Folgekosten

Ich kenne ihn noch von vor meiner Bokschaner Deutschlehrerzeit. Der Buchhalter im Maschinenbauwerk CMB hatte in seiner Temeswarer Studentenzeit ebenfalls im Studententheater (er in der rumänischen Truppe des Diogene Bihoi) mitgemacht. In unserer Reschitzaer Zeit und in den Tagen des Ceauşescu-Sturzes folgte sein Beitritt zur FSN und sein politischer Aufstieg in der PSD bis zum Stellvertreter des Kreisratspräsidenten. Ein Oltenier (Lieblingszitat: „Muicăăăă, toţi suntem de-un neam!“ = etwa: „Mütterchen, alle sind wir von einem Stamm!“) mit den schillerndsten Vorzügen Olteniens, fleißig, intelligent, schalkhaft, mit beißendem Spott und eleganter Ironie, genussfreudig. Wenn er sagt: „Vielleicht bin ich schwer von Begriff!“ – dann muss man hellhörig werden.

Auf der jüngsten Tagung des Kreisrats – Ion Spânu, mein Bekannter, ist heute Kreisratsmitglied (PSD) – sagte er wieder den ominösen Satz von seiner Begriffsstutzigkeit. Es ging um das Magnetresonanzgerät (rumänisches Kürzel: RMN), das der Kreisrat 2012 für das Notfallkrankenhaus Reschitza angeschafft hatte. Mit öffentlichen Geldern. Das Ende 2012 in Betrieb genommen wurde.

Es stellte sich heraus, dass die Gesundheitsversicherungskasse Karasch-Severin nur jene Untersuchungen verrechnet, die an Patienten des Krankenhauses durchgeführt werden. Wenn Ärzte Patienten ambulant zur RMN-Untersuchung – das nächste Gerät steht in Temeswar, das übernächste in Arad - ins Reschitzaer Krankenhaus schicken, müssen diese zwischen 500 und 1500 Lei zahlen – für Untersuchungen mit einem Gerät, das sie eigentlich als Steuerzahler mitfinanziert haben. Für Rentner und Normalverdiener enorme Summen!

Nun war den Kreisratsmitgliedern eine Beschlussvorlage unterbreitet worden, derzufolge alle Bürger des Verwaltungskreises Karasch-Severin Untersuchungen mit dem RMN gratis durchführen können, indem die Krankenversicherung – zu der ja auch alle einzahlen – die Kosten übernimmt. Dazu sollte eine NGO mit Kreisratsbeteiligung gegründet werden (vorgeschlagener Name: Salus Remedies), welche sich um die Verrechnungen kümmert (das Temeswar Modell „Neuromed“ war Vorlage).

Krankenhausdirektor Dumitru Secăşan: „Um rentabel zu arbeiten, muss das Magnetresonanzgerät 14 Mal am Tag eingesetzt werden, denn auch im Ruhezustand verbraucht das Gerät enorm viel Strom. Gegenwärtig werden durchschnittlich vier Untersuchungen pro Tag gemacht.

Über die NGO können Verträge mit der Gesundheitsversicherung abgeschlossen werden, so dass dann die ambulatorisch durchgeführten Untersuchungen verrechnet werden.“ Ratsherr Spânu, gewohnt, mit Kosten umzugehen, wollte Genaueres wissen, vor allem, was es den Kreisrat kostet. Und die anderen Mitglieder der NGO. Drei Ärzte erklärten um die Wette und antworteten immer wieder auf Nach-Fragen – bis Spânu augenzwinkernd meinte: „Jetzt hab ich kapiert, welchen Fehler wir beim Kauf gemacht haben: keiner hat damals nach den Folgekosten gefragt. Und da ich nunmal schwer von Begriff bin, musste ich jetzt ausführlich nachfragen.“

Der Kreisrat nahm die Beschlussvorlage an.