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Neujahrsempfang im Forum

Ermutigende Reden, wunderbares Konzert und gehobene Stimmung

Der Auftritt von Vlad Maistorovic und Diana Ionescu ist Auftakt zu einer Konzertreihe, die dieses Jahr im Forum stattfinden wird.

Hundert Jahre nach der Entschließung der Sächsischen Nationalversammlung in Mediasch, vom 8. Januar 1918 zur Unterstützung der Entstehung Großrumäniens, versammelten sich die Mitglieder und Freunde des Demokratischen Forums der Deutschen in Kronstadt beim Neujahrskonzert und -empfang des Kronstädter Ortsforums. Teilnehmer von nah und fern trafen am 8. Januar im Festsaal des Forums zusammen, um gemeinsam in festlichem Rahmen den Übergang in ein neues Jahr zu feiern und über die Herausforderungen zu reden, die 2019 mit sich bringt.

Den Ansprachen der drei Redner - Benjamin Josza, Geschäftsführer des Landesforums, Andreas Hartig, Pfarrer der Evangelischen Kirche A.B. Zeiden und Thomas Șindilariu, Vorsitzender des Ortsforums Kronstadt, folgte ein Konzert von Diana Ionescu (Klavier) und Vlad Maistorovici (Violine), danach haben die Korken geknallt und man hat bei Gebäck und Sekt Neuigkeiten und Wünsche ausgetauscht.

Rumänien soll seinen Platz in Europa voll einnehmen

Die zentrale Bedeutung des 8. Januar 1919 für die Geschichte der Siebenbürger Sachsen, als 145 Vertreter einstimmig für den Anschluss des siebenbürgisch-sächsischen Volkes an den Vereinigungswunsch mit dem noch außerkarpatischen Rumänien gestimmt hatten, den die Rumänen Siebenbürgens am 1. Dezember 1918 in Karlsburg/Alba Iulia kundgetan hatten, wurde durch Thomas Șindilariu hervorgehoben. Dieser betonte dessen Bedeutung auch für die Gegenwart, im Kontext der Anfeindungen, die in letzter Zeit gegen die deutsche Minderheit zu sehen sind. Dass die Siebenbürger Sachsen  immer dazu beigetragen haben, dass Rumänien ein westlicher Staat werde, wie es schon König Ferdinand 1919 erhoffte, und dass „sie geschätzt werden“, soll weiterhin so bleiben, indem vermehrt an die „aufrichtige Brüderlichkeit, wie sie vor 100 Jahren mit Händen zu greifen war“ erinnert und daran angeknüpft werde.

Gegen die Angriffe, die auf politischer Ebene gegen die deutsche Minderheit „wie noch nie“ zu sehen sind, werde sich das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien mit allen Mitteln zur Wehr setzen, versicherte dessen Geschäftsführer Benjamin Jozsa. „Denn es kann nicht angehen, dass in einem Land der Europäischen Union eine Minderheit wieder beginnt, Angst zu haben, was als nächstes folgt.“

In diesen herausfordernden Zeiten, die sowohl auf politischer, als auch auf kirchlicher Ebene bevorstehen, müsse jeder von uns zum Frieden beitragen, „das Gemeinsame suchen, Kompromisse finden und im vernünftigen Gespräch auf Augenhöhe miteinander bleiben“, so Andreas Hartig. Der Zeidner Pfarrer nannte die bevorstehenden kirchlichen Ereignisse für das Jahr 2019, wie die Restaurierungsarbeiten einiger Kirchenburgen, den Siebenbürgischen Evangelischen Kirchentag, die vielen landeskirchenweiten Begegnungen im Sommer und die kirchlichen Wahlen und unterstrich die Wichtigkeit der Gemeinschaft, des Miteinanders.  Benjamin Jozsa, der über die Leistungen des Forums im vergangenen Jahr, beziehungsweise über die fast 300 Kulturprojekte und rund 70 gedruckten Bücher erfreut war, hofft und wünscht ein ebenso fruchtbares Jahr und dass dem Kronstädter Forum die Puste nie ausgehen möge.

