Es war einmal…im Banat

Josef II. und die Freidorfer Fratschlerin

Neusentesch ist heute ein wirtschaftlich aufstrebender Ort. Das bringt auch viel Straßenverkehr mit sich und dazu verbindet die Straße durch den Ort die Stadt Temeswar mit der Autobahnausfahrt. Foto: Zoltán Pázmány

Nachdem Prinz Eugen von Savoyen die Stadt und Festung Temeswar erobert hatte, räumten am 17.10.1716  die  türkische Besatzung die Burg und die mohammedanischen Einwohner die Stadt. Das befreite Land, nach 166-jähriger Türkenherrschaft, wird Kaiserliche Hofdomäne, also der Verwaltung der Wiener Hofkanzlei unterstellt. Zum Gouverneur des Banats wird General Graf Florimund Claudius Mercy ernannt, mit Verwaltungssitz in Temeswar. Auch wurde Temeswar zur Garnisonstadt ernannt und die Siebenbürger Kaserne erbaut. Der einstöckige Bau mit 483 Meter Länge galt seinerzeit als das längste Gebäude Europas.

Die Metropole an der Bega hatte die große Ehre, den Monarchen, Kaiser Josef II. im Jahre 1773 zu empfangen. Bei dieser Gelegenheit wurde, mit der Einwilligung des Kaisers, das neuerbaute Stadtviertel an beiden Ufern der Bega, als Josefstadt benannt. Der Monarch besuchte auch die Domkirche zur heiligen Messe. Dafür hatte man einen Betstuhl für den Kaiser mit Kissen und Tapeten geschmückt. Als der Kaiser in den Dom kam und den Betstuhl sah, räumte er eigenhändig alles wieder weg und sagte: „Vor Gott sind wir alle gleich“. Während seines Aufenthalts in Temeswar, besuchte Kaiser Josef, der wegen seiner Leutseligkeit bekannt war im Lande, auch den Wochenmarkt in der Josefstadt. Dabei kommt er am Stand der Fratschlerin Kati Berwanger aus Freidorf vorbei und sieht einen Korb prachtvoller, rotbackiger Äpfel. Der Monarch fragt sie, woher sie diese schönen Äpfel habe, wahrscheinlich um solche zu erwerben. Zu seiner Überraschung sagt das Marktweib Berwanger: „Die sin vum Birnbaam“. Der Kaiser meint erstaunt: „ Das is doch nit möglich, liebe Frau, dass ein Birnbaum solche prächtige Äpfel trägt.“ Frau Berwanger klärt sodann auf: „Jo, Birnbaam is dr Name meines Nachbarn, der Bauer vun dem ich s´g´kaaft han um se weiderzuverkaafe.“

Kaiser Josef sagt weiter: „Ja, es gibt schon merkwürdige Dinge auf der Welt ! Was meint Ihr wohl, liebe Frau, wer seiner Mutter Kopf in der Tasche trage?“  Die Marktfrau meint dass dies doch nicht möglich sei. Der Monarch jedoch erklärt lächelnd: „Es is gar vieles möglich“ und zog einen Taler mit dem Kopf der Kaiserin Maria Theresia aus der Tasche. Da kam dem Marktweib plötzlich die Erleuchtung und sie wäre in den Boden versunken vor Scham, denn der Mann vor ihr konnte nur der Kaiser sein, vor dem sie eine tiefe ehrwürdige Verneigung machte. Dieser drückte ihr den Taler zum Andenken in die Hand und ging weiter.

Wenn der Kaiser ins Wirtshaus geht

Nach einer Fahrt mit der Kutsche durch den Jagdwald, kehrte der Monarch mit seinem Adjutanten in das Wirtshaus im Vorort Temeswars Neusentesch/ Dumbrăvița ein. Der Kaiser setzte sich an einen Tisch und ließ sich zwei gekochte Eier bringen. Als sein Adjutant bezahlt, vernimmt er zu seinem Staunen, dass die Wirtin zwei Gulden verlangt hatte. Lächelnd fragte der Monarch die Wirtin: „ Nun, meine liebe Wirtin, san die Eier hier so rar?“ Die Wirtin antwortete mit einem verschmitzten Lächeln: „ Die Eier nit, Majestät, aber die Kaiser“, und verneigte sich ehrwürdig vor ihrem hohen Gast. Der Kaiser quittierte mit einem Lächeln die geistreiche Begründung der Wirtin und brach auf.

(Anekdotisches von Robert Glatt aus „Temeschburg-Temeswar-Timișoara“, HOG 1994)

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