„Autobiografien der Nation“

Bilinguales Gespräch im Jahr der Einhundertjahrfeier Rumäniens

Hermannstadt – Der deutsche Historiker Wolfgang Jacobmeyer bezeichnet das Schulgeschichtsbuch auch als „nationale Autobiographie“. Am 2. Juli 2018 knüpfen die „Hermannstädter Gespräche“ mit einer Diskussionsrunde zum Thema „Autobiografien der Nation. Schulgeschichtsbücher in Rumänien und das Jahr 1918“ an die Interpretation Jacobmeyers an.


Im Jahr der Einhundertjahrfeier Rumäniens will das Demokratische Forum der Deutschen in Hermannstadt die Entwicklung der Deutungen des Jahres 1918 diskutieren, das für eine tiefgreifende Veränderung der geopolitischen Karte Europas steht. Wie wurde die „Große Vereinigung“ in den rumänischen Lehrbüchern der Zwischenkriegszeit, der kommunistischen Periode und nach der politischen Wende 1989/90 dargestellt? Gibt es einen Trend, der geschichtliche Ereignisse in einer Perspektive von Zwangsläufigkeit betrachtet? Einen Einstieg in das Thema wird der aus Siebenbürgen stammende Historiker und Osteuropa-Experte Prof. Dr. Hans-Christian Maner von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz geben.


Im weiteren Verlauf des Gespräches werden Dr. Răzvan Pârâianu, Dr. Manuela Marin, Winfried Ziegler und Raul Rognean einen Bezug zur neueren Generation der Schulbücher in Rumänien herstellen: Welches sind die Probleme und Debatten um Lehrinhalte im Fach Geschichte? Wer bestimmt die Inhalte der Geschichtsbücher? Wie müssen Aufbau und Gestaltung von Lehrbüchern beschaffen sein, damit sie einen Beitrag zur Förderung eines unabhängigen multiperspektivischen Denkens der Schüler leisten?


Schulbücher sind ein brisantes Thema. Ihnen kommt in den Bereichen nationaler Identitätskonstruktion und nationaler Identitätsbildungsprozesse in der Vergangenheit wie in der Gegenwart eine wichtige Bedeutung zu. Dabei besteht die Gefahr, Geschichte nicht als Wissenschaft zu betreiben, sondern als Mittel zur Inszenierung der Vergangenheit einzusetzen. Mythen werden dann als historische Wahrheit gelehrt und dienen als Fundament eines ethno-nationalistischen Staats- und Nationsverständnisses.


Ein gelungenes Beispiel für ein Schulgeschichtsbuch liefern Deutschland und Frankreich. Das deutsch-französische Geschichtsbuch von 2006 ist das weltweit erste in zwei Staaten inhaltlich identische Schulbuch. Junge Deutsche und junge Franzosen lernen aus dem gleichen Lehrwerk die Geschichte ihres eigenen Landes, des Partnerlandes sowie Europas und der Welt. Umgesetzt wurde es von einer deutsch-französischen Projektgruppe aus Historikern, Schulbuchexperten und Fachbeamten. Wir fragen: Kann dies auch ein Vorbild für Rumänien und seine Nachbarländer sein?


Das Hermannstädter Gespräch „Autobiografien der Nation. Schulgeschichtsbücher in Rumänien und das Jahr 1918“ findet am Montag, den 2. Juli 2018, um 19 Uhr im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien in der Sporergasse/Str. General Magheru 1-3 statt. Die Veranstaltung findet in deutscher und rumänischer Sprache mit Simultanübersetzung statt. Der Eintritt ist frei.

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