Dem 95-jährigen Hans Bergel zu Ehren   

Online-Veranstaltung in München ein Ereignis

Unter dem Titel „Mit der Präg-nanz kleistischer Sprachkunst“ wurde der am 26.7.1925 in Rosenau geborene, seit 1968 in München lebende Schriftsteller Dr. h.c Hans Bergel anlässlich seines 95.Geburtstages in Form einer Online-Veranstaltung geehrt, mit Verspätung wegen der Corona-Pandemie, muss hinzugefügt weden, auch nicht, wie geplant, mit einem Festakt inkl. Publikum. Angesehene Institutionen und Persönlichkeiten waren an dem aufwendigen Kulturprogramm beteiligt, das der Literaturhistoriker Josef Balasz entworfen hatte. 

Prof. Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlungsfragen und nationale Minderheiten, würdigte den Journalisten Hans Bergel, der die „Siebenbürgische Zeitung“ München als deren Chefredakteur 1970-1989 „aus einem Vereinsmitteilungsblatt zu einem politischen Instrument mit Wirkung bis nach Bukarest“ machte. Prof. Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des Hauses des Deutschen Ostens, München, nannte Bergel „eine der bedeutendsten siebenbürgischen Persönlichkeiten“. Dr. Kührer-Wielach, Direktor des Münchner Instituts für Kultur und Geschichte Südosteuropas, wies auf die Modernisierung hin, die das Periodikum des Instituts „durch Bergels zwanzigjährige Mitherausgeberschaft erfahren“ habe.  Der kulturelle Teil des Programms enthielt Lesungen aus Bergels literarischem Werk, wobei sich Josef Balasz, der Schauspieler Johannes Höchsmann und Frau Dr. Lilia Attipov abwechselten. Die Szene des mit Ketten an den Füßen im unterirdischen Fort Jilava tanzenden Hirten - aus Bergels Roman „Der Tanz in Ketten“ - gehörte dabei zu den Höhepunkten. Das der musikalische Teil mit der Welt-Erstaufführung der Komposition „Siebenbürgen“ des walsischen Komponisten D. Bullock - Clemente-Quintett - bestritten wurde, war ein weiterer Höhepunkt der beachtlichen Veranstaltung. 

Nicht zuletzt trug das Interview mit Hans Bergel dazu bei. Es war zu reich facettiert, als dass hier nur annähernd eine Wiedergabe möglich wäre. Sein Inhalt verdient eine gesonderte Analyse, besonders die Passagen, in denen Bergel sein Europäertum -unorthodox - beschreibt, wie das ganze Interview eine Persönlichkeit zeigt, die sich auf keine Schablone festlegen lässt („Ich war immer ein Außenseiter“). In summa darf die anderthalbstündige Ehrung des 95-jährigen Hans Bergel in der berühmten Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz nach Form, Inhalt und Qualität als intelektuelles und künstlerisches Ereignis gewertet werden. 

 

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