Magyarischer Fürstenbesitz im historischen Blickwinkel

Geschichtsmuseum und Staatsphilharmonie arbeiten am Aha-Effekt

Klausenburg - Die kommunistische Staatsführung Rumäniens hat bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs Schindluder mit dem adligen Siebenbürgen getrieben und einer bereits am Zenit ihres Verfalls angelangten Welt die allerletzten Bodenbretter unter den Füßen weggezogen. Ein Tatbestand, den Zsolt Csók, Archäologe und Mitarbeiter des Nationalen Museums für die Geschichte Transsylvaniens Klausenburg/Cluj-Napoca (MNIT), kurz vor Schluss des dritten Teils der Dokumentationsreihe „High Classic Transylvania“ in die Filmkamera des We Are Studio spricht. Doch er tut es ohne jeden Pathos. Die Bild- und Tonaufzeichnung von 23 Minuten Spieldauer auf dem Gelände des herrschaftlichen und zur Zeit der Renaissance erbauten Kornis-Schlosses in der Ortschaft Szentbenedek/Mănăstirea 50 Kilometer nördlich von Klausenburg am Oberlauf des Kleinen Somesch entstand unter leicht bewölktem Himmel im Sommer 2020 und lässt nicht die geringste Spur von nachträglicher Sucht nach Vergeltung durchschimmern. Zsolt Csók zufolge geht der Name der Ortschaft auf eine Benediktinerabtei des Mittelalters zurück.

Gabriel Gyarmati, Iosif Sătmărean (beide Trompete), Gabriel Cupșa (Horn), Leonard Neam]-Gilovan (Posaune) und Alexandru Corlan (Tuba), Orchestermitglieder der Staatsphilharmonie „Transilvania“ Klausenburg, geben sich vor der Kulisse des weiträumigen und frisch gemähten Innenhofes im Kornis-Schloss auf Klappstühlen sitzend ein Stelldichein nach Maß, das keinen Zweifel an der edlen Qualität Klausenburger Bläserschule aufkommen lässt. Die barocken Akkordfolgen von Jeremiah Clarke, Johann Sebastian Bach und Samuel Scheidt, der nimmermüde Kopfsatz der Serenade „Eine kleine Nachtmusik“ von Wolfgang Amadeus Mozart, das französische Programmstück „La fille aux cheveux de lin“ von Claude Debussy und die Heldentenor-Arie „Nessun dorma“ aus der Oper „Turandot“ von Giacomo Puccini entfalten im Platzkonzert des Blechbläserquintetts ihre volle Stärke und Feinheit zugleich.

Die kurzweilig aufbereitete Geschichte des Kornis-Schlosses wurde Dienstagabend, am 2. Februar, auf die Facebook-Accounts des MNIT und der Staatsphilharmonie Klausenburg sowie auf den Youtube-Kanal der Staatsphilharmonie hochgeladen. Die rechtliche Erbin der Grafenfamilie Kornis von Szentbenedek lebt heute in Budapest und hat manchen unbotmäßigen Eingriff wie auch den bislang am Schloss verübten Raubschaden nicht verhindern können. Dennoch ist es den vom Zahn der Zeit angefressenen Mauern, Dachstühlen und Torbögen des Kulturdenkmals ein Leichtes, den tausendfach von Zuschauern bestätigten Erfolg der Dokumentationsreihe „High Classic Transylvania“ zu stützen.

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