Musik und Sekt

Die Musiker Vlad Maistorovici (Violine) und Diana Ionescu (Klavier), Mitgründer des internationalen Musikfestivals „vibrate!festival“, das 2015 in Kronstadt ins Leben gerufen worden war, haben das Publikum mit Mozarts Sonaten begeistert. Vor jeder der vier Sonaten hat einer der beiden Musiker über das Werk und Leben Mozarts erzählt. Es ist der Beginn einer Konzertreihe, die im Laufe dieses Jahres im Forum stattfinden wird und vor allem der deutschen Klassik gewidmet ist.

Ionescus Darbietung auf dem Klavier der Meisterklasse, dessen Klang unverwechselbar ist, sowie Maistorovics Können werden mit Sicherheit auch Zuhörer von außerhalb des Deutschen Forums anlocken. „Ich wünsche mir, dass das kulturelle Kronstadt bei uns zu Gast ist“ sagt Șindilariu, der beim Ankauf des Flügels auf die Bereicherung des kulturellen Lebens Kronstadts durch dieses Klavier setzte.

Dasselbe Modell des Flügels aus dem Hause August Förster, das für den Forums-Saal angeschafft wurde, dessen 12.000 Einzelteile in Handarbeit hergestellt worden sind und das 375 Kilogramm wiegt, steht in den Räumen der Kronstädter Musikhochschule.

Seit der Anschaffung des Flügels zur Jahreswende 2015/2016 ist das musikalische Leben im Forum in Schwung gekommen und hat für viele schöne Momente gesorgt. So sind bislang ua. Felix, Steffen und Eckart Schlandt, Paul Cristian, Emma und Andreas Philippi, Sophie Plajer, Verena Hellmann, Martin und Sigrid Arvay, Melinda Samson, Ursula und Kurt Philippi, Botond Szöcs, die Burzenbläser, oder Michael Acker und Toma Dimitriu hier vor das Publikum getreten.

Diana Ionescu ist erste Preisträgerin des Internationalen Klavierwettbewerbs George Enescu 2001, sowie Trägerin der Preise Alexis Weissenberg (Schweiz) und Glass Sellers Trophy (England) und hatte zahlreiche Auftritte im Rahmen internationler Festivals. Vlad Maistorovici, der als Violinist und Komponist bekannt ist, tritt international als Solist und Kammermusiker auf, seine Kompositionen werden von weltweit bekannten Musikern und Orchestern interpretiert. Maistorovici ist in zahlreichen international bedeutenden Konzerthäusern aufgetreten. 

Nach dem Konzert erklang das Siebenbürgenlied. Anschließend wurden die Sektflaschen geöffnet. Bedienen konnten sich die Gäste außer mit Sekt und Gebäck auch mit verschiedenen forumsfinanzierten Publikationen, wie Kalender, die Johannes-Honterus-Geschichte (Kinderbuch), dem Deutschen Jahrbuch für Rumänien, oder dem Bildband zum großen Sachsentreffen 2017.

 

cffviseu

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Bemerkungen :

  • user
    dan 04.02.2019 Beim 09:31
    Leider sind die Sb. Sachsen und ihre Kultur in der Realität und Öffentlichkeit immer noch fast unsichtbar.
    Wäre kein Präsident Johannis da, wüsste die Welt und Europa und Rumänien wenig-nichts, dass es die Sb. Sachsen noch gibt.

    Das Forum tut nichts anderes, als sich selbst zu verwalten. Es existiert nur als Selbstzweck.
    Seine Buch- und Kulturproduktion ist quasi auch unsichtbar. Sie kommt nur den wenigen Forums-Mitgliedern zugute.
    Dabei wäre es an der Zeit, dass das Forum zumindest seiner Verantwortung gerecht wird: die deutsche Minderheit in Rumänien und Europa sichtbar zu machen!
    Doch von den immergleichen Personen und Entscheidern, die bisher wenig-nichts in Richtung publicity und Sichtbarkeit als Notwendigkeit gemacht haben, wird es genauso weitergehen: ein tristes, einsames Sterben der deutschen Minderheit in Rumänien.
    Natürlich werden die Forums-Verantwortlichen immer Begründungen vorbringen, warum sie nicht das, was getan werden muss, tun: es .liegt nie an ihnen, sondern immer an anderen.
    Das Forum ist nur noch ein Armutszeugnis, und diese Position wird eifrig unterstützt von den deutschen Neusiedlern, die (zu oft) keine Ahnung haben (wollen) von dem, was deutsche Kultur in Rumänien bedeutet (für die Rumänen und alle anderen).
Kanton Aargau