Jahrhundert ins Königreich Ungarn ausgewanderten Deutschen. Die Ersten- sie fuhren im 18. Jahrhundert von Ulm aus mit den Ulmer Schachteln regelmäßig flussabwärts- kamen aus Lothringen (25 Prozent), der Pfalz, dem Elsass, nur 6 Prozent aus Schwaben. Drei wichtige Siedlungsgebiete bildeten sich heraus, nach 1944 gehörten diese Gruppen auch drei Staaten an. Anhand einer Zeittafel werden im Buch zum Thema wichtige Stationen vom Jahr 1000 bis zum Jahr 2011 begangen. Hervorzuheben ist: Die Geschichte der Donauschwaben hat alle möglichen Grenzsituationen (Krieg, Vertreibung, Zwangsumsiedlung, Deportation und Aussiedlung) erlebt. Das ist wertvolles Lehrmaterial zur heutigen richtigen Verständnis der Mehrsprachigkeit und der Multikulturalität in Europa.

In diesem interessanten Sachbuch (317 Seiten) aus unserer Sicht etwas zu kurz gekommen sind leider die Siedlungsgebiete und die Geschichte der Deutschen in Rumänien, die der Banater Schwaben und der Sathmarschwaben. Die Autoren beschäftigen sich intensiver mit den Ungarndeutschen und den Deutschen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens. Auch der Literatur- und Quellennachweis führt nur wenige Autoren an, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben u.a. Hannelore Baier, Annemarie Weber, Walter Engel, Smaranda Vultur oder Rudolf Gräf.

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