Deutsche Studenten erstellen Fresken in byzantinischer Tradition

Workshop von Dr. Adrian Rauca zu Grundlagentechnik und Materialien

Dr. Adrian Rauca zeigt die Technik der byzantinischen Wandmalerei.

Gerade bei sich wiederholenden Motiven ist das Zeichnen mit Vorlagen einfacher.


Der Wandmalereirestaurator Dr. Adrian Rauca von der rumänischen Universität für Kunst und Design in Klausenburg/Cluj-Napoca besuchte wieder einmal für ein paar Tage die HAWK (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim), um Studenten der Wandmalerei-Restaurierung im ersten Semester in Hildesheim byzantinische Wandmalerei nahe zu bringen. Er lehrte, wie sich Malereien mit in byzantinischer Zeit üblichen Techniken und Motiven anfertigen lassen. Möglich wurde dies durch einen Kooperationsvertrag zwischen der HAWK und der Universität in Klausenburg im Rahmen des EU-Programms Erasmus+.

„Um Malereien aus der byzantinischen Zeit richtig behandeln zu können, später in der Restaurierungs- und Konservierungspraxis, ist es wichtig, dass die Studierenden wissen, wie diese entstanden sind“, sagt Dr. Adrian Rauca. Sie könnten zwar viel darüber lesen, aber praktische Erfahrungen seien nachhaltiger. Bei dieser besonderen Wandmalerei-Technik mischen die Künstler die Pigmente mit klarem Wasser und tragen sie auf den noch frischen, feuchten Kalkputz (Intonaco) auf. Die Pigmente binden sich dabei in einer dünnen Kalziumkarbonatschicht, die sich in der Putzoberfläche bildet (Karbonatisierung).

Am Anfang hatte der rumänische Spezialist Rauca in einem einführenden Vortrag die byzantinische Malerei in Rumänien mit ihrer besonderen Technik, den verwendeten Materialien und den besonderen Motiven vorgestellt. Als Beispiel nutzte er hochmittelalterliche Wandmalereien aus Siebenbürgen und spätmittelalterliche Exemplare aus den Kirchen in der nördlichen Moldau. Wegen ihrer Einzigartigkeit gehören inzwischen acht von ihnen zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Anschließend analysierte Rauca anhand vieler Fotos den typischen Farbauftrag dieser Malerei von dunkel zu hell und erläuterte, in welcher Reihenfolge die Farben aufgetragen werden. Dabei betonte er, dass die Teilnehmer nicht unbedingt 1:1 kopieren müssen, sondern das Verständnis erlangen sollten, wie ein solches Fresko aufgebaut ist.

Im Anschluss bereiteten die Teilnehmer die Wände des Flurs im Keller am Bismarckplatz  zunächst vor und trugen den Intonaco auf. Zudem fertigten sie Zeichnungen und Pausen der gewünschten Motive im Maßstab 1:1 und bereiteten die Pigmente vor. Weiter übertrugen sie die Zeichnungen mittels der Lochpausen auf den frischen Putz – erst dann konnten sie mit dem eigentlichen Malen beginnen. Da die Pigmente beim Fresko nur mit Wasser vermischt auf den ganz frischen Putz aufgetragen werden, mussten sie recht schnell malen.

„Wir waren neuneinhalb Stunden in der Werkstatt“, sagt Studentin Melanie Amann. Sie malte den Engel aus dem Motiv Mariä Entschlafung, ein Fresko-Wandgemälde aus dem Kirchenschiff der Klosterkirche in Humor. Durch die Technik „fresco“ spielte vor allem die Zeit eine wichtige Rolle, damit die Wand nicht zu trocken war für den Auftrag der natürlichen Pigmente. Einmal angefangen, musste das Bild auch fertig gestellt werden. Studentin Paula Wick erzählt von den Schwierigkeiten, in ihrem Drachenbild die vielen Nuancen der gleichen Farbe herzustellen. „Besonders die Farbe grau war sehr schlecht deckend“.
„Ein Fresko-Workshop gehört allgemein auch zu unserem Studienprogramm, aber diese Malerei in der Tradition des byzantinischen Freskos unterscheidet sich von der freskalen Malerei im hiesigen Raum: In Rumänien mischt man dem Kalk zum Beispiel geschnittenen Hanf bei, in Deutschland sind hingegen hauptsächlich Sand, Stroh und manchmal Tierhaar üblich“, so HAWK-Werkstattleiterin Anneli Ellesat-Brümmer, die Prof. Rauca in der Woche unterstützt hat. Dr. Barbara Beckett, Professorin für Konservierung und Restaurierung für Steinobjekte und Architekturoberfläche, dankte Dr. Adrian Rauca für den praxisnahen Workshop und bewunderte die detailgetreuen Malereien, die jetzt die Wände am Bismarckplatz schmücken.

Initiiert hatte den Workshop Dr. Angela Weyer, Leiterin des Hornemann Instituts. Sie lernte Adrian Rauca im Rahmen des von ihr koordinierten EU-Projekts „EwaGlos“ kennen. Seine Expertise nutzte sie gerne für die rumänische Übersetzung des europäischen Glossars für Fachbegriffe der Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche und lud ihn für diesen Workshop zum ersten Mal 2019 zur Bereicherung der Lehre in Hildesheim an die HAWK ein.