KOMMENTAR: Instanz Oberlehrer

Die Umfragen sprechen von Besorgniserregendem: die PSD hat 35 Prozent Zustimmung, Bukarest kommt in die Hand einer Aufgedonnerten, bislang bloß sich verheddernden Fernsehspeakerin und schmierigen Johannis-Bekämpferin. Die wegen Korruption Verurteilten oder kurz davor Stehenden haben beste Chancen zur Wiederwahl. Der Wahlkampf ist nach dem neuen Wahlgesetz ohne Buntheit. Dass keine Stichwahl mehr stattfindet, favorisiert eindeutig die PSD.

Die (kaum bessere) PNL hat ihren PDL-Fusionsschock noch nicht überwunden. Sie torkelt der Zweitklassigkeit entgegen. Premier Ciolo{ profiliert sich im Verdünnungsskandal. Er weiß das Damoklesschwert eines Misstrauensvotums über sich, auch weil sich die „Technokratenregierung“, die er zusammen mit Präsident Johannis zurechtgeschustert hat, zunehmend als dilettantische Improvisation erweist. Der Präsident schweigt und fährt Bizikel. Alle verharren in Lauerstellung.

Die sich als Siegerin des Wahlgangs vom Sonntag profilierende PSD macht die schwierigste Zeit seit Gründung durch. Sie schickt Victor Ponta vor, den Unterlegenen des Präsidentschaftswahlkampfs 2014, den im Herbst 2015 vom „Volk“ als Regierungschef Geschassten. Sie bereitet das Terrain zur Rettung ihrer Spitzenkorrupten, indem sie die Aura der Antikorruptionsbehörde DNA medial zerbröselt und per Gesetz einschränken will. Parteiintern wird die Paranoia genährt, Ziel und Opfer der Justiz und der kritischen Intellektualität zu sein. Das erhält die größte postkommunistische Partei. Es eint sie. Parteisolidarität vor der DNA und der Drang, die Regierung (wieder) unter Kontrolle zu bekommen bauen jene Entschlossenheit der Verzweifelten auf, die auch im Herbst bei der Parlamentswahl siegbringend sein kann.

Die Erfahrung sagt: wer Bukarest bei der Kommunalwahl erobert, der wird bei der Parlamentswahl uneinholbar. Zusammen mit ihren formellen und informellen Verbündeten wird die PSD alleinherrschend. Früher als zur Parlamentswahl wird sie wohl trotzdem nicht zuschlagen, denn noch müssen andere die glühenden Kohlen aus dem Feuer klauben. Aber: schon zweimal in jüngster Geschichte wurden einige Monate vor Entscheidungswahlen Regierungen gestürzt. Die PSD übt Zusammenhalt und Teamworking. Kann sie sich bis 2017 zurückhalten?

Schlüssel und ultima ratio des Geschachers bleibt der Präsident. Deshalb wird er immer wieder zum Boxsack verlängerter PSD-Arme. Der Schweiger wird mürbe gekloppt. Seine (häufigeren) öffentlichen Stellungnahmen bleiben linkisch. Zu sehr Oberlehrer, zu wenig apodiktische Instanz. Auch davon profitiert die PSD. Weichgekloppt wird Präsident Johannis zusätzlich durch´s Rumreiten auf Cioloş. Der Premier wird als politische Ausgeburt von Johannis gesehen.

Wann findet der Präsident, dass seine Nation reif ist zu einer Grundsatzrede?

cffviseu

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Bemerkungen :

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    Ottmar 06.06.2016 Beim 22:17
    Manfred Rumänen sind nicht phlegmatisch; Rumänen lieben Politiker wenn diese im Gefängnis sitzen, denn das sind wirkliche Machos. Wie kriminell ein Volk ist beweist das Wahlergebnis des Wochenendes wo 5 Gefängnisinsassen zum Bürgermeister gewählt wurden..Seine gestohlenen Dr. Titel trägt jeder Rumäne immer noch mit Stolz denn der Dieb ist in Rumänien ein Held..
  • user
    Manfred 02.06.2016 Beim 18:46
    Ich kann nicht nachvollziehen,warum die Rumänen so phlegmatisch sind,seit über 25 Jahren werden(im häufigen Wechsel) die gleichen Nichtsnutze gewählt,wenn es mal eine neue Partei gibt,wechseln deren Mitglieder binnen kurzer Zeit zu den " alten,erfolgreichen " Gruppierungen...Ich mag die AfD in D wirklich nicht,aber sie hat es geschafft,binnen sehr kurzer Zeit eine zweistellige Prozentzahl zu erreichen...warum geht so etwas in RO nicht ???
  • user
    Peter 02.06.2016 Beim 13:18
    Zu viele erhoffen sich noch immer einen Vorteil, wen sie zur PSD stehen.
    Frei nach dem Motto: Wessen Brot ich essen “möchte“, dessen Lied ich singe!
    Stimme Kritiker zu: Super Beitrag.
  • user
    Tourist 01.06.2016 Beim 15:28
    eine linke sozialistische Partei hat in jedem demokratischen System ihre Berechtigung, aber die PSD ist nur dem Namen nach links und sozialistisch. In Wirklichkeit ist sie ein Sammelbecken für plumpe Nationalisten, ex-kommunistische Bonzen-Seilschaften, korrupte Oligarchen und ziemlich dumme Provinzpolitiker. An dieser Partei ist einfach gar nichts gut, leider. Denn eine ehrliche linke Partei wäre in Rumänien echt nötig, aber nicht diese PSD! Wer die wählt ist selber dumm.
  • user
    Kritiker 01.06.2016 Beim 13:29
    "die PSD hat 35% Zustimmung"! Wie dumm muss ein Volk wirklich sein, wenn 35% noch immer nicht kapiert haben, welches Gesindel sich da hinter der PSD verbirgt. Armes Rumänien - da wird sich wohl NIE etwas zum Besseren ändern!
    Übrigens ein sehr guter Beitrag Herr Kremm.