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Königin Maria und das moderne Keramikschaffen in Großrumänien

Ausstellung im Nationalen Kunstmuseum Rumäniens in Bukarest

Derzeit und noch bis zum 28. April dieses Jahres zeigt das Nationale Kunstmuseum Rumäniens in seiner im ersten Obergeschoss befindlichen Rotunde (Eingang von der Strada Știrbei Vodă her) eine kleine, aber feine Ausstellung mit Einzelstücken aus rumänischen Keramikateliers aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie Ölgemälde verschiedener Künstler, auf denen solche modernen keramischen Kreationen abgebildet sind. Die Keramikschau, zu der das Bukarester Kunstmuseum freien Eintritt gewährt, wurde aus Anlass der Zentenarfeier des modernen rumänischen Staates eingerichtet und vom Ministerium für Kultur und nationale Identität finanziert.

Im Zentrum dieser sehenswerten Ausstellung steht die rumänische Königin Maria, die sich als Gattin von König Ferdinand unter anderem sehr stark für die Förderung der rumänischen Nationalkultur wie auch der Künste eingesetzt hat. Königin Maria hat sich persönlich an der Inneneinrichtung von Residenzen auf königlichem Territorium (Cocioc, Sadova, Periș, Bicaz) oder von im Besitz der königlichen Familie befindlichen Anwesen (Törzburg/Bran, Balcic, Copăceni, Mamaia) beteiligt und in Periș zudem ein Keramikatelier gegründet, das von Gh. Boboc geleitet wurde. In der Bukarester Ausstellung finden sich an den Wänden nicht nur zahlreiche überlebensgroße fotografische Abbildungen der rumänischen Königin, sondern auch Zitate aus ihrer Korrespondenz und aus ihren Memoiren, die ihr großes Interesse für plastische und dekorative Künste dokumentieren.

So schrieb Königin Maria etwa am 1. Oktober 1921: „Mich hat immer die bäuerliche Kunst angezogen, sie hat mich immer fasziniert. Ich habe eine besondere Hinneigung zu urwüchsigen und einfachen Dingen.“ Und am 1. September 1922 kommentiert sie ihre Vorliebe für Keramik mit folgenden Worten: „Eine alte Vase an geeigneter Stelle, vor einem blühenden Strauch, kann mir eine größere Freude bereiten als ein Palast, wenn die Vase die passende Form und die Blüten die richtige Farbe haben.“

Nach der Gründung des modernen rumänischen Staates entstanden in Großrumänien zahlreiche städtische Ateliers, in denen Keramikkünstler, inspiriert von der rumänischen Volkskunst, Gegenstände aus Terrakotta und mit verschiedenen Glasurgestaltungen schufen. Solche Ateliers gab es an zahlreichen Orten in Rumänien: in Bukarest unter dem schönen Namen Troița (Flurkreuz) in der Strada Popa Savu; in Băneasa unter der Leitung von Gh. Niculescu; in Sathmar/Satu Mare unter dem Namen D.A.C., ins Leben gerufen von dem Maler Aurel Popp; und in Turda als Unternehmen der Gebrüder Tompa. Die dort geschaffenen künstlerischen und kunsthandwerklichen Produkte fanden dann ihren Weg in zahlreiche rumänische Bürgerhäuser, in denen sie die Interieurs bereicherten und ausschmückten. Mit der Rezession Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und später noch mit dem Kriegseintritt Rumäniens verloren diese Keramikateliers dann allerdings an Bedeutung.

Zahlreiche Ölgemälde, die die Rundwand der Rotunde zieren, zeugen von der Leuchtkraft dieser Keramikgegenstände in den Innenausstattungen rumänischer Bürgerhäuser. Ein Stillleben in Öl von Elena Popea mit dem Titel „Gelbe Blumen“ präsentiert ein Interieur mit einem dekorativen Keramikkrug, genauso wie ein Ölgemälde von Ștefan Dimitrescu unter dem gleichen Titel. Ein Stillleben von Nicolae Tonitza platziert einen wunderschönen Tonkrug in ein malerisches Ambiente mit einer „sorcovă“, mit Gebäckkringeln, Äpfeln, Büchern und einer als Hintergrund drapierten Decke. Auf Ion Theodorescu-Sions Stillleben in Öl sieht man einen malerischen „Ostertisch“ mit einer Ikone, mit Früchten und schönen Keramikgegenständen (Vase, Krug, Teller). In drei weiteren Stillleben des weit gereisten Künstlers blättert sich geradezu ein Bilderbogen von Tonwaren auf, wobei drei große ockerfarbene Tonkrüge besonders beeindrucken. Theodor Palladys Stillleben zeigt einen Tonkrug mit Margeriten, neben dem rechts zwei Maiskolben liegen und links eine tiergestaltige Kleinplastik aus Ton steht, die auch ein archäologisches Fundstück sein könnte. Eine rote Decke mit schönen Ornamenten bildet den farbigen Hintergrund dieser interessanten Bildkomposition. Lucia Dem. Bălăcescu gibt in ihrem „Stillleben mit Leuchter“, dem einzigen Gemälde in der Ausstellung, das nicht aus den zwanziger und dreißiger, sondern aus den siebziger Jahren stammt, einen dreiarmigen Keramikleuchter wieder (einen ähnlichen dreiarmigen Leuchter kann man auch als realen Keramikgegenstand in der Ausstellung bewundern!), und ein Stillleben des früh verstorbenen Sabin Popp zeigt neben Ikonen, Büchern und Tellern einen Keramikkrug, in dem die Pinsel des Malers stehen, Blumen gleich mit den Haaren als Knospen.

Die eigentliche Attraktion der Ausstellung sind aber die im Zentrum der Rotunde gruppierten Keramikgegenstände, die den Besucher sogleich durch ihren Farbenreichtum und ihr magisches Leuchten anziehen. Im Bukarester Atelier Troița schuf Camil Ressu eine Schale mit Vogelmotiven, mehrere Teller mit Abbildungen von Reihern, Fischen, Hennen mit Küken sowie einen Krug mit floraler Motivik. Nora Steriadi kreierte im selben Atelier mehrere Teller mit Blumen- und Blütenornamenten, einen Pokal aus Keramik, eine Kanne, einen Henkelkrug mit einem eigentümlich geformten runden Ausguss sowie einen glasierten Teller, der Maria mit dem Christuskind zeigt. Weitere Keramikgegenstände aus dem Atelier Troița (Krüge, Teller und eine Servierplatte) mit Tier- und Pflanzenmotiven sowie mit geometrischer Ornamentik sind in der Ausstellung ebenfalls zu bewundern.

Aus der Schule von Târgu Jiu finden sich in der Rotunde des Kunstmuseums sechs charakteristische Trinkflaschen (rum. ploscă) aus keramischen Werkstoffen, zwei davon kompakt und die übrigen vier ringförmig mit einem Loch in der Mitte, etwa wie bei einem Tennisring. Aus dem Atelier Gh. Niculescu aus Băneasa findet man in der Ausstellung weitere Exponate modellierter und glasierter Keramik und aus dem Atelier D.A.C. aus Sathmar sind zwei große dekorative Teller zu bewundern.

Einen schönen Abschluss der Bukarester Ausstellung bilden ein Krug sowie eine Kanne aus dem Atelier Troița. Beide Keramikgegenstände sind auf ihrer Außenseite mit einer „horă“, der Abbildung jenes rumänischen Rundtanzes, der auch als Nationalsymbol gelten kann, verziert, wobei die im Kreis einander an den Händen fassenden Tänzer sich rings um den Bauch des jeweiligen Keramikobjekts schlingen. So gemahnt die in der Rotunde des Kunstmuseums gezeigte Keramik gleichzeitig an die nationale Einheit Rumäniens, wie sie schon im Gedicht „Hora Unirii“ (Tanz der Vereinigung) von Vasile Alecsandri aus dem Jahre 1856 sehnlichst herbeigewünscht wurde.

 

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